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ST.GALLEN: Eine Branche in Bewegung

Wegen eines «schwierigen Marktumfelds» schliesst Musik Hug vermutlich die Filiale in St.Gallen. Andere Musikhäuser trotzen schweren Zeiten mit kreativen Lösungen, Herzblut und Kundenkontakt.
Kathrin Reimann
Musicelectronics Kopp an der Metzgergasse geht in drei Monaten zu. (Bild: Ralph Ribi)

Musicelectronics Kopp an der Metzgergasse geht in drei Monaten zu. (Bild: Ralph Ribi)

ST.GALLEN. Vergangene Woche wurde bekannt, dass Musik Hug höchstwahrscheinlich seinen Standort in St.Gallen aufgibt. Das traditionsreiche Unternehmen hatte die Filiale an der Marktgasse 1907 eröffnet, 2014 war es aus der Innenstadt an die Fürstenlandstrasse gezogen und hatte dort ein «Fachgeschäft für Tasteninstrumente» eröffnet. Diese Ära scheint nun auch vorbei zu sein.

Die Botschaft löst allerdings keine Jubelschreie bei anderen Musikhäusern aus. Der Tenor ist bei allen derselbe: «Es ist schade, dass ein solches Traditionshaus schliesst.» Ruedi Kopp, Inhaber von Musicelectronics Kopp an der Metzgergasse geht noch weiter: «Diese Entwicklung ist nicht gut für das Geschäft.» Denn Musik Hug sei ein bekannter Namen und dies locke Kunden an. «Wenn Interessenten erst in der Stadt sind, dann vergleichen sie die Preise, gehen von Musikhaus zu Musikhaus und kaufen dort, wo es preislich am besten passt.» Und da er preislich flexibler sei als Musik Hug und ihm ausserdem keine Aktionäre im Nacken sässen, hätten die Kunden oft bei ihm eingekauft. «Ausserdem suchen die Kunden nach Gleichgesinnten; nach Verkäufern, die ihre Sprache sprechen.» Dies fände man eher im Fachgeschäft, wo der Inhaber persönlich hinter dem Tresen stehe, als in einem grossen Laden mit Angestellten und hoher Fluktuationsrate. Auch Musicelectronics Kopp schliesst seinen Laden, in drei Monaten geht eine weitere Musikhaus-Ära zu Ende. «Das hat aber rein gar nichts mit dem Markt zu tun: Ich schliesse mein Geschäft aus Gründen des Alters.» Leider habe sein Sohn kein Interesse an einer Weiterführung gehabt. «Ganz aufhören werde ich nicht: Ich spanne mit dem benachbarten Musikhaus Blue Wonder zusammen.»

Der Verlust einer Heimat

Dieses wurde von Robert Maurer vor zwei Jahren eröffnet. «Momentan sind wir auf der Suche nach einem grösseren Lokal. Es soll doppelt oder dreifach so gross sein, wie das an der Metzgergasse 9.» Das Geschäft in St.Gallen ist Maurers vierte Filiale. «Heutzutage eröffnet kaum jemand noch ein Musikhaus», sagt er. Von einem «schwierigen Marktumfeld» spürt er wenig. «Uns geht es gut. Wir sind aber auch flexibler und lockerer als Musik Hug.» Konkret bedeute das, dass er Trends fühle, schnell reagiere und auch exotische Instrumente ins Sortiment aufnehme. «Ausserdem führe ich meine Geschäfte mit Herz und Seele.» So komme er auch mit weniger Gewinn aus und analysiere die Geschäfte nicht gross. «Das funktioniert!» Ebenfalls Neuigkeiten gibt es von Klaviertechnik Tobehn, der Klavierwerkstatt an der Langgasse 138. «Wir eröffnen Ende November einen Laden», sagt Inhaber Edgar Tobehn. Doch auch dies habe nichts mit der voraussichtlichen Schliessung von Musik Hug zu tun. «Diese Entwicklung ist nicht nur schade, sie bringt auch Unruhe in die Branche und unter die Kunden», sagt der Klavierbaumeister. Denn die Musik-Hug-Filiale an der Marktgasse sei mehr als ein Geschäft gewesen. «Es war ein Treffpunkt für Gleichgesinnte, wo man eine Heimat fand, um sich auszutauschen und um Neues zu entdecken.» Er sagt auch, dass sein Unternehmen mit Problemen zu kämpfen habe, er aber grundsätzlich zufrieden sei. «Den Einkaufstourismus will ich nicht dramatisieren, meine Erfahrung zeigt, dass die Situation näher an der Grenze viel verheerender ist.»

Anders sieht das Manfred «Mani» Pristas, Inhaber von Manis Guitar Shop an der Hinterlauben 10: «Viele Kunden sind ins Ausland abgewandert.» So stehe er in Kontakt mit Anbietern im nahen Deutschland. «Einer sagte mir, er mache 75 Prozent seines Umsatzes mit Kunden aus der Schweiz.» Aber auch demographische Gründe und das nachlassende Interesse am Musikmachen generell würden die Branche immer mehr zum Einbrechen bringen. «Ich hatte einst acht Mitarbeiter angestellt. Vor kurzem musste ich die zwei letzten entlassen und führe mein Geschäft nun alleine», sagt Pristas.

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