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ST.GALLEN: Kugeln haben ausgedient

Die Gasspeicher im Schellenacker werden abgetragen. Dies ist einer der letzten Schritte in der Erneuerung der städtischen Gasversorgung. Es ist nicht das erste Mal, dass ein Gaswerk aus dem Stadtbild verschwindet.
Adrian Lemmenmeier
Der Abbruch der Erdgasspeicher im Schellenacker dauert maximal zwei Monate. (Bild: Ralph Ribi)

Der Abbruch der Erdgasspeicher im Schellenacker dauert maximal zwei Monate. (Bild: Ralph Ribi)

Adrian Lemmenmeier

adrian.lemmenmeier@tagblatt.ch

«Es ist, als schäle man eine Orange.» So beschreibt Marcel Steiger die Demontage der Gasspeicherkessel im Schellenacker. An den grünen Kugeln sind metallene Stützen angebracht. Auf einem Kran stehen zwei Arbeiter und schneiden die ersten Stücke aus der stählernen Orange. Die Gase und der Russ, die dabei entstehen, werden direkt abgesaugt und landen in Aktivkohlenfiltern.

«Die beiden Speicherkugeln sind unterschiedlich beschaffen», sagt Steiger, Bereichsleiter Netz, Gas und Wasser bei den St. Galler Stadtwerken. Die ältere Kugel aus dem Jahr 1969 enthalte PCB, eine giftige Chlorverbindung, und müsse deshalb besonders vorsichtig behandelt werden. «Die einzelnen Teile werden in einer Werkstadt speziell bestrahlt, bevor sie eingeschmolzen werden können.» Die Wände der jüngeren Erdgaskugel aus dem Jahr 1985 können direkt weiterverarbeitet werden. «Das Metall wird dem Recycling zugeführt», sagt Steiger. Dafür erhält die Stadt den Preis des Stahls vergütet. «Danach werden die Fundamente der Gaskugeln abgetragen». In maximal zwei Monaten wird von den beiden Speicherkugeln in der Nähe des Olma-Areals nichts mehr übrig sein.

Abbau ist günstiger als budgetiert

Die Kosten für den Abbau der Gaskessel belaufen sich auf 250000 Franken. Dies ist bedeutend weniger als budgetiert. Als der Abbruch im Jahre 2011 geplant wurde, ging man davon aus, dass über eine Million Franken benötigt würde, um die Speicherkugeln im Schellenacker abzureissen. «Wir hatten damals kaum Erfahrungswerte», sagt Steiger. Erst nachdem vor einem Jahr die anderen Gasspeicher der St. Galler Stadtwerke im Goldacher Rietli abgebrochen worden seien, hätte man die genauen Kosten abschätzen können.

Abgebrochen werden die kugelförmigen Gasspeicher, weil die Konzession des Bundesamtes für Energie (BFE) in diesem Jahr ausläuft. Der Abbau ist die letzte Phase der Erneuerung der städtischen Erdgasversorgung – einer 27-Millionen-Vorlage, die im Jahr 2011 von 85 Prozent der Stimmbevölkerung durchgewinkt wurde. Im Zuge dieser Erneuerung wurde im Hohfirst in Waldkirch bereits ein unterirdischer Speicher eingeweiht. Dort wird das Gas seit einem Jahr in Röhren gespeichert. «Die Speicherkapazität ist etwa doppelt so gross wie im Schellenacker und im Rietli», sagt Steiger.

Solche Speicher seien aus verschiedenen Gründen notwendig. Zum einen könne man damit die Stadt gut einen halben Tag lang mit Gas versorgen, falls es einen Unterbruch in der Versorgung gebe. Zum andern dienten die Speicher dazu, die Gaspreise auszugleichen. «Momentan sind kurzfristige Erdgaszukäufe günstig. Das kann sich aber wieder ändern.» Schliesslich nehme man im städtischen Energiekonzept 2050 an, dass in naher Zukunft mehr Erd- und Biogas benötigt werde, ehe der Gasverbrauch zu Gunsten von erneuerbaren Energien wieder abnehmen würde.

Insgesamt sei man mit der Erneuerung der städtischen Gasversorgung voll auf Kurs. Einzig die Erhöhung des Drucks im Leitungsnetz von einem auf fünf Bar sei noch nicht abgeschlossen. Der erhöhte Druck gewährleiste, dass die eingespeiste Gasmenge an jedem Punkt verfügbar sei. «Diese Umsetzung erfolgt langsam, da alle Leitungen mehrfach auf Lecks geprüft werden», sagt Steiger. «Drei bis vier Jahre dürfte es dauern, bis in allen Leitungen der Druck auf fünf Bar erhöht ist.»

Zum zweiten Mal aus dem Stadtbild

Die Gaskugeln im Schellenacker sind voraussichtlich im Juni vollständig abgetragen. Somit verschwinden die auffälligen Bauten der Gasversorgung aus dem Stadtbild. Dies geschieht bereits zum zweiten Mal in der St. Galler Geschichte. Denn in unmittelbarer Nähe zu den Gaskesseln im Schellenacker stand schon einmal ein Gaswerk. Nämlich ungefähr da, wo heute das Gebäude der VBSG steht – zwischen der Steinachstrasse und der Volksbadstrasse.

Dieses Werk wurde im Jahr 1857 errichtet. Gas wurde aus Holz und später aus Steinkohle destilliert. Verwendet wurde es anfänglich ausschliesslich für die Beleuchtung. Im Jahr 1858 erhellten 220 Gaslaternen die Stadt; um 1900 wurden gut tausend gezählt. Das Gas brachte die Stadt aber auch über Umwege zum Leuchten. Denn bis 1899 wurde das städtische Elektrizitätswerk ausschliesslich mit Gasmotoren betrieben. Auch das elektrische Licht, das in St. Gallen 1879 das erste Mal an der Vadianstrasse zu bestaunen war, wurde anfänglich mit der Energie aus den Gasöfen erzeugt. Ab Mitte der 1880er-Jahre wurde Gas zum Kochen und bald darauf auch zum Heizen verwendet.

Wegen der steigenden Nachfrage beschloss die Bürgerversammlung im Jahr 1902, ein grösseres Werk im Goldacher Riet zu errichten, und das Gaswerk an der Steinachstrasse in St. Gallen wurde 1904 ausser Betrieb genommen. In den Jahren 1969 und 1985 wurden erneut an der Steinachstrasse jene zwei Gaskessel erbaut, die derzeit mit Schweissbrennern auseinandergeschnitten werden.

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