ST.GALLEN: Diskussion um Parkplätze geht weiter

Nach dem Entscheid der Investoren, auf den Bau des Parkhauses Schibenertor zu verzichten, starten neue Diskussionen um die städtische Verkehrspolitik. Die einen fordern mehr Parkplätze, die anderen wollen sie ganz aus der Innenstadt schaffen.

Christoph Renn
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Das Parkhaus Schibenertor ist Geschichte. Die Diskussion um die städtische Verkehrspolitik noch lange nicht. (Bild: Urs Bucher)

Das Parkhaus Schibenertor ist Geschichte. Die Diskussion um die städtische Verkehrspolitik noch lange nicht. (Bild: Urs Bucher)

Christoph Renn

christoph.renn@tagblatt.ch

Die Reaktionen auf den Verzicht des Parkhauses Schibenertor reichen von leisen Jubelausbrüchen bis hin zu Seufzern der Enttäuschung. Während das bürgerliche Lager bereits jetzt den 210 unterirdischen Parkplätzen nachtrauert, sehen sich die links-grünen Parteien in ihrer Politik bestätigt. «Der Widerstand auf den verschiedenen Ebenen hat sich gelohnt», sagt etwa Basil Oberholzer von den Jungen Grünen. Roger Dornier, FDP-Fraktionspräsident, ruft hingegen dazu auf, nun das Projekt UG 25 am Unteren Graben mit Nachdruck zu verfolgen. Denn für die Belebung der Altstadt seien zentrumsnahe Parkplätze nötig. Daniel Stauffacher, Fraktionspräsident der CVP, hingegen sagt, dass wichtig ist, was nun mit dem Gebäude geschieht: «Erhält die Stadt als Gegenwert zum Parkhaus eine Bibliothek im Union-Gebäude, dann ist dies eine positive Entwicklung», sagt er. Die Diskussion um die Parkplatzregelung in und um die Innenstadt wird mit dem Verzicht auf das Parkhaus Schibenertor so oder so neu lanciert.

Die Parkplätze auf dem Marktplatz werden aufgehoben

Für das Gewerbe seien zentrumsnahe Parkmöglichkeiten unabdingbar, argumentieren die städtischen Vertreter der bürgerlichen Parteien. Diese Aussagen unterstützen auch Felix Keller vom St. Galler Gewerbeverband und Ralph Bleuer von Pro City. «Die Nähe zu Parkplätzen ist für Gewerbler in der Innenstadt ein entscheidender Faktor», sagt Keller. Niemand wolle nach einem Grosseinkauf mit schweren Taschen beladen den öffentlichen Verkehr benutzten. Doch er steckt den Kopf nach dem Verzicht des Parkhauses Schibenertor nicht in den Sand. Im Gegenteil: «Nun müssen andere Projekte schnellstmöglich vorangetrieben werden.» Dieselbe Ansicht teilt Ralph Bleuer. Und er ergänzt: «Wichtig ist nun, dass die oberirdischen Parkplätze am Marktplatz nicht aufgehoben werden, solange es keinen zentrumsnahen Ersatz gibt.» Er hoffe nun, dass der Stadtrat Fingerspitzengefühl beweise und nicht voreilig Plätze aufhebe. «Zumindest als Übergangslösung müssen sie bestehen bleiben, bis das UG 25 realisiert ist», fügt er an. Das wäre ein fairer Kompromiss. Dieser Argumentation schliesst sich SVP-Stadtratskandidat Jürg Brunner an. «Man muss die Stadt bei der Aufhebung oberirdischer Parkplätze im Auge behalten.» Dass die Altstadt möglichst autofrei sein müsse, sei unbestritten, jedoch dürfe sie darob nicht aussterben. Dennoch gewinnt er dem «rein unternehmerischen» Entscheid der Investoren etwas Positives ab: «Es schafft Klarheit. Und damit kann die Diskussion um den Marktplatz klarer weitergeführt werden.»

Doch nicht alle gehen mit Bleuer und Keller darin einig, dass zentrumsnahe Parkplätze diese enorme Wichtigkeit für das städtische Gewerbe haben: «Es gibt auch andere Beispiele», sagt Basil Oberholzer von den Jungen Grünen. Einige Geschäfte fühlten sich vom hohen Verkehrsaufkommen gestört. So oder so begrüsse er den Entscheid der Investoren, auf den Bau des Parkhauses Schibenertor zu verzichten. Welche Gründe schliesslich ausschlaggebend gewesen seien, könne er nicht sagen. «Es zeigt jedoch, dass sich die öffentliche Kritik gelohnt hat.» Dieses Parkhaus wäre seiner Meinung nach die völlig falsche Richtung in der Verkehrspolitik der Stadt gewesen, denn es soll in Zukunft nicht mehr Autos, sondern weniger geben. So äussert sich auch Peter Olibet, Präsident der SP Stadt St. Gallen: «Das ist der richtige Schritt hin zu einer vernünftigen Verkehrspolitik in der Innenstadt.» Und er geht noch einen Schritt weiter und fordert, dass nun auch die oberirdischen Parkplätze auf dem Marktplatz möglichst rasch aufgehoben werden sollen (Ausgabe von gestern).

Probleme lösen, statt neue zu schaffen

Auch Daniel Rüttimann, Fraktionschef der Grünliberalen, begrüsst den Verzicht auf das Parkhaus: «Die Ein- und Ausfahrt wäre sehr problematisch gewesen», begründet er. Denn auch ohne diese Tiefgarage entstehe in der Stadt kein grosses Loch an fehlenden Parkplätzen: «Ausser am Olma-Samstag findet man im Umkreis von 300 Metern um die Innenstadt immer einen freien Platz», sagt er. Deshalb begrüsse er es auch, wenn die oberirdischen Plätze aufgehoben werden. Doch müssten diese kompensiert werden. «Das Projekt UG 25 am Unteren Graben verfügt über eine andere Ausgangslage als die Parkgarage Schibenertor.» Wichtig sei, mit einem neuen Parkhaus Probleme zu lösen und nicht neue zu schaffen. Für Daniel Stauffacher von der CVP dürfe sich die Diskussion jedoch nicht um die blosse Zahl der Parkplätze drehen. Wichtig sei, eine gute Lösung zu finden, eine angemessene Zahl Plätze auch in der Stadt weiterhin anzubieten. «Das Gewerbe muss beispielsweise beliefert werden können und auch die Handwerksbetriebe müssen in der St. Galler Innenstadt einen Platz für ihre Fahrzeuge finden.»