ST.GALLEN: Katastrophenangst im St.Galler Kantonsrat

Strom-Blackout, Erdbeben-Schäden und ein Zusammenbruch der Telekommunikation: Gleich drei Vorstösse zu Katastrophenszenarien sind zuletzt aus dem St.Galler Kantonsrat eingereicht worden. Die Verfasser rechnen mit dem Schlimmsten - und wollen wissen, ob der Kanton dafür gerüstet ist.

Drucken
Teilen
Geplanter "Stromausfall": Während der Earth Hour bleibt die St.Galler Kathedrale jeweils im Dunkeln. (Bild: Peter Käser/WWF)

Geplanter "Stromausfall": Während der Earth Hour bleibt die St.Galler Kathedrale jeweils im Dunkeln. (Bild: Peter Käser/WWF)

Im Fall eines europaweiten Blackouts der Stromversorgung müsse mit mindestens einer Woche für den Wiederaufbau einer vollständig funktionierenden Stromversorgung gerechnet werden, schreibt die CVP-GLP-Fraktion in ihrem Vorstoss, den sie bereits im Februar eingereicht hat.

Die Fraktion zählt die möglichen Folgen auf: «Spitäler laufen am Limit, Menschen beginnen zu hungern». Es müsse davon ausgegangen werden, dass nur ein kleiner Teil der Bevölkerung über einen systematisch angelegten und ausreichenden Notvorrat verfüge.

Die Regierung soll nun unter anderem erklären, welche Massnahmen notwendig sind, «damit im Fall eines Blackouts die Bevölkerung mit dem Notwendigsten, vor allem mit Wasser, Grundnahrungsmitteln und Medikamenten versorgt werden kann».

Hohes Schadenpotenzial bei Erdbeben

Auch das Risiko eines schweren Erdbebens beschäftigt im Kantonsrat. Zwei CVP-Mitglieder haben gemeinsam mit einem FDP-Parlamentarier eine Interpellation eingereicht, in der sie nachfragen, wie der Kanton gerüstet wäre: Aufgrund der dichten Besiedlung gebe es «ein enormes Schadenpotenzial an Gebäuden, Betriebsstätten und Infrastrukturen», heisst es im Vorstoss.

Erdbebenschäden seien aber nicht durch die kantonale Gebäudeversicherung abgedeckt. Diese stelle lediglich auf freiwilliger Basis einen Versicherungsschutz gegen Erdbebenschäden mit einer Summe von zwei Milliarden Franken bereit. Bei einem schweren Beben wäre dieser Betrag «völlig ungenügend», schreiben die Kantonsräte. Sie wollen nun unter anderem wissen, ob eine obligatorische Erdbebenversicherung im Kanton St.Gallen ein sinnvoller Lösungsansatz wäre.

Die Kommunikation im Krisenfall beschäftigt wiederum SVP-Kantonsrat Christopher Chandiramani. Er will wissen, wie im Digitalzeitalter die Bevölkerung bei Konflikten oder Naturkatastrophen mit Informationen versorgt werden kann.

Mobilfunk nicht bunkertauglich

Die meisten wichtigen Kommunikationsmittel wie Radio, Fernsehen, Telefon oder Internet funktionierten leitungsgebunden und digital, begründet er seien Vorstoss: Alle seien jederzeit abschaltbar, könnten zensuriert oder durch Sabotage gestört oder unterbrochen werden.

Mittelwellensender wie der Landessender Beromünster, die für Luftschutzräume tauglich waren, seien schon vor einigen Jahren abgeschaltet worden - genauso wie das analoge Fernsehen. Auch UKW werde ab 2025 durch die digitale Technik ersetzt. «Auch der Mobilfunk ist nicht bunkertauglich», heisst es im Vorstoss.

Chandiramani will nun unter anderem wissen, ob die Sendeanlagen im Kanton St.Gallen über Notstromanlagen verfügen und wie die Mobilfunknetze in Krisenzeiten funktionieren. Alle drei Vorstösse wurden von der Regierung noch nicht beantwortet. (sda)