ST.GALLEN: Gegen Deponie im Naturparadies

Der Kanton prüft im Steinachtobel eine Grossdeponie für Aushubmaterial. Nicht nur Naturschutzvereine wehren sich dagegen. Erstmals bezieht der Stadtrat Stellung: Auch er will sich für den Erhalt der Naturlandschaft einsetzen.

Christina Weder
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Das Steinachtobel wird als regional bedeutende Aue bezeichnet: Die Steinach fliesst im natürlichen Bachbett Richtung Bodensee. (Bild: Michel Canonica)

Das Steinachtobel wird als regional bedeutende Aue bezeichnet: Die Steinach fliesst im natürlichen Bachbett Richtung Bodensee. (Bild: Michel Canonica)

ST.GALLEN. Noch landet der Aushub der Region St. Gallen in der Deponie Tüfentobel bei Engelburg. Doch in absehbarer Zeit wird diese gefüllt sein. Deshalb sucht der Kanton dringend einen neuen Standort. Als eine mögliche Lösung prüft er eine neue Grossdeponie im Steinachtobel.

Umweltverbände haben längst Widerstand angekündigt. Denn das Steinachtobel gilt als grünes Paradies im Osten der Stadt. Auch aus dem Stadtparlament hat sich eine kritische Stimme zu Wort gemeldet. SP-Politiker Martin Boesch hat im Frühling eine Einfache Anfrage mit dem Titel «Hände weg vom Steinachtobel» eingereicht. Nun liegt die Antwort vor.

Baustelle statt Flusslandschaft

Boesch wundert sich im Vorstoss über die Standortwahl, da ausgerechnet das Steinachtobel in Zonen- und Richtplänen als schutzwürdig eingestuft wird. Seit Jahren unternehme die Stadt «erhebliche Anstrengungen» zur ökologischen Aufwertung der Steinach und des Steinachtobels. Der SP-Mann befürchtet, dass diese mit einer Deponie zunichte gemacht würden. Und dass sich das Gebiet in eine riesige Baustelle verwandle, an deren Rande die Steinach in einem Plastikrohr durchgeleitet werde.

Boesch erwartet vom Stadtrat, dass sich dieser mit Nachdruck für den Erhalt der Naturlandschaft im Steinachtobel wehrt. Er erkundigt sich unter anderem nach dem Stand des Projekts und will wissen, ob sich der Stadtrat bereits einmal offiziell zur Deponie geäussert hat.

Klares Votum des Stadtrats

In seiner Antwort bezieht der Stadtrat erstmals klar Stellung zum Projekt: Er wolle sich dafür einsetzen, «dass der naturnahe und bedeutende Lebensraum im Steinachtobel nicht durch eine Deponie für mehrere Jahre erheblich beeinträchtigt und nachteilig verändert» werde, schreibt er. Dabei sieht er sich dem städtischen Richtplan verpflichtet, in dem festgehalten ist, dass bestehende offene und naturnahe Bäche zu erhalten sind. Vorhaben, die diese beeinträchtigen, seien zu vermeiden. Exemplarisch wird auf das Deponieprojekt im Unterlauf der Steinach hingewiesen.

Wie der Stadtrat schreibt, scheint «nach heutiger Einschätzung» aber klar, dass sich nur im Steinachtobel eine Grossdeponie in der Nachfolge der Deponie Tüfentobel realisieren lasse. Dabei seien die Gemeinden Mörschwil und Wittenbach flächenmässig stärker betroffen als St. Gallen. Das kantonale Amt für Umwelt und Energie prüft aber noch zwei weitere Optionen. Zum einen ist dies die Inbetriebnahme mehrerer kleiner und mittelgrosser Deponien, zum anderen eine Erweiterung der Deponie Tüfentobel, mit welcher deren Betrieb um fünf bis acht Jahre verlängert werden könnte. Der Stadtrat ist der Ansicht, diese beiden Vorhaben müssten prioritär vorangetrieben werden. Die Deponie im Steinachtobel ist für ihn «nur die letzte Option zur Gewährleistung der Versorgungsfunktion».

Kein Plastikrohr für die Steinach

Eine Machbarkeitsstudie soll dazu Informationen liefern. Derzeit laufen die Abklärungen. Die Ergebnisse werden noch in diesem Sommer erwartet. Klar ist bis jetzt, dass die Steinach nicht – wie von Martin Boesch befürchtet – in ein Plastikrohr verlegt werden würde. Stattdessen müsste ein neues Bachbett erstellt werden.

Sollte die Deponie im Steinachtobel tatsächlich konkreter ins Auge gefasst werden, müsste das Stadtparlament über den Deponieplan befinden. Es hätte aber nicht das letzte Wort. Würde die Stadt den Erlass eines Deponieplans verweigern, könnte der Kanton diesen laut Stadtrat in eigener Kompetenz erlassen.

Der Stadtrat hat deshalb vorgesorgt. Bereits im Sommer 2013 hat er einen Verpflichtungskredit in der Höhe von 150 000 Franken für die Erstellung eines Vorprojekts für einen neuen Deponiestandort im Steinachtobel erteilt. Er erklärt dies damit, dass ein erhebliches Interesse der Stadt bestehe, die Trägerschaft und den Betrieb einer neuen Deponie zu übernehmen, sollte diese auch tatsächlich errichtet werden.