St.Gallen liegt beim Tierschutz vorne

Tierschutzdelikte werden im Kanton St.Gallen seit Jahren konsequent angezeigt und bestraft. 245 Strafverfahren wurden 2014 eröffnet, knapp 80 Prozent der Täter wurden schuldig gesprochen. Das sind etwas weniger als in den Vorjahren.

Christoph Zweili
Drucken
Teilen

Mit 245 Strafverfahren, 31 mehr als im Vorjahr, belegte der Kanton St.Gallen im vergangenen Jahr erneut einen Spitzenplatz beim Tierschutz. Schweizweit einzigartig ist im grössten Ostschweizer Kanton seit 2003 der spezialisierte Staatsanwalt Jörg Gross vollamtlich verantwortlich für die Verfolgung von Tierschutzverstössen. Noch bessere Strukturen zur Ahndung von Tierschutzverstössen hat nur der Kanton Zürich (337 Fälle).

Von den 245 Straffällen im Kanton St.Gallen akzeptierten 180 Personen das Urteil, 10 erhoben Einsprache und das Verfahren wurde von der nächsten Instanz, dem Kreis- oder Kantonsgericht, beurteilt. Bei 9 Personen wurde das Urteil des Staatsanwalts bestätigt. Eine Person wurde durch das Gericht freigesprochen. Der Durchschnitt der Bussen liegt mit 640 Franken um einiges höher als der nationale Wert (300 Franken). In sieben Fällen wurden Bussen über 1000 Franken ausgesprochen, ein Täter wurde mit einer Busse von 9800 Franken bestraft, da er trotz eines Tierhalteverbots Hunde, Kaninchen, Ziegen, Schweine und Hühner hielt.

Weniger Verurteilungen

Die Stiftung Tier im Recht, die die Delikte seit Jahren untersucht, bedauert den Rückgang der Verurteilungsquote im Kanton St.Gallen, der damit national auf dem viertletzten Platz liege. Dieses Resultat sei zwar in Bezug auf die extrem hohe absolute Fallzahl zu relativieren, stelle gegenüber den Vorjahren «jedoch einen massiven Rückgang dar». 2013 hatte die Quote noch bei 81,06 gelegen, 2012 bei 81,5 Prozent.

Über derartige Zahlenspielereien schütteln der St.Galler Kantonstierarzt Albert Fritsche und Jörg Gross nur den Kopf. Das St.Galler Modell trage zwar nachweislich dazu bei, dass Tierschutzdelikte vermehrt angezeigt und bestraft würden. Doch die Anzeigen erfolgten von mehreren Seiten, «über den Kanton, die Polizei, die Fleischkontrolleure bei der Schlachtung, im Rahmen von Labelkontrollen oder im Fall von Heimtieren auch oft über Private». Nicht in jedem Fall lasse sich danach ein Tatverdacht auch faktisch erhärten, sagt Gross. «Fehlt der Beweis, gibt es auch keine Bestrafung. Das Verfahren wird eingestellt.»

Bauern stärker kontrolliert

Die Höhe der jeweiligen Sanktionen ist vom Einkommen abhängig. Laut Fritsche werden die Bauern im Rahmen der Direktzahlungsbeiträge alle vier Jahre kontrolliert – und gebüsst, falls sie sich etwas zuschulden kommen lassen. «Bei den Heimtierhaltern gibt es derartige Kontrollen nicht. Gerade hier ist wohl aber die Dunkelziffer gross.» Statistisch war im vergangenen Jahr in sechs von zehn Fällen mindestens ein Heimtier betroffen. Setzt man die Zahl der Strafverfahren ins Verhältnis zur Einwohnerzahl, ergingen 2014 schweizweit im bevölkerungsschwachen Kanton Appenzell Innerrhoden mit 5,05 Fällen pro 10 000 Einwohner sowie im bevölkerungsstarken Kanton St.Gallen mit 4,94 Fällen die meisten Tierschutzstrafentscheide.

Das hat Tradition – die beiden Kantone wiesen auch in den letzten fünf Jahren konstant die höchsten Werte auf. In Appenzell Ausserrhoden mit total 20 Fällen (3 mehr als im Vorjahr) sind es 3,7 Fälle im Verhältnis zur Einwohnerzahl, im Thurgau mit 44 Fällen (vier weniger als 2013) noch 1,67.