ST.GALLEN: Flüssiges Gold aus dem Labor

Schüler und Lehrkräfte der Kantonsschule am Brühl haben gestern verschiedene Workshops durchgeführt. Sie haben Bier gebraut und Knie operiert.

Christoph Renn
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Schüler der Kantonsschule am Brühl versuchen sich als Bierbrauer. (Bild: Christoph Renn)

Schüler der Kantonsschule am Brühl versuchen sich als Bierbrauer. (Bild: Christoph Renn)

Vor dem Eingangstor zur Kantonsschule am Brühl an der Notkerstrasse diskutiert eine Schülergruppe über Recyclingkunst. Beim Eintritt in das Schulhaus steigt einem ein starker Geruch in die Nase, es riecht nach Hopfen und Malz. Mit jedem Schritt wird er stärker, denn im Labor im Untergeschoss brauen Schüler Bier. Es ist einer der Workshops, den die Kantonsschule am Brühl gestern im Rahmen des gesamtschulischen Anlasses organisiert hat. Die Schüler konnten aus einem breiten Angebot wählen. So hat eine Gruppe aus Recyclingmaterial afrikanische Musikinstrumente gebaut, wieder andere haben das Knie unter die Lupe genommen, indem sie eine Operation an einem Pouletschenkel durchgeführt haben.

Bewusster Bier trinken

Im Labor im unteren Stock des Schulhauses kochen derweil sechs Schüler Maische. «Die Masse muss genau die richtige Temperatur erreichen», sagt einer der Teilnehmer. «Sonst verliert die Masse zu wenig Stärke.» Genau das ist einer Gruppe nebenan passiert. «Wir brauen trotzdem weiter und schauen, wie das Bier am Ende schmecken wird.» Sowieso wird im Labor viel gefachsimpelt. Ist das Wasser genug warm? Wann beginnt der Gärungsprozess? Wie hoch muss der Zuckergehalt sein? Genau das ist laut Marianne Leuenberger, Lehrerin an der Kantonsschule am Brühl, das Ziel des Workshops. «Wir wollen Wissenschaft für die Schülerinnen und Schüler greifbar machen.» Und dazu eigne sich der Brauprozess sehr gut, weil viele chemische und biologische Reaktionen stattfänden. «Zudem ist die Motivation bei den Schülerinnen und Schülern wohl höher, als wenn wir Joghurt hergestellt hätten», sagt Leuenberger schmunzelnd.

Nach einigen Stunden fliesst dann eine bräunliche Flüssigkeit aus einem Schlauch in einen Behälter. «Ich hätte nie gedacht, dass Bierbrauen so aufwendig ist», sagt ein Teilnehmer, der Maische in mühsamer Handarbeit filtert. Er werde das nächste Bier bestimmt bewusster geniessen. Bis er das Eigengebräu probieren kann, wird es jedoch noch eine Weile dauern. «Die Gärung und die Reifung wird mehrere Wochen dauern», sagt er. Klappt alles, gibt es eine Flasche «Brühl-Bier» für jeden der zwölf Teilnehmer.

Christoph Renn

christoph.renn

@tagblatt.ch