ST.GALLEN: Nisthilfen für die Wildbienen

Der WWF schenkt zu seinem 40. Jahrestag dem Kanton St. Gallen 55 Nisthilfen. Zwei davon stehen in der Stadt. Man will auf die Bedrohung der Wildbienen aufmerksam machen. Doch es gibt auch Kritik.

Pascal Thommen
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Die Nisthilfe am Gübsensee in St. Gallen lädt zur Beobachtung der Wildbienen ein. (Bild: Benjamin Manser)

Die Nisthilfe am Gübsensee in St. Gallen lädt zur Beobachtung der Wildbienen ein. (Bild: Benjamin Manser)

Pascal Thommen

pascal.thommen@tagblatt.ch

«Keine Angst vor Stichen! Die Wildbienen sind nicht aggressiv.» Dieser Hinweis steht auf den 55 neu erstellten Nisthilfen, die der WWF St. Gallen zu seinem 40-jährigen Bestehen dem Kanton geschenkt hat. Verschiedene Gemeinden wurden vom Kanton mit den Bestäubungshilfen bedacht. Auch in der Stadt St. Gallen hat der WWF zwei solcher Nisthilfen aufgestellt. Im Zuge landwirtschaftlicher Aufwertungsmassnahmen wurde eine Nisthilfe am Gübsensee montiert. Die andere steht mitten in der Stadt beim Museum im Lagerhaus.

Nisthilfen sind künstlich geschaffene Nistmöglichkeiten. Eine besondere Form der Nisthilfen sind sogenannte «Insektenhotels». Sie bestehen aus Holz- oder Steintafeln mit Röhrchen für die Ablagerung von Larven. Mit der Installation dieser Nisthilfen soll die Bevölkerung für die Situation der Wildbienen sensibilisiert werden. Fast die Hälfte aller Wildbienenarten in der Schweiz ist bedroht (siehe Zweittext).

Aktion weckt auch kritische Stimmen

Von der Aktion des WWF sind jedoch nicht alle begeistert. Die Natur- und Tierschutzorganisation wildbee.ch beurteilt das Vorgehen kritisch: «Aktionen für Wildbienen freuen uns grundsätzlich sehr», sagt Deborah Millett, Präsidentin von wildbee.ch, «doch sie müssen den Wildbienen, insbesondere den bedrohten Arten, auch wirklich etwas bringen und dies schaffen diese Nisthilfen leider nicht.»

Das Problem bestehe darin, dass solche Nisthilfen nur von ganz wenigen Arten aufgesucht würden, die zudem nicht bedroht seien. «Ausserdem werden nicht bloss Wildbienen, sondern auch übermässig Gegenspieler wie Spechte, Milben und parasitierende Wespen angezogen.» Natürliche Nistplätze hätten daher immer Vorrang, sagt Millett. «Besonders wertvoll für viele bedrohte Wildbienenarten sind Nistplätze in der Erde.» Sie hält jedoch fest, dass künstliche Nisthilfen durchaus einen erzieherischen Wert hätten, wenn sie gut gemacht und im Siedlungsraum platziert würden. Es sei nämlich wichtig, was man mit solchen Nisthilfen kommunizieren wolle, sagt Millett.

Bienen summen beim Bundesverwaltungsgericht

Dem WWF ist die Absicht hinter dem Vorhaben wichtig: «Es geht in erster Linie darum, die Bevölkerung für das Problem zu sensibilisieren», sagt Martin Zimmermann, Geschäftsführer des WWF St. Gallen. Eine solche Nisthilfe dürfte etwa zehn Arten beherbergen, sagt Zimmermann. «Welche Arten dies sind, hängt von der Umgebung ab.» Der WWF setze sich daher auch in weiteren Bereichen für die Bienen ein, sagt er. «Mit unseren zahlreichen Natureinsätzen, zum Beispiel durch den Bau von Trockenmauern oder durch Heckenpflanzungen, stellen wir zusätzlichen Lebensraum und auch das Nahrungsangebot bereit.»

Doch nicht nur der WWF schafft in St. Gallen Plätze für Bienen. Seit einiger Zeit summen auch beim Bundesverwaltungsgericht sechs Bienenvölker. Die Bienen sind quasi ein Geschenk an sich selbst. Das Verwaltungsgericht feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Den Honig, den die Bienen auf dem Kreuzacker produzieren, erhalten die Mitarbeiter als Geburtstagsgeschenk. Für die Öffentlichkeit finden am 18. August und 6. Oktober, jeweils um 20 Uhr, im Bundesverwaltungsgericht zwei Vorträge zu den Themen «gesunde Bienen» und «Apitherapie» statt.