ST.GALLEN: «Klassische Obdachlose gibt es nicht»

Auch in St.Gallen gibt es Personen, die bei dieser Kälte kein Dach über dem Kopf haben. Jürg Niggli von der Stiftung Suchthilfe betreut diese, die auf der Suche nach einem Obdach sind.

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Jürg Niggli, Geschäftsleiter der Stiftung Suchthilfe. (Bild: Ralph Ribi)

Jürg Niggli, Geschäftsleiter der Stiftung Suchthilfe. (Bild: Ralph Ribi)

Auch im Winter begegnet man auf den Strassen Obdachlosen. Wo schlafen diese eigentlich?

In St.Gallen ist niemand gezwungen, obdachlos zu sein. Grundsätzlich bietet die Stadt St.Gallen allen Betroffenen ein Dach über dem Kopf. Klar sieht man immer wieder einige Personen, die auf der Strasse leben. Aber auch sie haben die Gelegenheit, einen Unterschlupf zu finden – wenn sie denn wollen.

Es kommt also vor, dass einige sogar bei eisigen Temperaturen wie jetzt die angebotene Hilfe ablehnen?

Ja. Manche haben sich so gut ausgerüstet, dass sie schlichtweg nicht von ihrem Ort wegzubringen sind. Das kann verschiedene Gründe haben, etwa weil sie sich in einer Wohnung eingeengt fühlen. Oder einfach, weil sie an ihrem «Stammort» besser schlafen. Solange es ihnen gesundheitlich gut geht, ist das vertretbar. Die Personen, die auf der Strasse leben, beobachten wir stets. Aber auch für sie gibt es Alternativen.

Jürg Niggli, Geschäftsleiter der Stiftung Suchthilfe. (Bild: Ralph Ribi)

Jürg Niggli, Geschäftsleiter der Stiftung Suchthilfe. (Bild: Ralph Ribi)

Und die sind?

In der Stadt gibt es ein vielfältiges Angebot an Schlafstellen. Etwa das Haus zur Grünhalde, die Unterkünfte für Obdachlose (UFO) oder die Wohngruppe Arche der Stiftung Suchthilfe. Je nach dem, in welchem physischen und psychischen Zustand sich eine Person befindet, variiert die Betreuungsintensität.

Kommt es vor, dass jemand mal kein Obdach bekommt?

Platzprobleme gibt es nicht, denn die Verantwortlichen sind bemüht, dass ein solcher Fall nicht eintrifft. Wer einen Platz benötigt, bekommt auch einen. Das hat aber zur Folge, dass die betroffenen Personen auf Kompromisse eingehen müssen. In St.Gallen gibt es keine klassischen Obdachlosen.

Warum ist das so?

St.Gallen ist keine Grossstadt. Auf 80'000 Einwohner kommen hier einer oder zwei Obdachlose, um die man sich kümmern muss. Ausserdem gibt es in der Schweiz ein gutes soziales Netz. (eam)

In St.Gallen muss kein Obdachloser auf der Strasse schlafen. Die Stadt bietet grundsätzlich allen Betroffenen ein Dach über dem Kopf an. (Bild: epa/Symbolbild)

In St.Gallen muss kein Obdachloser auf der Strasse schlafen. Die Stadt bietet grundsätzlich allen Betroffenen ein Dach über dem Kopf an. (Bild: epa/Symbolbild)