ST.GALLEN: "Flade" führt ab 2019 auch Realschule - Einigung mit Stadt

Die Katholische Kantonssekundarschule «Flade» in St. Gallen steht in Zukunft allen Schülerinnen und Schülern der Oberstufe unentgeltlich offen. Die «Flade» wird auch zur Realschule. Darauf haben sich die Stadt und der katholische Konfessionsteil geeinigt.

Merken
Drucken
Teilen
In Zukunft geht rund ein Drittel aller städtischen Schüler in die Flade zur Schule. (Bild: (Ralph Ribi))

In Zukunft geht rund ein Drittel aller städtischen Schüler in die Flade zur Schule. (Bild: (Ralph Ribi))

ST.GALLEN. Die neue Regelung gilt ab dem Schuljahr 2019/2020, wie Schuldirektor Markus Buschor und "Flade"-Schulratspräsidentin Margrit Stadler am Mittwoch informierten. Die Einigung nach jahrelangen zähen Verhandlungen ist ein wichtiger Schritt für die schulische Integration auf der Oberstufe.

Die bisherigen Schulgelder für Nicht-Katholiken werden abgeschafft. Die Stadt zahlt künftig pro Jahr rund drei Millionen Franken mehr an die "Flade". Um diesen Betrag werden der Konfessionsteil und die katholische Kirchgemeinde St. Gallen entlastet.

Laut Buschor wäre die Stadt schon heute verfassungsmässig verpflichtet, die vollen Kosten für alle eigenen städtischen Schülerinnen und Schüler zu tragen. Die "Flade" hätte die Pflicht, allen Jugendlichen offen zu stehen, ungeachtet ihrer religiösen und sozialen Herkunft und ihrer Leistungsfähigkeit.

Wahl zwischen zwei Schulen
In Zukunft können die Eltern wählen, ob ihr Kind nach der sechsten Klasse die städtische Oberstufe oder die "Flade" besuchen soll. Die "Flade"-Schulen nehmen maximal 30 Prozent der Schülerinnen und Schüler auf. Gibt es mehr Anmeldungen, entscheidet das Los, wer an die "Flade" darf.

Die Schule bleibt selbständig. Sie erfüllt "als christliche Schule katholischer Prägung ihren Bildungs- und Erziehungsauftrag unter Wahrung der religiösen Neutralitätsverpflichtung", wie es im Communiqué heisst. Die "Flade" behält ihre reine Mädchen- und die reine Knabenschule bei, öffnet diese aber auch für Realschüler.

Das St. Galler Modell mit der Koexistenz von zwei öffentlichen Schulträgern auf der Oberstufe sei einmalig, sagte Buschor. Beide Schulen könnten sich im Rahmen der Vorgaben des Kantons weiterentwickeln. Dem Stadtrat sei bei den Verhandlungen die schulische Integration sehr wichtig gewesen.

Kantonsbeiträge gestrichen
Derzeit gilt für die Finanzierung eine Übergangslösung. Weil die "Flade" seit 2016 keine Beiträge des Kantons mehr erhält - diese wurden aus Spargründen gestrichen - hat die Stadt ihren jährlichen Beitrag von 2,3 auf 4,3 Millionen Franken aufgestockt. Diese Mehrleistung ist bis Mitte 2019 befristet.

Die "Flade" wurde 1808, nach der Aufhebung des Klosters St. Gallen, gegründet. Knapp die Hälfte der Sekundarschüler der Stadt St. Gallen besuchen heute die "Flade". Von den derzeit 560 Schülerinnen und Schülern kommen 310 aus der Stadt, die übrigen 250 aus den Nachbargemeinden Mörschwil, Eggersriet und Untereggen.

Real- und Kleinklassen gibt es bisher in St. Gallen nur an den städtischen Oberstufen. Diese ungleiche Verteilung wird mit der neuen Regelung ab Sommer 2019 aufgehoben. Die bisherigen reinen Realschulen werden laut Buschor bereits ab dem Schuljahr 2017/2018 auch Sekundarklassen führen. (sda)