ST.GALLEN: Kleider wie vom Mond

Im Paracelsusgässlein eröffnet heute vorübergehend eine Design-Boutique. Unter dem Namen Kalk zeigen Ramona Gschwend und Juri Roemmel ihre neusten handgemachten Stücke. Assoziationen mit der Raumfahrt sind gewollt.

Roger Berhalter
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Am liebsten schwarz oder weiss: Ramona Gschwend und Juri Roemmel in ihrem «Pop-up-Store» im Paracelsusgässlein. (Bild: Michel Canonica)

Am liebsten schwarz oder weiss: Ramona Gschwend und Juri Roemmel in ihrem «Pop-up-Store» im Paracelsusgässlein. (Bild: Michel Canonica)

ST.GALLEN. Es begann mit einer Tasche. «Unser Wunsch war, einmal selber eine Ledertasche herzustellen. Aber so, dass man auch sieht, dass sie aus Leder ist», sagt Juri Roemmel und ist schon mittendrin in einer Diskussion über Design, Materialien und ihre Bedeutung im Alltag. Zusammen mit Ramona Gschwend tritt Roemmel seit bald einem Jahr unter dem Namen Kalk auf. Es ist kein Modelabel, kein Kunstprojekt, keine Designstudie und doch von allem ein bisschen. Der Grafiker und die Dekorationsgestalterin bezeichnen Kalk selber als «offenes Projekt für Materialexperimente». Der 23- und die 21-Jährige spielen mit Materialien, experimentieren mit traditionellem Kunsthandwerk und hantieren mit der Nähmaschine ebenso wie mit Töpferscheibe und Stahlsäge. Das Ergebnis sind Objekte, aus denen gleichzeitig Spielfreude und Gelassenheit spricht.

Im ehemaligen Antiquariat

Ihre neusten Stücke zeigen Ramona Gschwend und Juri Roemmel derzeit im sogenannten Pop-up-Store im ehemaligen Antiquariat Ribaux im Paracelsusgässlein (siehe Zweittext). Der Raum, der nur an diesem Wochenende geöffnet hat, ist Boutique und Ausstellung zugleich. In schlichtem Ambiente haben der 23- und die 21-Jährige ihre Objekte arrangiert. An Stahlfedern hängen Taschen von der Decke – und ja: man sieht ihnen an, dass sie aus Leder sind. Die Jungdesigner haben die Innenseite nach aussen gestülpt, unreine Stellen bewusst ins Blickfeld gerückt und auf ein Innenfutter verzichtet. «Leder ist so ein schönes Material, das soll man auch spüren, wenn man in die Tasche hineingreift», sagt Roemmel.

Eine Hose wie ein Regenmantel

Neben Ledertaschen gehörten schon zur ersten Kollektion auch Krüge, Teller und Vasen, die Ramona Gschwend selbst getöpfert hat. Überhaupt ist bei Kalk alles handgemacht, bis hin zu den geprägten Metallplaketten. «Wir nähen auf einer alten Industrienähmaschine», sagt Gschwend. Nur die neuen Kleider im Sortiment haben die beiden von der befreundeten Modedesignerin Elea Zena fertigen lassen.

Wer die Stücke von Kalk betrachtet und befühlt, muss sich umgewöhnen. Ein Umhang ist aus weissem Frottee, ein T-Shirt aus gewachstem Leinen, eine kurze Hose fühlt sich an wie ein Regenmantel, eine Jacke aus silberbeschichtetem Polyester flimmert und glänzt. Die Kleider sind weit geschnitten, mehrheitlich weiss und erinnern deshalb an Raumanzüge. Eine bewusste Assoziation. «Mond» lautet nämlich das Thema dieser zweiten Kalk-Kollektion, die rund 24 Objekte umfasst.

Ihre erste, noch deutlich kleinere Kollektion zeigten Ramona Gschwend und Juri Roemmel am St. Galler Designermarkt «Cash for Trash» im vergangenen Dezember. «Nach drei Stunden waren wir ausverkauft», sagt Gschwend und lacht. Dieser Erfolg habe sie motiviert, weiterzumachen.

Prinzip Versuch und Irrtum

Seither klappern sie Gerbereien nach einheimischem Leder ab, stöbern in Brockenhäusern nach ungewöhnlichen Materialien und experimentieren damit. «Manchmal läuft man gegen eine Wand. Manchmal wird's super», sagt Roemmel. Die Zukunft des Projekts Kalk lassen sie gerne offen. «Wer weiss, vielleicht gibt's ja mal eine Kollektion mit Möbeln?»

Pop-up-Store Kalk im Paracelsusgässlein: Fr, 15.00–21.00; Sa, 10.00–21.00; So, 12.00–17.00. www.facebook.com/ kalziumkarbonat