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ST.GALLEN: Diese St.Galler Gewerbler trotzen dem Ladensterben

Es ist im Moment oft vom "Lädelisterben" die Rede. Doch einige Geschäfte präsentieren sich lebendiger denn je. Zum Beispiel am Gallusplatz, wo alte und neue Lokale nahe beieinander liegen. Die Gewerbler sind guten Mutes, sparen aber auch nicht mit Kritik.
Roger Berhalter
Im Sommer passt es, doch in der kalten Jahreszeit würden sich die Gewerbler am Gallusplatz noch mehr Passanten wünschen. (Bild: Urs Bucher)

Im Sommer passt es, doch in der kalten Jahreszeit würden sich die Gewerbler am Gallusplatz noch mehr Passanten wünschen. (Bild: Urs Bucher)

Er ist seit 34 Jahren hier. Kurt Cattaneo von der gleichnamigen Vinothek hat am Gallusplatz schon einiges erlebt. «Es gab harte Zeiten», sagt er und meint dabei vor allem den Baustellenlärm, der ihm den Verkauf seiner Portweine immer wieder schwer gemacht habe. Mittlerweile ist der Gallusplatz aber fertig gepflästert, und die Vinothek befindet sich an prominenter Lage.

Cattaneo hat sein Lokal von der Stadt gemietet und profitiert von einem «vernünftigen Mietpreis», wie er sagt. «Ich bin schon lange dabei, deshalb ist die Miete bei mir auch weniger oft gestiegen als in anderen Lokalen, wo es viele Wechsel gab», sagt der 73-Jährige. Er äussert sich aber auch kritisch zur Lage am Gallusplatz. Gerade im Winter sei der Platz oft wie ausgestorben. Vom Marktplatz her würden zu wenige Passanten den Weg bis zu ihm finden. Cattaneo bezeichnet den Gallusplatz deshalb als «Randzone, trotz zentraler Lage». Kritisch sieht er auch das Fahrverbot am Platz. Heute würden nur noch wenige Kunden mit dem Auto vorfahren, um eine Kiste Wein abzuholen (obwohl dieser Zubringerdienst nach wie vor erlaubt wäre).

Schliesslich kritisiert Cattaneo auch die «horrenden Preise», welche die Stadt für die Bewilligung seiner paar Gartentischchen verlange. Pro Saison zahle er dafür mehr als 2000 Franken. «Wir tragen hier viel zur Belebung der Stadt bei. Das sollte auch belohnt werden», sagt Cattaneo.

Polizisten vergraulen Touristen

Ins gleiche Horn stösst Astrid Kuhn. Sie ist noch neu am Gallusplatz und hat erst im vergangenen November das Restaurant «La Verita» eröffnet. Mit Suppen und Pasta am Mittag sowie Apérohäppchen und Wein am Abend möchte sie den Gallusplatz beleben. Das sei nicht immer einfach. «Ich fände es wünschenswert, wenn die Polizei etwas toleranter wäre und nicht jeden Kurzparkierer gleich büssen würde. So vergrault man Touristen», sagt die Gastronomin, die zuletzt im «Incontro» in der Bankgasse gewirtet hat. Es werde genaustens kontrolliert, und für jede Tafel, die man draussen aufstellen wolle, sei eine Bewilligung nötig, die koste. «Wir Gastronomen sind bereit, etwas zu zahlen. Aber nicht immer wieder und immer mehr», kritisiert Kuhn und erwähnt ein Beispiel. Während der Festspiele auf dem Klosterplatz dürfe sie jeweils eine halbe Stunde länger offen haben, zahle dafür aber 20 Franken. Und kaum sei eine gute Idee da – warum nicht einmal draussen eine Schneebar aufstellen? – würden rundherum sofort Bedenken laut.

«In der Stadt ist vieles sehr restriktiv geregelt. Sich in diesem gesetzlichen Wirrwarr auszukennen, ist nicht einfach», sagt auch Donat Wick. Ihm gehört das Restaurant «La Verita», und er betreibt auch das Hotel Vadian um die Ecke. Als Marktchef der Klosterviertel-Gesellschaft ist er zudem zuständig für den Christkindlimarkt. Ein zweitägiger Versuch während des Marktes habe ihn dazu ermutigt, das italienische Lokal zu eröffnen. Die Miete, die er verlange, bezeichnet er als «nicht übertrieben, aber auch nicht billig». Wick wünscht sich eine lebhafte Stadt statt allzuviel Ruhe. «Wir sind hier nun einmal im Stadtzentrum», sagt Wick – das sage er jeweils auch jenen Hotelgästen, die sich ein ruhiges Zimmer wünschten.

Matilde Weishaupt hingegen schwärmt von der Ruhe am Gallusplatz. Sie hat im November ihr Naturcoiffeur-Geschäft von der Vadianstrasse an den Gallusplatz gezügelt und eine regelrechte Ruhe-Oase eröffnet. Wohltuende Farben, sanfte Pianomusik, und durchs Fenster im Hinterzimmer fällt der Blick auf eine grosse Eibe im Innenhof. «Dieser Platz hat Kraft», sagt Weishaupt. Sie und ihre drei Angestellten seien begeistert. Es sei ein Glücksfall, dass sie diesen Standort gefunden habe. Ein Glück sei auch, dass sie mit der katholischen Kirchgemeinde eine faire Vermieterin habe. «Da kann man den Mietzins gut zahlen.»

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