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ST.GALLEN: Kran hebt Mühleggbähnli von den Schienen

Zum Start von Sanierungsarbeiten ist das St.Galler Mühleggbähnli am Dienstagnachmittag von den Schienen genommen worden. Es wird zwischengelagert und erhält ein neues Zuhause - im Toggenburg.
Christoph Renn
Das Mühleggbähnli wird von einem Kran abtransportiert. (Bild: Ralph Ribi)

Das Mühleggbähnli wird von einem Kran abtransportiert. (Bild: Ralph Ribi)

Nach knapp zwei Minuten ist die Kabine der Mühleggbahn sicher auf der Strasse gelandet. Mit einem Kran wurde sie gestern Mittag vorsichtig von den Gleisen über das Häuschen der Talstation und auf einen Lastwagen gehoben und abtransportiert. Jedoch ging die Reise der Kabine nicht, wie zuerst von Seiten des Verwaltungsrates der Mühleggbahn AG angenommen, in die Schrottpresse: «Wir haben zum Glück ein neues Plätzchen für das Bähnli gefunden», sagt Verwaltungsratspräsident Philip Schneider.



Nach einem Aufruf in dieser Zeitung haben sich gemäss Schneider drei Interessenten für die ausgediente Kabine bei ihm gemeldet. Den Zuschlag hat der Bewerber aus dem Toggenburg erhalten. Somit tritt das Mühleggbähnli bald seine Reise nach Wildhaus an. «Natürlich wäre es nahegelegen, die Kabine einem Privaten aus St.Gallen zu verkaufen», sagt Philip Schneider. Doch auch am neuen Ort bestehe der Bezug zur Stadt St.Gallen. Den symbolischen Kaufpreis von einem Franken hat die Genossenschaft St. Galler Jugendheime bezahlt. Sie ist Trägerin des Lagerhauses Bodenweidli, das 1949 für Schullager für Kinder aus der Stadt St.Gallen gebaut wurde. Die Genossenschaft ist aus dem Lehrerturnverein St. Gallen hervorgegangen. Die beiden Trägergemeinden sind die Stadt St. Gallen und Thal.

Die Kabine kommt zuerst in ein Zwischenlager

Wo die Kabine dereinst genau platziert wird, ist laut dem Vorstand der Genossenschaft St.Galler Jugendheime noch nicht definitiv entschieden. Es sei ein schräges Bähnli, deshalb brauche es auch einen schrägen Platz. Sicher sei aber, dass es in den Spielplatz vor dem Bodenweidli integriert werde. So könne ein Stück St.Galler Stadtgeschichte Teil der Geschichte des Lagerhauses werden. Doch bevor Kinder die Kabine an ihrem neuen Ort in Wildhaus erobern können, muss sie in ein Zwischenlager. «Wir müssen das Bähnli noch ganz ausschlachten, die gesamte Elektronik ausbauen», sagt Philip Schneider. Und auch die Verantwortlichen des Bodenweidli müssten noch etwas Vorbereitungsarbeit leisten. Denn die Kabine brauche ein festes Fundament, auf das es gestellt werden könne.

Neben der Genossenschaft hat auch Andreas Nef aus St.Georgen Interesse an der alten Kabine der Mühleggbahn angemeldet. Er hat nun aber den Kürzeren gezogen. «Das Wichtigste ist jedoch, dass das Bähnli nicht geschrottet wird», sagt er. Nef wollte die Kabine zu einer Gartenloggia ausbauen. Und er wollte sie so im Quartier behalten. Doch gibt er zu, dass es ein komplizierter logistischer Aufwand gewesen wäre, das Bähnli in seinen Garten zu hieven. Trotzdem schwingt eine leise Enttäuschung mit, immerhin hätten sie sich während der vergangenen Wochen intensiv mit der Planung auseinandergesetzt, sagt Nef.

Für ein halbes Jahr auf den Bus umsteigen

Die Chancen, dass das Bähnli auf anderen Schienen weiterfahren könnte, waren laut Schneider sehr gering. «Wir hätte irgendwo einen anderen Schräglift finden müssen, der exakt die gleiche Neigung hat», sagt Schneider. Zudem hätten die Schienen dieselbe Breite und Dicke aufweisen müsse. Nun freue er sich, dass bald viele Kinder Freude an der ausgemusterten Kabine der Mühleggbahn finden werden.

Der Abtransport des Mühleggbähnlis gestern Mittag war zugleich der Startschuss der umfassenden Sanierungsarbeiten. Während gut einem halben Jahr soll unter anderem der Tunnel aufgebessert werden. Aber auch die Bahntechnik inklusive Schienen, Antrieb und Steuerung wird erneuert. Ab voraussichtlich November verkehrt eine neue Kabine zwischen der südlichen Altstadt und St. Georgen. Bis zur Wiedereröffnung müssen die Benutzer des öffentlichen Verkehrs die Busse der Linien 2 und 8 benutzen.

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