ST.GALLEN: Kanton und Stadt St.Gallen wollen kein Tram

Der Kanton und die Stadt St.Gallen haben an einer Medienkonferenz bekanntgegeben, die Planung für ein Tram in der Stadt St.Gallen zurückzustellen. Sie führen finanzielle, städtebauliche und verkehrstechnische Gründe an. Längerfristig wolle man sich die Option allerdings offen halten.

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Längerfristig wollen Stadt und Kanton sich die Option für ein Tram offen halten. (Archivbild) (Bild: PD)

Längerfristig wollen Stadt und Kanton sich die Option für ein Tram offen halten. (Archivbild) (Bild: PD)

Der Kanton und die Stadt St.Gallen sehen zum heutigen Zeitpunkt keinen dringenden Handlungsbedarf, ein Tram in der Stadt St.Gallen zu planen, schreibt die Staatskanzlei in einer Mitteilung. Nachdem eine Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2012 gezeigt hatte, dass ein St.Galler Tram aus technischer Sicht machbar wäre, hätten Stadt und Kanton abgeklärt, ab welchem Zeitpunkt, beziehungsweise bei welchem Passagieraufkommen ein Tram zweckmässig wäre. Der Entscheid, die Planung vorerst zurückzustellen, basiere auf diesen neuen Erkenntnissen zur Wirtschaftlichkeit.
 

Busse reichen in den nächsten 20 Jahren aus

Stadt und Kanton St.Gallen kommen zum Schluss, dass die nötige Transportkapazität in den kommenden 20 bis 25 Jahren auch mit einem leistungsfähigen Bus-System bereitgestellt werden könne. Die Kapazität der Stadt- und Regionalbusse könne auf den Hauptachsen weiter ausgebaut werden, ohne dass sich die Busse gegenseitig behinderten.
 
Ein Tram-System würde gegenüber einem gleichwertigen Bus-System erheblich mehr kosten, schreibt die Staatskanzlei weiter. Die Mehrkosten würden unter Berücksichtigung eines Bundesbeitrages von 40 Prozent 5 bis 15 Millionen Franken betragen. Das würde eine Erhöhung der jährlichen Abgeltungen des Kantons und der Gemeinden von rund 5 bis 18 Prozent bedeuten. Diese markanten Mehrkosten liessen sich aus Sicht von Stadt und Kanton auch nicht durch städtebauliche und siedlungspolitische Überlegungen rechtfertigen.

Tramwagen der Linie vom Bahnhof ins Krontal auf dem St.Galler Bahnhofsplatz 1898. Im Hintergrund der alte St.Galler Bahnhof. An seiner Stelle steht heute das Rathaus. (Bild: Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St.Gallen)
19 Bilder
Schneeräumung 1944 in der Kornhausstrasse auf dem Trassee der Tramlinie 5 ins Riethüsli. Rechts neben dem Dienstwagen Nummer 51 der Trambahn befindet sich heute anstelle des in den 1970er-Jahren abgebrochenen Jugendstilbaus der Helvetia-Versicherung der Hauptsitz der St.Galler Kantonalbank. (Bild: Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St.Gallen)
Am letzten Betriebstag des Trams. Es verkehrte letztmals am 30. September 1957 auf der bereits verkürzten Strecke von Schönenwegen ins Neudorf. Im Bild die Haltestelle auf dem Bahnhofplatz. Im Hintergrund ist das alte Rathaus zu erkennen. (Bild: Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St.Gallen)
Das Tramdepot an der Ecke Jäger- und Sonnenstrasse um 1940. Hier befindet sich heute der Haupteingang der Olma. Dahinter ist die Strafanstalt St.Jakob zu erkennen. Ab November 1907 verfügte die Trambahn St.Gallen über zwei Depots: Dieses an der Jäger- und ein zweites an der Steinachstrasse. (Bild: Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St.Gallen)
Der neue St.Galler Hauptbahnhof um 1915 mit dem Gaierbahnhof und der Hauptpost. (Bild: Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St.Gallen)
Die Tramhaltestelle auf dem Bahnhofplatz zwischen 1945 und 1955. (Bild: Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St.Gallen)
Das Vadian-Denkmal. Im Hintergrund sind Wagen der St.Galler Trambahn zu erkennen. Das Bild datiert um 1904. (Bild: Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St.Gallen)
Der St.Galler Marktplatz mit einem Wagen der Trambahn zwischen 1925 und 1930. (Bild: Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St.Gallen)
Die Tramhaltestelle am Schibenertor vor 1910. (Bild: Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St.Gallen)
Ein eingeschneites St.Galler Tram 1897. (Bild: Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St.Gallen)
Endstation im Riethüsli 1943. Vom Bahnhof bis in die Hochwacht fuhr das Tram ab 1911. Zwei Jahre später wurde auch der Abschnitt von der Hochwacht ins Nest eröffnet. (Bild: Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St.Gallen)
Das Brühltor mit den Schienen des Trams und der Trogenerbahn während der Olma 1949. Die Messe fand damals noch auf dem Unteren Brühl (links im Bild) sowie im Stadt- und im Kantipark (rechts) statt. (Bild: Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St.Gallen)
Rückbau der Trambahn an der Zürcher Strasse in den Jahren 1958 bis 1960. Anders als in der Teufener Strasse vor dem Riethüsli wurden hier die Schienen offenbar ausgebaut. (Bild: Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St.Gallen)
St.Galler Trams zwischen nach 1900 an der Haltestelle Schiebenertor. (Bild: Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St.Gallen)
Die Ausweichstelle der Trambahn auf der Zürcher Strasse im Lachen-Quartier im Jahr  1897. Auf der rechten Strassenseite befindet sich heute die Überbauung mit Hochhaus und alter Postfiliale. Die heutige Trolleybus-Haltestelle liegt ziemlich genau auf Höhe der ehemaligen Ausweichstelle des Trams. (Bild: Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St.Gallen)
Schneeräumung vor dem Depot an der Steinachstrasse im Jahr 1944. (Bild: Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St.Gallen)
Tramendstation im Heiligkreuz. (Bild: Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St.Gallen)
Tramschienen in der Lachen. (Bild: Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St.Gallen)
Tramhaltestelle auf der Zürcher Strasse beim - offensichtlich gerade neu gebauten - Schulhaus Schönenwegen. (Bild: Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St.Gallen)

Tramwagen der Linie vom Bahnhof ins Krontal auf dem St.Galler Bahnhofsplatz 1898. Im Hintergrund der alte St.Galler Bahnhof. An seiner Stelle steht heute das Rathaus. (Bild: Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St.Gallen)


 

Vorteile für Bus überwiegen

Nebst Kapazität und Wirtschaftlichkeit würden auch andere Vorteile eines Bus-Systems überwiegen. Ein Bus-System sei flexibler und könne schneller auf Veränderungen reagieren. Baustellen hätten geringere Auswirkungen auf ein Bus- als auf ein Tram-System. Dazu komme, dass ein Tram aus Kostengründen weniger dicht verkehren würde als ein Bus. Der Bus biete den Passagieren also einen höheren Takt. Zudem seien die Infrastrukturkosten für ein Tram wegen der Schienen höher. Die Schienen würden auch das Unfallrisiko für Velofahrer erhöhen. Zudem könnten starke Steigungen mit Bussen deutlich besser bewältigt werden.
 
Die Option Tram soll jedoch langfristig offen gehalten werden. Wenn künftig entlang der möglichen Hauptachse gebaut werde oder Plätze neu gestaltet würden, wollen Kanton und Stadt eine mögliche Tramführung berücksichtigen. Dies betreffe auch den Standort eines möglichen Tramdepots. Die städtische Direktion Bau und Planung erarbeite nun Grundlagen für ein notwendiges Areal. (pd/jw)