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ST.GALLEN: Mit wem, wenn nicht mit Adam?

Bei den Bürgerlichen in St. Gallen hängt nach den Stadtratswahlen der Haussegen schief. Was im Hinblick auf den zweiten Wahlgang von Ende November zum Problem werden könnte.
Reto Voneschen
Es war Zufall, ist aber doch ein gutes Symbol für den derzeitigen Zustand der bürgerlichen Allianz in der Stadt: FDP-Fraktionspräsident Roger Dornier (links) und CVP-Stadtparteipräsident Michael Hugentobler diskutieren am Sonntag im Waaghaus vor einem Riss in der Wand. (Bild: Michel Canonica)

Es war Zufall, ist aber doch ein gutes Symbol für den derzeitigen Zustand der bürgerlichen Allianz in der Stadt: FDP-Fraktionspräsident Roger Dornier (links) und CVP-Stadtparteipräsident Michael Hugentobler diskutieren am Sonntag im Waaghaus vor einem Riss in der Wand. (Bild: Michel Canonica)

ST.GALLEN. Der Ärger bei der CVP am Sonntagnachmittag war deutlich spürbar: Stadträtin Patrizia Adam hatte das absolute Mehr um gerade einmal 237 Stimmen verfehlt. Und an der CVP-Wahlfeier war auch sofort klar wieso: wegen der FDP-Kampfkandidatur mit Marcel Rotach. Allgemein war davon ausgegangen worden, dieser Angriff gefährde vor allem die Wiederwahl des Parteilosen Markus Buschor. Die Wählerschaft sah das anders als die Prognostiker und Kaffeesatzleser: Buschor legte ein Glanzresultat hin und war nie in Gefahr, nicht wiedergewählt zu werden.

Droht eine linke Mehrheit in der Stadtregierung?

Bei CVP-, aber auch bei SVP-Exponenten war am Sonntagnachmittag Feuer im Dach. Und zwar nicht nur, weil die Baudirektorin durch ein FDP-Spielchen (so die Interpretation bei der CVP) abgestraft worden war. Vielmehr wurde auch die Befürchtung diskutiert, dass es mit allenfalls zwei bürgerlichen Kandidierenden SP-Frau Maria Pappa im zweiten Wahlgang doch noch reichen könnte. Und dann, so wetterte eine Politikerin, «haben wir das Geschenk: Mit Buschor, Jans und Pappa hat die Stadtregierung einen klaren Drall nach links.»

Die Verärgerung und Verunsicherung vertiefte am Sonntag, dass die FDP offensichtlich keinen Plan fürs weitere Vorgehen hatte und nicht einmal einen internen Termin zur Besprechung des weiteren Vorgehens nennen konnte (oder wollte). Die CVP gab jedenfalls bereits kurz nach Bekanntgabe des Resultates der Stadtratswahl bekannt, dass sie erneut die Bisherige Patrizia Adam ins Rennen schicken wolle. Die SVP wiederum kündigte an, intern am Montagabend über die Strategie für den zweiten Wahlgang diskutieren zu wollen. Später wurde auf Anfrage nachgeschoben, dass die Medien frühestens am Mittwoch mit einer Information über die Resultate des Gesprächs rechnen könnten.

Wahlresultat ist die beste Empfehlung für Pappa

Am Mittwochabend, so liess die SP verlauten, werde sie über ihr weiteres Vorgehen beschliessen. Wobei der Entscheid für den Weiterzug der Kandidatur von Maria Pappa im zweiten Wahlgang wohl eine reine Formalität sein dürfte. Mit nur 1050 Stimmen hinter der CVP-Bisherigen Patrizia Adam und 1905 Stimmen vor FDP-Kandidat Marcel Rotach hat Pappa ein ausgezeichnetes Resultat erzielt. Ihre Chancen für den 27. November sind intakt.

Die Bürgerlichen stecken damit in einem Dilemma. Rechts von der CVP gibt es offensichtlich etliche, die die in der Öffentlichkeit nicht wirklich souverän wirkende Baudirektorin gerne los wären. FDP und SVP könnten jetzt natürlich eigene Kandidaten ins Rennen schicken. So eine Kampfkandidatur neben Adam und Pappa birgt aber hohe Risiken. Wenn sich die bürgerlichen Stimmen auf zwei Kandidierende aufteilen ist die SP-Kandidatin am Schluss die lachende Dritte und gewinnt die Wahl.

Natürlich besteht die Möglichkeit, mit einer überzeugenden Kandidatur Adam wie Pappa noch auszustechen. Kandidieren müsste eine Person, der die grosse Mehrheit der bürgerlichen Wählerinnen und Wähler genau dies zutraut, so dass sie sich von Adam ab- und der neuen Person zuwenden könnten.

Diese Situation bestand etwa beim Kampf um den CVP-Ständeratssitz im zweiten Wahlgang vom 27. November 2011. Die SP stellte Paul Rechsteiner gegen den eingewechselten CVP-Kandidaten Michael Hüppi auf. Und prompt wendeten sich bürgerliche Wähler vom politisch «unbeschriebenen Blatt» ab und dem SP-Nationalrat zu, weil sie ihm eher zutrauten, den ungeliebten SVP-Kandidaten Toni Brunner auszustechen. Was er auch tat.

Gesucht: Kandidatin oder Kandidat mit viel Profil

Ob FDP oder SVP für den 27. November 2016 eine Kandidatin oder einen Kandidaten mit einem ähnlichen Format wie seinerzeit Rechsteiner aus dem Hut zaubern können, ist ziemlich unwahrscheinlich. Wenn so eine Kandidatur wirklich vorhanden wäre, hätte man sie wohl bereits für den ersten Wahlgang vom vergangenen Sonntag ins Spiel bringen müssen.

Damit dürfte den Bürgerlichen nur eines bleiben: Sie müssen sich zusammenraufen und wohl oder übel hinter die Kandidatur von Patrizia Adam stellen. Dass die CVP darauf verzichtet, sie nochmals ins Rennen zu schicken, ist höchst unwahrscheinlich. Gelingt den Bürgerlichen aber der Schulterschluss, dürfen sie ziemlich sicher sein, dass die CVP-Frau am 27. November den Sitz im Stadtrat wird verteidigen können. Die nächsten Tage werden zeigen, in welche Richtung es geht. Gespräche hinter den Kulissen werden auf jeden Fall bereits geführt. Das bestätigen Insider.

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