ST.GALLEN: Klage über Standpreise

Kein St.Galler Fest ohne Kritik im Vorfeld. Auch jetzt klagen einige Wirte beispielsweise über die Höhe der Standmieten. Der OK-Chef verteidigt die Preisgestaltung.

Pascal Thommen
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Am Freitag und Samstag verwandelt sich die St. Galler Altstadt wiederum in eine Festhütte. (Bild: Samuel Schalch (20. August 2016))

Am Freitag und Samstag verwandelt sich die St. Galler Altstadt wiederum in eine Festhütte. (Bild: Samuel Schalch (20. August 2016))

Pascal Thommen

pascal.thommen@tagblatt.ch

Gute Stimmung, Livemusik, Feiern mit Freunden und Bekannten: Das St.Galler Fest wird auch an diesem Wochenende viele Gäste aus Stadt und Region anziehen. Bei einigen Wirten, die am Fest Stände betreiben, hält sich die Vorfreude allerdings in Grenzen. Grund sind zum einen die hohen Standmieten vor den Lokalen. Zum anderen stören sich Wirte an der frühen Polizeistunde am Fest. Von Freitag auf Samstag ist um 1 Uhr, in der Nacht auf Sonntag um 2 Uhr Schluss.

Fürs Wirten vor der Bar zweimal zahlen?

Ein Wirt, der zur Kritik am Stadtfest steht, ist Cengiz Rashidi, der Betreiber der Pasha-Bar in der Glockengasse. «Die Standpreise sind eine Abzockerei», sagt er. Seine Bar befindet sich in einer wenig frequentierten Zone des Festareals. Auch deswegen sehe er nicht ein, wieso er für die zwei Tage Stadtfest eine zusätzliche Platzmiete abliefern müsse. Er zahle für das Wirten auf dem Platz vor seiner Bar ohnehin fast 400 Franken Miete pro Saison an die Stadt, sagt Rashidi. «Fürs Stadtfest brauchen wir ausserdem mehr Personal.» Finanziell lohne sich für ihn die Teilnahme am Anlass deshalb kaum.

Bruno Bischof findet auf Anfrage die Kritik der Wirte «haltlos». «Seit Jahren sind die Preise für die Mieten auf dem selben Niveau», betont der Geschäftsleiter des St.Galler Fests. Ausserdem seien die Konditionen für die Platzmieten transparent. Sie seien auf der Internetseite des Organisationskomitees für jedermann einsehbar. Zudem wird bei der Tarifgestaltung berücksichtigt, ob jemand im Zentrum oder am weniger frequentierten Rand des Festareals wirtet.

Ein weiterer Kritikpunkt etlicher Wirte ist die frühe Polizeistunde am St.Galler Fest. Cengiz Rashidi zieht diesbezüglich einen Vergleich mit anderen Stadtfesten. Andere Städte seien nicht so restriktiv. «St.Gallen ist am schlimmsten.» Sobald man wenige Minuten über dem Zeitlimit Musik abspiele, stehe gleich die Polizei vor der Tür, sagt Rashidi. Die frühe Polizeistunde ist gemäss Bruno Bischof eine Auflage der Stadt. «Die Erfahrung zeigt, dass durch die Vorverlegung des Festschlusses um eine Stunde deutlich weniger Sachschäden und Abfälle zu registrieren sind.» Er begrüsse deshalb die vom Stadtrat vor einigen Jahren beschlossene Festverkürzung, sagt Bischof. «Ausserdem muss man an die Anwohner denken.»

Weniger Abfall und Scherben dank Depotbecher

Man hört von Wirten aber auch Positives zum St.Galler Fest. Sogar über den bei der Einführung heftig umstrittenen Depotbecher. Diese Plastikbecher liefert eine Firma gegen Gebühr und holt sie später wieder ab. Damit wird die Abfalllawine am Fest reduziert. Zudem ist die Zahl von Verletzungen durch Scherben mit der Einführung dieses Konzeptes zurückgegangen.

«Viele Wirte finden diese Lösung gut», sagt Bruno Bischof vom OK des Stadtfestes. Einer davon ist Daniel Wirth, Betreiber des Gallus-Pubs in der Metzgergasse. Er sieht das Fest grundsätzlich positiv und erhofft sich von der Bühne, die vor seiner Beiz aufgebaut wird, mehr Gäste. «Das Fest trug uns letztes Jahr einen kleinen Verlust ein.» Trotzdem profitiere seine Bar vom Werbeeffekt, sagt er. Er schaue den zwei Tagen jetzt optimistisch entgegen. «Auch wenn das Wetter morgen Samstag wohl nicht so recht mitspielen wird.»