St.Gallen
Erinnerungen an den Grossbrand im Frühling 1992 im St.Galler Klosterviertel

Der Brand in der St.Galler Altstadt vom Donnerstag lässt Erinnerungen an den Grossbrand im Frühling 1992 wach werden. Damals zerstörte in der Nacht auf den 14. März ein Brand fünf Häuser, vier Personen starben. Der Sachschaden belief sich auf mehrere Millionen Franken, die Brandursache konnten nie restlos geklärt werden.

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Die Häuser in der St.Galler Altstadt wurden massiv beschädigt, vier Personen starben. (Archivbild: Michel Canonica)

Die Häuser in der St.Galler Altstadt wurden massiv beschädigt, vier Personen starben. (Archivbild: Michel Canonica)

«Mit unvorstellbarer Gewalt tobte in der Nacht auf Samstag im Klosterquartier das Feuer. Windböen, die ständig ihre Richtung wechselten, drückten die Flammen quer über die Gasse, verstreuten flammende Schindeln und Glosen im ganzen Quartier bis zum Klostergebäude hin. Die Feuerwehr, die mit einem Aufgebot von 330 Mann den Brand bekämpfte, konnte nicht verhindern, dass fünf Häuser mindestens teilweise von den Flammen erfasst wurden», schrieb der damalige Stadtredaktor Josef Osterwalder auf der Frontseite des St.Galler Tagblatts. Sieben Personen mussten ins Spital eingeliefert, 27 weitere in der Zivilschutzanlage Waldau untergebracht werden.

Brandursache nie geklärt
Der ehemalige Informationschef der Kantonspolizei St.Gallen, Hans Eggenberger, erinnert sich noch an den Grossbrand, als ob es gestern gewesen wäre: «Die Brandursache konnte nie restlos geklärt werden. Weder kriminaltechnisch noch kriminalpolizeilich.» Anwohner hatten um zwei Uhr Feuer im Haus Gallusstrasse 41 entdeckt. Um 2.06 Uhr ging bei der Feuerwehr der erste Alarm ein. Innerhalb kürzester Zeit waren bis zu 330 Männer und Frauen der St.Galler Feuerwehren auf dem Platz. Sie wurden mit Elementen der Feuerwehren aus Gossau, Wittenbach und Rorschach unterstützt.

Tote erst spät entdeckt
Dort wo das Feuer ausbrach hatte das Fürsorgeamt der Stadt St.Gallen Menschen untergebracht. Es war aber nicht bekannt, wer sich bei Brandausbruch im Haus befunden hatte. Somit war es unmöglich, eine Liste von möglicherweise Vermissten zu erstellen. Im Verlaufe der Löscharbeiten stiessen die Feuerwehrleute auf zwei tote Personen. Bei den Aufräumarbeiten wurde am Sonntagnachmittag eine weitere Person tot entdeckt und rund 24 Stunden später die vierte Leiche.

Grosse Hilfsbereitschaft
Die gegenseitige Hilfsbereitschaft im Zentrum der Stadt St.Gallen war damals fast grenzenlos. «Was Sam Owadia in dieser Nacht getan hat, ist phänomenal», erzählte am Tag nach der Brandkatastrophe einer der Gäste im Restaurant Splügen. «Er lud alle, die kein Dach mehr über dem Kopf hatten, zu sich ein. Wir durften die ganze Nacht bei ihm bleiben, bekamen heisse Getränke und konnten uns gegenseitig trösten», notierte Mélanie Rietmann fürs Tagblatt. Sam Owadia – damals wie heute «Splügen-Beizer» – sagte: «Das <Splügen> ist eine Quartierbeiz, wir sind hier wie eine grosse Familie. Eine Familie hält hauch in der Not zusammen, nicht nur, wenn es hoch zu und her geht.»

Windgeschwindigkeiten von 100 km/h
Noch während längerer Zeit war es für die Feuerwehr schwierig, die Gebäude nach weiteren Opfern zu durchsuchen. Bei den betroffenen Häusern bestand Einsturzgefahr. Der damalige Feuerwehrkommandant zog Tage nach dem Einsatz folgende Bilanz: «Das einzige, das uns wirklich Mühe bereitet hat, kann man übungsweise nicht simulieren. Ich meine, einen Sturm, wie wir ihn in diesem Brandfall erlebten. Wir kämpften gegen Windgeschwindigkeiten von 100 Kilometern pro Stunde.» (uwf.)

Hier können Sie das Tagblatt vom 16. bis 17. März 1992 lesen:
   

Die Häuser in der St.Galler Altstadt wurden massiv beschädigt, vier Personen starben. (Archivbild: Michel Canonica)

Die Häuser in der St.Galler Altstadt wurden massiv beschädigt, vier Personen starben. (Archivbild: Michel Canonica)