Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

ST.GALLEN: «Fünf Millionen sind ein Irrsinn»

Für den langfristigen Erhalt des Spanischen Klubhauses wären Sanierungskosten von fast fünf Millionen Franken fällig. Die Stadt sieht darin noch kein Todesurteil für das alte Gebäude. Dessen Zukunft hänge auch von anderen Faktoren ab.
David Gadze
Das über 120jährige Spanische Klubhaus ist in einem schlechten Zustand: Die Fassade bröckelt, der Sockelbau aus Sandstein zerfällt und das Dacht rinnt – unter anderem. (Bild: Ralph Ribi)

Das über 120jährige Spanische Klubhaus ist in einem schlechten Zustand: Die Fassade bröckelt, der Sockelbau aus Sandstein zerfällt und das Dacht rinnt – unter anderem. (Bild: Ralph Ribi)

ST.GALLEN. Das Preisschild, das derzeit am Spanischen Klubhaus hängt, hat es in sich. Darauf steht der stolze Betrag von 4,5 bis 5 Millionen Franken. Dieser Preis ist nicht etwa für den Kauf des Gebäudes fällig, sondern für dessen Sanierung für einen längerfristigen Betrieb. Die Summe gab die Stadt vergangene Woche bekannt. In Zeiten, in denen sie den Gürtel enger schnallen muss und selbst dringende Sanierungen von Schulhäusern verschieben muss, ist das ein schier utopischer Betrag.

Kosten mit Rendite auffangen

Ist damit das Schicksal des historischen Gebäudes an der Lagerstrasse bereits besiegelt? Stadträtin Patrizia Adam lässt die Antwort auf diese Frage weiterhin offen: «Wenn man allein die nackte Zahl betrachtet, ist eine Sanierung kaum zu verantworten», räumt die Baudirektorin ein. Sie gibt allerdings zu bedenken, dass der Stadt auch die restlichen Parzellen in jener Häuserzeile gehören. «Je nach dem, was dort gebaut wird, liesse sich mit der Rendite die Sanierung quersubventionieren.»

Aufschluss über mögliche Lösungsvarianten soll die anstehende Testplanung für die Entwicklung des ganzen Areals Hauptbahnhof Nord geben. Deshalb habe man den Erhalt des Spanischen Klubhauses trotz der hohen Sanierungskosten offen gelassen, sagt Adam. «Jedes der vier Planungsbüros muss zwei Lösungen präsentieren: eine mit und eine ohne das Klubhaus.»

Doch warum gibt die Stadt die Kosten gerade jetzt bekannt, kurz vor der öffentlichen Diskussion über das ganze Gebiet vom 25. April? Will sie damit die Meinung beeinflussen und einen allfälligen Abriss des Klubhauses schon im voraus rechtfertigen? Patrizia Adam stellt das in Abrede: «Wir wollten mit offenen Karten spielen. Hätten wir das nicht getan, könnte man uns vorwerfen, wir legten nicht alle Informationen auf den Tisch.»

Das Klubhaus als Palast?

Verschiedene Fachleute zweifeln die genannte Summe jedoch an. Für dieses Geld könne man aus dem Klubhaus einen Palast machen, heisst es etwa. Und man habe schon in der Vergangenheit den Eindruck gehabt, die Stadt würde bei Gastro-Sanierungen wie beim Schlössli Haggen lieber «klotzen statt kleckern», sagt ein Journalist, der «seit 1989 die Bocksprünge der Stadtpolitik mitverfolgt».

Für die Schätzung der Kosten war das Hochbauamt zuständig. Stadtbaumeister Hansueli Rechsteiner erklärt die hohe Zahl: Das Klubhaus sei «stark sanierungsbedürftig», Fassade, Dach und Haustechnik müssten komplett erneuert werden, auch die Statik sei bedroht. Und wenn man die Aussenwände aus Sandstein mit dem gleichen Material repariere, gehe das ins Geld». Selbst eine «sanfte Renovation» für den kurzfristigen Erhalt würde fast drei Millionen kosten. Deshalb könne die Diskussion eigentlich nur darum gehen, ob man das Klubhaus richtig saniere oder gar nicht, sagt Rechsteiner. «Man muss zumindest darüber reden. Denn wenn es nicht bald saniert wird, ist es für immer verloren.»

Sanierung nicht finanzierbar

Deutliche Worte findet Urs Weishaupt, ehemaliger Informationsbeauftragter der Genossenschaft Spanisches Klubhaus, der die Liegenschaft bis Ende 2013 gehörte. «Der bauliche Zustand des Gebäudes ist nicht schlecht, sondern desolat.» Es für fünf Millionen zu sanieren, sei «Irrsinn». Diese Idee habe man mangels Finanzierbarkeit beerdigt.

Kein Beitrag der Genossenschaft

Der Verkauf des Klubhauses an drei Familienausgleichskassen, die es später wiederum an die Stadt verkauften, spülte der Genossenschaft rund 1,5 Millionen Franken in die Kasse. Den Gewinn aus dem Verkauf – laut Weishaupt eine «namhafte Summe» – als Beitrag an die Sanierung zur Verfügung zu stellen, ist jedoch nicht möglich. Denn die Genossenschaft befindet sich in Liquidation und ist somit rechtlich nicht mehr handlungsfähig. «Ausserdem wurde an der letzten Generalversammlung explizit beschlossen, den Gewinn den Genossenschaftern zusätzlich zur Rückzahlung der Anteilscheine à 500 Franken auszuzahlen und nicht für andere Zwecke wie einen Unterhaltsbeitrag zugunsten der Stadt oder wohltätige Zwecke zu verwenden.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.