ST.GALLEN: Eine lange Bank auf Dreilinden

Eine überlange Sitzgelegenheit auf Drei Weieren, eine Währung für Randständige und Street-Work-out auf dem HSG-Gelände: Im Projektwettbewerb der St.Galler Kantonalbank tauchen überraschende städtische Ideen auf.

Roger Berhalter
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«Möglichkeit für spontanes Kennenlernen»: So könnte die neue lange Sitzgelegenheit am Spazierweg auf Drei Weieren aussehen. (Bild: Visualisierung: pd/Kollektiv Nordost)

«Möglichkeit für spontanes Kennenlernen»: So könnte die neue lange Sitzgelegenheit am Spazierweg auf Drei Weieren aussehen. (Bild: Visualisierung: pd/Kollektiv Nordost)

ST.GALLEN. Eine lange Holzbank auf Dreilinden, das wär's. Eine Bank so lang, dass Dutzende oder gar Hunderte von Passanten darauf sitzen und die Aussicht auf die Stadt geniessen könnten. So jedenfalls denkt Roman Häne, Landschaftsarchitekt von der Firma Nordost Kollektiv aus Waldstatt. Mit der langen Bank auf Dreilinden bewirbt er sich im Projektwettbewerb der St.Galler Kantonalbank um finanzielle Unterstützung.

Ein Ort für Begegnungen

«Die Sitzbank wird bestimmt nicht eins zu eins wie auf der Visualisierung aussehen», sagt Häne. Es gebe noch viele Details zu klären. Er trage die Idee aber schon länger mit sich herum. «Der Wettbewerb war die ideale Gelegenheit, das Projekt anzugehen», sagt Häne. Der 36-Jährige ist in St.Gallen aufgewachsen, und beim Spazieren auf Dreilinden sei ihm aufgefallen, dass die bestehenden Sitzbänke oft besetzt seien: «Es hat zu wenig Platz.» Eine lange Bank könnte dies ändern, und nicht nur das: «Mit der langen Sitzgelegenheit wird die Möglichkeit für spontanes Kennenlernen, Begegnungen und Gespräche geschaffen», heisst es im Projektbeschrieb.

Ein Museum im Gantamt

Mehr als 300 Projekte aus der ganzen Ostschweiz sind bei der St.Galler Kantonalbank eingereicht worden, davon mehrere Dutzend allein auf Stadtgebiet. Es handelt sich einerseits um bekannte Ideen, deren Finanzierung allerdings noch nicht gesichert ist. Beispielsweise das Feuerwehrmuseum, das der Nostalgieverein Feuerwehr St.Gallen im alten Gantamt eröffnen möchte. Oder die historische Chilbi zur Belebung der südlichen Altstadt. Auch die Veranstalter des Gauklerfestivals «Aufgetischt» bewerben sich, um das unternehmerische Risiko des stark wetterabhängigen Festivals etwas abzufedern.

Anderseits tauchen aber auch neue, überraschende Ideen in der Art der Drei-Weieren-Sitzbank in der kunterbunten Projektsammlung auf. Stadtbewohner Marc Zürcher möchte mit dem «St.Galler Taler» ein soziales Bezahlsystem einführen, eine Währung für Randständige: «Mit dem Taler kann mit gutem Gewissen eine Spende über die Gasse an bedürftige/bettelnde Personen abgegeben werden», heisst es im Beschrieb. Soziale Institutionen wie die Gassenküche, die Notschlafstelle oder Caritas-Läden könnten die Taler als Zahlungsmittel akzeptieren.

Ein Festival auf der Kreuzbleiche

Der Kursleiter und ehemalige Sekundarlehrer Patrick Fust möchte St.Gallen als «Stägestadt» vermarkten und das Treppensteigen an der frischen Luft für Einheimische und Touristen attraktiver machen – unter anderem mit einem «Stägestadt»-Plan und Treppentouren. Andy Mestka von der Geschäftsleitung des OpenAirs St.Gallen möchte auf der Kreuzbleiche an drei bis vier Wochenenden im Advent ein «ParkArtFestival St.Gallen» veranstalten. Ein Festival zu den Themen Genuss, Nachhaltigkeit, Sinn und Unsinn. Daniel Studer vom Unisport der HSG möchte im Park zwischen der Universität und der Dufourstrasse eine Street-Workout-Anlage bauen. Der Bienenzüchterverein möchte eine permanente Bienenausstellung in der Stadt einrichten.

Eine Sauna in der Frauenbadi

Die Liste liesse sich noch lange fortführen. Der Projektwettbewerb der Kantonalbank zeigt anschaulich, wie viele verschiedene Ideen allein die St.Gallerinnen und St.Galler im Kopf haben und umsetzen möchten.

Noch ein letztes Beispiel, das so wie die lange Sitzbank ebenfalls Dreilinden betrifft: Eine Interessengemeinschaft aus Quartierbewohnern und Mitgliedern des Frauenschwimmclubs möchte im Winter 2018 in der Frauenbadi eine Sauna eröffnen.