ST.GALLEN: Gastrecht zum Geburtstag

Zum zehnjährigen Bestehen finden im «Palace» während der kommenden Saison besondere Abende statt. Befreundete Künstler oder Agenturen dürfen das Programm mitgestalten.

David Gadze
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Seit zehn Jahren ist das «Palace» am Blumenbergplatz ein Kulturlokal. (Bild: Ralph Ribi)

Seit zehn Jahren ist das «Palace» am Blumenbergplatz ein Kulturlokal. (Bild: Ralph Ribi)

Ob Konzerte, Diskussionen, Tanzabende, Preisverleihungen oder Wissensquiz: Als Kulturinstitution hat sich das «Palace» in der Stadt St.Gallen längst etabliert. Nun feiert das Kulturlokal am Blumenbergplatz sein Zehn-Jahr-Jubiläum. Mit einem 24-Stunden-Fest und dem Verteilen von Gastrechten.

Viele bleibende Erinnerungen

Nachdem die Stadt St.Gallen 2003 das alte Kinogebäude gekauft und umgebaut hatte, nahm das Palace den Betrieb als Kulturlokal im Oktober 2006 auf. Zunächst wurde es während zweier Jahre im Probebetrieb geführt. «Das gab uns die Möglichkeit, zu experimentieren und zu schauen, ob so etwas funktionieren kann», sagt der Programmverantwortliche Damian Hohl vor den Medien. Es funktionierte. Heute strahlt das alte Kino weit über die Stadtgrenzen hinaus. Von den ersten zehn Jahren seien «viele bleibende Erinnerungen, Verbindungen und Freundschaften» geblieben. Das sei in diesem Geschäft nicht selbstverständlich. «Wir wollen uns jedoch nicht selbst auf die Schulter klopfen und uns gegenseitig die schönsten Erinnerungen erzählen, sondern nach vorne schauen.»

Nach vorne schauen heisst im konkreten Fall, zwischendurch das Zepter aus der Hand zu geben. Das Programm für die neue Saison, die morgen mit den Konzerten von Frankie Cosmos und J&L Defer beginnt, wird durch die Gastrecht-Reihe ergänzt. Jeden Monat darf jemand anderes, der mit dem «Palace» verbunden ist, das Programm eines Abends oder ganzen Wochenendes gestalten. So soll gemäss Hohl «die inhaltliche Ausrichtung aufgefrischt werden» und das alte Kino als Experimentierfeld für bisher nicht umgesetzte Ideen dienen. Der Titel sei aber auch künstlerisch-politisch zu verstehen: «Ein Gast soll sich bei uns nicht anpassen. Er hat das Recht, aufzuführen, was ihm gefällt.»

Planet Rock und Ja, Panik

Den ersten solchen Anlass gestaltet am 14. Oktober die Berliner Künstleragentur Planet Rock von Sabine Penschow und Christoph Linder alias DJ Fett, der schon mehrmals im «Palace» aufgelegt hat. Ihr Abend steht im Zeichen afrikanischer Musik: Der äthiopische Künstler Hailu Mergia spielt mit den australischen Perkussionisten Tony Buck und Mike Majkowski, ausserdem tritt die senegalesisch-deutsche Gruppe Mark Ernestus' Ndagga Rhythm Force auf.

Als zweiter Gast kommen am 4. November Ja, Panik. Die in Berlin ansässige österreichische Gruppe feiert dieses Jahr ebenfalls ihr Zehn-Jahr-Jubiläum. Im «Palace» wird sie ihre Geschichte erzählen, allerdings nicht als reine Lesung, sondern vielmehr in Form einer «ausgelassenen Geburtstagsfeier». Mit Ja, Panik verbindet die Palace-Verantwortlichen seit Jahren eine freundschaftliche Beziehung. Sänger Andreas Spechtl sagte einmal, das «Palace» sei der Club mit dem stilvollsten Programm im ganzen deutschsprachigen Raum.

Die weiteren Gastrecht-Abende seien noch am Entstehen, sagt Hohl. Klar sei bisher einzig, dass Manuel Stahlberger und seine Band sowie der Zürcher Club Helsinki Gastrecht erhalten.

Dokumentarfilm und Jubiläumsbier

Die Jubiläumssaison wird zudem dokumentiert. Cyril Ziffermayer und Florian Geisseler, die beide Design und Kunst an der Hochschule Luzern studiert haben, werden verschiedene Anlässe filmisch begleiten. Gemäss Hannah Raschle vom Jubiläumskomitee soll am Ende eine Art Doku entstehen. «Das ist das richtige Medium, da bei uns Sehen und Hören im Zentrum steht», sagt Hohl. Abgerundet wird das Jubiläum durch ein spezielles Bier einer St.Galler Mikrobrauerei.