ST.GALLEN: Keine "kleine Verwahrung" wegen Kindesmissbrauchs

Ein 52-jähriger Mann hat die drei Kinder seiner Freundin jahrelang misshandelt und missbraucht. Das St.Galler Kantonsgericht bestätigte im Berufungsfall die Schuldsprüche mehrheitlich. Von einer "kleinen Verwahrung" sah es aber ab.

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Der Täter bestreitet nach wie vor, die Kinder seiner Freundin missbraucht zu haben. (Bild: CHRISTOF SCHUERPF (KEYSTONE))

Der Täter bestreitet nach wie vor, die Kinder seiner Freundin missbraucht zu haben. (Bild: CHRISTOF SCHUERPF (KEYSTONE))

Das Kantonsgericht reduzierte die Freiheitsstrafe von sieben auf sechseinhalb Jahre, wie aus dem am Freitag veröffentlichten Urteil hervorgeht. Statt einer stationären Massnahme ("kleine Verwahrung"), wie sie die Staatsanwältin gefordert hatte, ordnete es für den Verurteilten eine ambulante Therapie an.

Das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland hatte den Beschuldigten 2015 zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt. Zu den Schuldsprüchen gehörten qualifizierte sexuelle Nötigung, sexuelle Handlungen mit Kindern, Pornografie, Freiheitsberaubung und schwere Körperverletzung. Gegen dieses Urteil erhob der Mann Berufung. Die Vorwürfe stimmten allesamt nicht, sagte er vor Kantonsgericht.

Die von der ersten Instanz gesprochenen Genugtuungszahlungen für die drei Opfer senkte das Kantonsgericht deutlich. Das eine Mädchen erhält 30'000 Franken, das zweite 10'000 und der Bub 15'000 Franken. Die Genugtuungsforderung des Vaters wurde auf den Zivilweg verwiesen.

Psychisch, physisch und sexuell misshandelt

Dem Mann wurde vorgeworfen, er habe die drei Kinder sieben Jahre lang psychisch, physisch und sexuell misshandelt. Der Verteidiger forderte in der Verhandlung vom Mittwoch einen Freispruch oder eine mildere Strafe von höchstens vier Jahren. Die Aussagen der Kinder seien nicht beweiskräftig. Vieles deute darauf hin, dass sie von ihrem leiblichen Vater beeinflusst worden seien.

Die Staatsanwältin verlangte eine Verschärfung der Freiheitsstrafe auf neun Jahre und eine stationäre Massnahme ("kleine Verwahrung"). Die Taten des Beschuldigten wiegten schwer. Er habe die Kinder einer unbeschwerten und glücklichen Kindheit beraubt. (sda)