ST.GALLEN: Frauen an den Bass

Frauen in Bands sind noch immer eine Minderheit. Dies wollen die Initiantinnen von Helvetiarockt mit sogenannten Female Bandworkshops ändern. Doch besteht in St. Gallen kein Interesse daran.

Christoph Renn
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Die St. Galler E-Bassistin Vanja Vukelic bei einem Auftritt mit ihrer Band Neckless in Deutschland. (Bild: PD)

Die St. Galler E-Bassistin Vanja Vukelic bei einem Auftritt mit ihrer Band Neckless in Deutschland. (Bild: PD)

Christoph Renn

christoph.renn

@tagblatt.ch

Es gibt sie, die Schlagzeugerinnen, Gitarristinnen und starken Bandleaderinnen. Mit Velvet Two Stripes haben drei St. Gallerinnen die nationale und internationale Musikszene aufgemischt. Doch: «Nur gerade zehn Prozent aller Instrumentalisten auf den Schweizer Bühnen sind weiblich», sagt Manuela Jutzi, Projektleiterin der Female Bandworkshops. Deshalb betreibt Helvetiarockt mit den Seminaren ausschliesslich für weibliche Teilnehmer Frauenförderung in Jazz, Pop und Rock. «Wir wollen, dass es normal wird, dass eine Frau in diesen Musikrichtungen tätig ist.» Die Nachfrage in St. Gallen besteht in diesem Jahr jedoch nicht. Aufgrund mangelnder Anmeldungen für die Female Bandworkshops in der Gallusstadt finden diese nicht statt. Wieso das so ist, darüber kann Jutzi nur Mutmassungen anstellen. «Die Zahl an Musikerinnen in Bands unterscheiden sich in St. Gallen nicht von anderen Städten.» Sie vermutet, dass es an genügend reellen Vorbildern fehlt.

Dass in St. Gallen weniger Mädchen ein Instrument in einer Band spielen als anderswo, kann auch Orlando Ribar vom Rock & Pop-Center in der Lachen nicht bestätigen. «Ich habe immer junge Frauen in den Kantibands. Es gibt sogar reine Mädchenbands.» Ribar sagt aber, dass Schlagzeugerinnen leider auch heute noch etwas schräg angeschaut werden. «Das Verhältnis im Unterricht hat sich jedoch ausgeglichen.» Doch habe er Unterschiede zwischen den Schülern und den Schülerinnen beobachtet. «Fangen Knaben mit einem Instrument an, spielen sie meist einfach drauflos. Die Mädchen wollen es von Beginn an richtig machen.» Ribar weiss von den Vorurteilen, mit denen Musikerinnen noch immer zu kämpfen haben: «Oft werden sie auf ihr Äusseres reduziert.» Er sehe aber auch die Chance für Musikerinnen in Bands. «Mittlerweile wirkt es gut, wenn Frauen an den Instrumenten spielen. Das sage ich auch stets meinen Schülerinnen.»

Frauen müssen sich mit Vorurteilen herumschlagen

Eine seiner ehemaligen Schülerinnen ist die St. Gallerin Vanja Vukelic. Die 26-Jährige studiert zurzeit an der Zürcher Hochschule der Künste E-Bass mit Vertiefung Pop. Im Alter von zwölf Jahren habe sie begonnen, in Bands zu musizieren. Heute ist Vukelic mit Neckless und Mama Jefferson – mit der sie kürzlich die erste Single-Auskopplung «Liquor, Liquor» herausgegeben hat – unterwegs. Zusätzlich spielt sie in diversen Formationen in den Genres Rock, Pop, Indie und Soul und leitet die Female Bandworkshops in Winterthur. Von Diskriminierung der Frauen in Rockbands will sie nicht sprechen. Doch müssten sich Frauen mit Vorurteilen herumschlagen, die den Männern vorenthalten bleiben. «Ich wurde und werde noch immer unterschätzt», sagt Vukelic. Deshalb brauche sie in der Männerdomäne immer wieder eine dicke Haut. «Es ist schon vorgekommen, dass ein Tontechniker versucht hat, mich als Dummerchen hinzustellen.» Das komme jedoch sehr selten vor. Vukelic will auch nicht in die Opferrolle gedrängt werden. «Ich muss halt manchmal etwas ‹Ellböglen›.»

Mädchen sollen Violine statt Schlagzeug spielen

Den Grund, weshalb noch immer mehr Männer Bass oder Schlagzeug spielen, sieht Vanja Vukelic vor allem in den fehlenden weiblichen Vorbildern. «Das hat sich in den vergangenen Jahren jedoch schon etwas geändert.» Es gebe jedoch noch immer das gesellschaftliche Bild vom kleinen Mädchen, das doch lieber Violine spielen soll, als sich ans Schlagzeug zu setzen. «Dabei gibt es keinen Grund, weshalb eine junge Frau das Schlagzeug weniger gut spielen kann als ein junger Mann.» Trotz all den Vorurteilen sieht sie positiv in die Zukunft: «Auch diese veralteten Bilder von Männchen und Weibchen werden sich noch ändern.»