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ST.GALLEN: Feuer in der "Falkenburg": Sitzkissen auf Herd waren in Brand geraten

Vor einem Jahr brannte das Riegelhaus "Falkenburg". Der Rauch hat grossen Schaden angerichtet. Im Innern steht nur noch der Rohbau. Doch der städtische Denkmalpfleger sieht nicht nur schwarz.
Christina Weder
"Falkenburg", 28. Januar 2017: Die Feuerwehr ist mit einem Grossaufgebot vor Ort und bringt den Brand rasch unter Kontrolle. (Bild: Michel Canonica)

"Falkenburg", 28. Januar 2017: Die Feuerwehr ist mit einem Grossaufgebot vor Ort und bringt den Brand rasch unter Kontrolle. (Bild: Michel Canonica)

Christina Weder

christina.weder@tagblatt.ch

Von aussen sieht man dem Riegelhaus "Falkenburg" am Bernegghang kaum etwas an. Nur ein paar angeschwärzte Fenster erinnern an den Brand vor einem Jahr. Im Innern des denkmalgeschützten Gebäudes an prächtiger Aussichtslage bietet sich dagegen ein anderes Bild. Hier sei "Totalschaden" entstanden, sagt Urban Hettich von der Ortsbürgergemeinde St.Gallen, der Eigentümerin der Falkenburg. Die Brandursache ist unterdessen geklärt.

Sitzkissen auf der Herdplatte

Das Feuer brach an einem Samstagmittag Ende Januar 2017 in der kleinen Küche des Riegelhauses aus, die als Lagerraum diente. Darin wurden Sitzkissen gelagert – unter anderem auf einer Herdplatte, die zwar nicht mehr benutzt wurde, aber noch funktionierte. Laut Roman Dobler, dem Medienbeauftragten der Staatsanwaltschaft, wird vermutet, "dass die Herdplatte von einer nicht genau bestimmbaren Person unabsichtlich angeschaltet wurde, als etwas aus dem Raum geholt wurde". Die Herdplatte erhitzte sich, die darauf platzierten Kissen begannen in der Folge zu brennen.

Die Feuerwehr stand mit einem Grossaufgebot von rund 60 Leuten im Einsatz und brachte den Brand rasch unter Kontrolle. Doch der Rauch kroch in den Wänden hoch und verursachte grossen Schaden. Die Gebäudeversicherung beziffert ihn auf rund 445'000 Franken. Das Innere des Riegelbaus war stark verraucht und verrusst. Das nebenstehende Restaurant war nicht betroffen.

Brand in der Falkenburg (Bild: Michel Canonica)
Brand in der Falkenburg (Bild: Michel Canonica)
Brand in der Falkenburg (Bild: Michel Canonica)
Brand in der Falkenburg (Bild: Michel Canonica)
Brand in der Falkenburg (Bild: Michel Canonica)
Brand in der Falkenburg (Bild: Michel Canonica)
Brand in der Falkenburg (Bild: Michel Canonica)
Brand in der Falkenburg (Bild: Michel Canonica)
Brand in der Falkenburg (Bild: Michel Canonica)
Brand in der Falkenburg (Bild: Michel Canonica)
Brand in der Falkenburg (Bild: Michel Canonica)
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Brand in der Falkenburg

Um den Gestank loszuwerden, musste vieles entfernt werden. Isolationsmatten wurden herausgerissen, altes Täfer konnte nicht mehr gerettet werden. Das Haus wurde unterdessen in seinem Innern bis auf die Kernsubstanz freigelegt, wie der städtische Denkmalpfleger Niklaus Ledergerber sagt: "Man sieht nur noch Mauern und Balken." Dennoch sei nicht alles verloren. "Wir hatten Glück im Unglück." Der wertvollste Raum – das gotische Zimmer mit der Balken-Bohlen-Decke im ersten Obergeschoss – ist weitgehend unversehrt geblieben. Auch der Biedermeier-Saal im Erdgeschoss wurde weniger stark in Mitleidenschaft gezogen als andere Gebäudeteile. Die beiden Räume müssen bei der anstehenden Sanierung nach denkmalpflegerischen Grundsätzen restauriert werden, wie Ledergerber sagt. Der Charakter des Hauses müsse bewahrt werden.

Erfolg: Das Baudatum ist nun bekannt

Ledergerber kann der derzeitigen Situation sogar etwas Positives abgewinnen: Mit dem sichtbar werdenden Rohbau bot sich die Gelegenheit, die Baugeschichte der "Falkenburg" aufzuarbeiten. Das schönste Resultat davon ist für den Denkmalpfleger ein gesichertes Baudatum. Bisher wusste man aufgrund von Archivmaterialien, dass die Kernsubstanz der "Falkenburg" auf das späte 15. oder frühe 16. Jahrhundert zurückgeht. Nun konnte mit Hilfe der Dendrochronologie, bei der Hölzer anhand der Jahrringe datiert werden, das genaue Baujahr 1497/98 ermittelt werden. Es deckt sich laut Ledergerber mit den Akten. Gemäss einem Ratsprotokoll erhielt ein privater Bauherr 1497 die Bewilligung für die Erstellung eines Landsitzes und Lusthauses. Dieses wurde bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts "rotes Haus" genannt. Das Haus wurde in seiner Geschichte mehrfach umgebaut. Erst ab 1860 erhielt es sein heutiges Erscheinungsbild mit Fachwerkimitation und Biedermeierfenstern. Zu dieser Zeit wurde es auch zum Wirtshaus umgenutzt und unter dem Namen Falkenburg bekannt. 1884/85 ging es in den Besitz der Ortsbürgergemeinde St.Gallen über, die 1888 daneben einen Restaurations-Pavillon baute.

Eine Umnutzung ist geplant

Heute spielt sich der Restaurantbetrieb im Nebengebäude mit Wintergarten ab. Im Riegelhaus befanden sich bis zum Brand Sitzungszimmer und Räume fürs Restaurantpersonal, eine kleine Weinhandlung und ein Apéroraum. Nun steht eine Umnutzung zur Diskussion. Denn für Urban Hettich, Leiter Forst und Liegenschaften der Ortsbürgergemeinde St.Gallen, ist klar: "Bisher war das Gebäude schlecht genutzt." Das soll sich ändern. Ob es allerdings eine Wohn-, eine Restaurant- oder eine gemischte Nutzung geben wird, ist noch offen. Der Entscheid soll laut Hettich demnächst fallen. Die Ortsbürgergemeinde will die Sanierung noch in diesem Jahr an die Hand nehmen.

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