ST.GALLEN: Mit dem Kreuz durch die Stadt

Vom Heilsarmee-Hauptquartier an der Harfenbergstrasse setzt sich am Karfreitag um die Mittagszeit ein schweigender Zug in Bewegung in Richtung Klosterplatz. Vorneweg geht ein Polizist, gleich dahinter zwei Gläubige mit einem Holzkreuz auf den Schultern.

Luca Ghiselli
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Gläubige begaben sich auf den Kreuzweg durch die Stadt St. Gallen. (Bild: Luca Ghiselli)

Gläubige begaben sich auf den Kreuzweg durch die Stadt St. Gallen. (Bild: Luca Ghiselli)

Vom Heilsarmee-Hauptquartier an der Harfenbergstrasse setzt sich am Karfreitag um die Mittagszeit ein schweigender Zug in Bewegung in Richtung Klosterplatz. Vorneweg geht ein Polizist, gleich dahinter zwei Gläubige mit einem Holzkreuz auf den Schultern. Das erntet mitunter erstaunte Blicke von den wenigen Passanten, die an diesem verregneten Mittag durch die Stadt spazieren. Einige fragen gar bei den Polizeibeamten nach, was denn hier los sei. Pfarrer Hansruedi Felix hinterfragt am ersten «Leidensort» die Barmherzigkeit in Zeiten des Cyber Mobbings. Nach der Schweigeminute ertönt «Kyrie eleison». Dann ziehen die 80 Teilnehmenden weiter – es warten noch vier weitere Leidensorte in der Stadt, bis der Kreuzweg mit einem Gebet in der St. Laurenzenkirche endet.

Karfreitag Kreuzweg durch die Stadt St. Gallen (Bild: Urs Bucher)
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Karfreitag Kreuzweg durch die Stadt St. Gallen (Bild: Urs Bucher)
Karfreitag Kreuzweg durch die Stadt St. Gallen (Bild: Urs Bucher)
Karfreitag Kreuzweg durch die Stadt St. Gallen (Bild: Urs Bucher)
Karfreitag Kreuzweg durch die Stadt St. Gallen (Bild: Urs Bucher)
Karfreitag Kreuzweg durch die Stadt St. Gallen (Bild: Urs Bucher)
Karfreitag Kreuzweg durch die Stadt St. Gallen (Bild: Urs Bucher)
Karfreitag Kreuzweg durch die Stadt St. Gallen (Bild: Urs Bucher)
Karfreitag Kreuzweg durch die Stadt St. Gallen (Bild: Urs Bucher)
Karfreitag Kreuzweg durch die Stadt St. Gallen (Bild: Urs Bucher)
Karfreitag Kreuzweg durch die Stadt St. Gallen (Bild: Urs Bucher)
Karfreitag Kreuzweg durch die Stadt St. Gallen (Bild: Urs Bucher)
Karfreitag Kreuzweg durch die Stadt St. Gallen (Bild: Urs Bucher)
Karfreitag Kreuzweg durch die Stadt St. Gallen (Bild: Urs Bucher)

Karfreitag Kreuzweg durch die Stadt St. Gallen (Bild: Urs Bucher)

So geschlossen zeigen sich die städtischen Kirchen sonst kaum. Von Katholiken über Griechisch-orthodox bis hin zur Heilsarmee: Sie sind gekommen, um den Leidensweg Jesu nachzugehen. Der evangelische Pfarrer Hansruedi Felix ist erfreut: «Die Ökumene wird immer wichtiger. Deshalb wollen wir zusammenstehen und die Gemeinsamkeit unserer Kirchen hervorheben, statt immer nur die Unterschiede.» Zum 13. Mal beschreiten gestern Gläubige den Kreuzweg. Die Route wechselt jedes Jahr, die Botschaft sei aber immer dieselbe, sagt Felix: «Christen lassen sich nicht einschüchtern, das Leben ist immer stärker als der Tod.» So widmet sich ein Leidensort – die Talstation der Mühleggbahn – auch der gespaltenen Kirche. Einheit in der Vielfalt brauche es, die Zersplitterung müsse aufhören. Weitere Stationen sind dem Terror (Roter Platz) und der Flüchtlingskrise (Grüningerplatz) gewidmet.

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Am Bärenplatz, der letzten Station des Kreuzwegs, halten die Teilnehmer dann nur inne. Pfarrer Felix verzichtet auf eine Ansprache. Die Anwesenden gedenken der Opfer der Terroranschläge in Brüssel von vergangenem Dienstag und aller anderen, die von «Attacken auf das Leben» betroffen sind. Der Kreuzweg – er scheint auch ein Weg zu sein, die Kirche wieder sichtbar zu machen. Eine Teilnehmerin sagt, der «normale» Kirchengang sei nicht so ihr Ding. Doch der Kreuzweg bringe Abwechslung und verknüpfe lokale Plätze mit dem Glauben und ermögliche so eine spirituelle Auseinandersetzung mit dem Karfreitag.