ST.GALLEN: Patientin mit nacktem Oberkörper gefilmt

Das St.Galler Kantonsspital steht in der Kritik, weil es Behandlungszimmer der Notaufnahme mit Videokameras überwachen lässt. Eine Patientin will das nicht auf sich sitzen lassen - und hat den Datenschutz eingeschaltet.

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Der Vorfall spielte sich in der Notfallaufnahme des St.Galler Kantonsspitals ab. (Bild: Coralie Wenger)

Der Vorfall spielte sich in der Notfallaufnahme des St.Galler Kantonsspitals ab. (Bild: Coralie Wenger)

ST.GALLEN. "Es darf nicht sein, dass man in einem Behandlungszimmer in so einem intimen Moment gefilmt wird." Das sagt eine Patientin des Kantonsspitals St.Gallen gegenüber "20 Minuten". Sie fühlt sich in ihrer Intimsphäre verletzt, weil sie in einem Behandlungszimmer der Notaufnahme von einer Videokamera beim Umziehen gefilmt worden ist.

Für Untersuch umgezogen
Der Vorfall, der die Frau empört, datiert vom vergangenen Herbst. Die Patientin musste sich in einem geschlossenen Behandlungszimmer für einen Untersuch umziehen. Erst nachdem sie das Spitalhemd angezogen hatte, stellte sie eine an der Decke hängende Videokamera fest, wie sie gegenüber dem Pendlerblatt berichtet. "Ich wurde mit entblösstem Oberkörper gefilmt", so die Frau, die sich an den kantonalen Datenschutz wandte. Dieser ist laut dem Bericht mit dem Kantonsspital im Gespräch.

Kantonsspital wehrt sich
Das Kantonsspital selbst bestätigt, dass es im Eingangsbereich sowie in mehreren Behandlungszimmern der Notfallaufnahme schon seit Jahren Kameras gibt. Philipp Lutz, Mediensprecher des Kantonsspitals, hält fest, die Kameras in den Behandlungszimmern dienten ausschliesslich der Patientensicherheit. Abgespeichert werde nichts, es handle sich um Echtzeitaufnahmen.

Es sei wichtig, dass Patienten in geschlossenen Behandlungszimmern per Monitor überwacht werden könnten, da nicht immer jemand im Zimmer sei, der bei einem Notfall sofort eingreifen könne, so Philipp Lutz weiter. Auf die Kameras werde im Übrigen hingewiesen, und sie würden in heiklen Fällen abdeckt - beispielsweise wenn ein Patient ums Überleben kämpfe.

Das sagt die Datenschützerin
Corinne Suter Hellstern, Datenschutzbeauftragte des Kantons St.Gallen, sagte gegenüber "20 Minuten", in erster Linie müsse geprüft werden, ob es verhältnismässig sei, einen Patienten zu filmen. Das unterscheide sich von Fall zu Fall. "Videoaufnahmen, die im intimsten Bereich einer Person gemacht werden, also zum Beispiel in einer Garderobe oder in einer Toilettenkabine, sind - abgesehen von seltenen Ausnahmefällen wie beispielsweise Suizidgefährdung im Gefängnis - verboten, da sie gegen den Persönlichkeitsschutz verstossen."

"Eine Grenzüberschreitung"
Patientenschützerin Margrit Kessler äussert gegenüber "20 Minuten" wenig Verständnis für die Videoüberwachung von Behandlungszimmern am St.Galler Kantonsspital. Sie spricht von einer Grenzüberschreitung und kritisiert das Spital: Es sei Aufgabe des Personals, den Patienten direkt zu betreuen. "Die Intimsphäre darf nicht leichtfertig aufgegeben werden, nur weil man Personal sparen will", so Kessler. Sie fügt zudem an, solange sich ein Patient selber umziehen könne, sei eine Überwachung unnötig. (red.)

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