Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

ST.GALLEN: «Es treibt die Leute ins Freie»

Die städtische Bewilligungspraxis für öffentliche Anlässe steht einmal mehr in der Kritik. Eine Umfrage unter Veranstaltern zeigt, dass die Zusammenarbeit mit den Behörden oft rund läuft, manchmal aber mehr Mut erwünscht wäre.
Roger Berhalter
Die Mediterranisierung von St. Gallen: Das Bermudadreieck in der Engelgasse. (Bild: Urs Bucher)

Die Mediterranisierung von St. Gallen: Das Bermudadreieck in der Engelgasse. (Bild: Urs Bucher)

Noch läuft nicht alles optimal. Deshalb überprüft die Stadt St.Gallen ihr Bewilligungsverfahren für öffentliche Anlässe. Kritik an der Praxis wurde erst kürzlich wieder laut, im Streit um das Weihern-Festival. Das Bewilligungsverfahren dauere zu lange, es gebe zu viele Auflagen, und St.Gallen bewillige Anlässe im öffentlichen Raum zu restriktiv. Die Stadtverwaltung trägt derzeit «Grundlagen zur Erarbeitung eines neuen Bewilligungskonzeptes» zusammen, sagt Stadtpräsident Thomas Scheitlin (Ausgabe vom 29. Juni). Bis Ende Jahr werde der Stadtrat über diese Grundlagen diskutieren und beschliessen, wie es weitergeht.

Neue Ideen haben’s schwer

Daniel Weder, Geschäftsführer des Kugl, bezeichnet das Verhältnis zu den städtischen Behörden als «unkompliziert». «Probleme gibt es vor allem dort, wo es vorher schon Probleme gab.» Wenn ein Veranstalter oder ein Barbetreiber in der Vergangenheit schon Lärmklagen provoziert habe, werde es natürlich schwerer für ihn, eine weitere Veranstaltungsbewilligung zu bekommen. Den Vorwurf, dass man nirgends in der Stadt mehr etwas veranstalten könne, lässt Weder nicht gelten. Er ist auch Mitorganisator des Solarkinos, das jeweils im Sommer auf verschiedenen öffentlichen Plätzen in der Stadt aufgebaut wird. «Den Gallusplatz muss ich jeweils ein Dreivierteljahr im Voraus reservieren, sonst ist er belegt. Dieses Beispiel zeigt, wie viel in der Stadt läuft.»
Eventveranstalter Daniel Bondt bestätigt: «Das veränderte Ausgehverhalten treibt die Leute ins Freie.» Das Bedürfnis nach Veranstaltungen ausserhalb der traditionellen Bars und Clubs sei gross. Bondt spricht von «Off-Locations», die immer mehr gefragt seien. «Der öffentliche Raum ist mittlerweile ein einziger grosser Treffpunkt.» Doch sei es in St.Gallen nach wie vor schwer, mit einem neuen Event-Konzept zu überzeugen.

Bondt veranstaltet seit 15 Jahren Partys und Events in der Stadt. Vor ein paar Jahren plante er eine Veranstaltung auf der Kinderfestwiese: Nicht-kommerziell, familienfreundlich, mit Musik bis 22 Uhr, durchdacht bis hin zum Sanitätskonzept. Zudem am 1. August, also an einem Abend, an dem ohnehin (Feuerwerks-)Lärm herrscht. Er reichte das Konzept ein, doch die Stadt habe schon früh signalisiert, dass ein solcher Anlass an diesem Standort nicht in Frage komme. «Ich dachte mir: Wenn das nicht geht, was soll denn dann gehen?» Bondt wünscht sich mehr Mut seitens der Stadt, auch mal etwas Neues auszuprobieren. Eine lebendige Stadt sollte doch auch in ihrem Interesse sein. «Sonst ziehen irgendwann die jungen Stadtbewohner weg.»

Zuerst die Bewilligung, dann die Verhandlung

Keine Probleme mit der städtischen Bewilligungspraxis bekundet Rouven Hörler, der in der Grabenhalle pro Jahr eine Handvoll Hip-Hop- und Electro-Partys veranstaltet. «Ich habe mir diesbezüglich nie gross Sorgen gemacht, weil es immer geklappt hat und es bisher keine Probleme gab», sagt Hörler. Er räumt aber ein, dass diese Anlässe in einem standardisierten Rahmen (und nicht im öffentlichen Raum) stattfinden. Wichtig sei, dass man als Veranstalter folgende Reihenfolge einhalte: Zuerst die Bewilligung einholen und erst danach mit den auftretenden Künstlern oder Bands verhandeln.

Die grössten Feste in der Stadt organisiert Bruno Bischof. Als Präsident der Fasnachtsgesellschaft koordiniert er im Februar das Treiben der Narren und Guggenmusigen, im Juni veranstaltet er «New Orleans meets St.Gallen» und nach den Sommerferien jeweils das St. Galler Fest – alles Grossanlässe im öffentlichen Raum mit Zehntausenden von Besuchern. «Die Behörden verhalten sich kooperativ, da kann ich nichts Negatives sagen», sagt Bischof. Er organisiert die Anlässe schon seit Jahrzehnten, deshalb habe sich die Zusammenarbeit mit den Ämtern eingespielt. Allfällige Probleme löse er wenn möglich im Vorfeld. Das sei jeweils ein grosser Aufwand, lohne sich aber. «Ich kläre Konflikte lieber vorher als erst am Fest selber.»

Am wichtigsten sei der Dialog zwischen Stadt und Veranstalter, das betonen alle Befragten. «Man muss miteinander reden», sagt Kugl-Chef Daniel Weder. «Und es braucht auf beiden Seiten die Bereitschaft, Kompromisse einzugehen.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.