ST.GALLEN: Die Stadtautobahn wird zum Nadelöhr

Auf den Strassen in der Stadt St.Gallen ist der Verkehr in den vergangenen Jahren mehr oder weniger stabil geblieben. Das Problem ist die Stadtautobahn.

Daniel Wirth
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Im Durchschnitt fahren täglich nahezu 80'000 Fahrzeuge durch den Rosenbergtunnel der Stadtautobahn. (Bild: Urs Bucher)

Im Durchschnitt fahren täglich nahezu 80'000 Fahrzeuge durch den Rosenbergtunnel der Stadtautobahn. (Bild: Urs Bucher)

2017 wird die St.Galler Stadtautobahn SA1 30 Jahre alt. Seit ihrer Eröffnung nimmt der Verkehr auf ihr Jahr für Jahr zu; in den letzten zehn Jahren betrug die Zunahme im Mittel rund zwei Prozent. 2015 rollten im Durchschnitt täglich 78'900 Fahrzeuge durch den Rosenbergtunnel, wie aus den Verkehrsdaten für das Jahr 2015 hervorgeht. Diese Daten hat das Tiefbauamt der Stadt dieser Tage veröffentlicht. 2015 fuhren im Vergleich zum Vorjahr 1,3 Prozent mehr Fahrzeuge durch den Rosenbergtunnel, im Vergleich zum Jahr 1987 sage und schreibe 126 Prozent mehr; der Verkehr auf der SA1 hat sich seit ihrer Eröffnung also mehr als verdoppelt.

Das Bundesamt für Strassen (Astra) plant, den Engpass SA1 zu beseitigen mit dem Bau einer dritten Röhre durch den Rosenberg sowie einer Teilspange von der Autobahn via Güterbahnhof hinauf zur Liebegg an der Grenze zum Appenzellerland.

Christian Hasler, Verkehrsplaner Stadt St.Gallen (Bild: ubu)

Christian Hasler, Verkehrsplaner Stadt St.Gallen (Bild: ubu)

Die Planung dafür ist am Laufen – doch bis diese Kunstbauten errichtet sind, gehen schätzungsweise 20 Jahre ins Land. Christian Hasler, Bereichsleiter Verkehr beim Tiefbauamt der Stadt St.Gallen, sagt, die Stadtautobahn schlucke viel Verkehr. Bis die dritte Autobahnröhre und die Teilspange in Betrieb genommen werden können, sind jedoch Staus auf der Autobahn und den Anschlüssen regelmässig zu erwarten. «Die Autofahrer sollten nicht auf die Strassen in der Stadt ausweichen, wenn die Autobahn verstopft ist. Denn dies führt auf den Gemeinde- und Kantonsstrassen zum Kollaps», sagt der städtische Verkehrsplaner. Das Ausweichen passiert heute, wenn auf der SA1 ein Unfall verursacht wurde - dann quält sich eine Blechlawine durch die Stadt und behindert selbst den öffentlichen Verkehr.

Die Städte-Initiative zeitigt ihre Wirkung
Die Verkehrszahlen auf den Strassen in der Stadt selbst sind seit einigen Jahren mehr oder weniger stabil. Beispiel Zürcher Strasse: Seit der Eröffnung der SA1 im Jahr 1987 hat der Verkehr bei Bruggen um 21 Prozent zugenommen (um durchschnittlich 0,7 Prozent im Jahr). Die Entlastung durch die SA1 vor 29 Jahren ist an der Zürcher Strasse aber noch immer messbar. Mit 21'700 Fahrzeugen am Tag fuhren 2015 genau gleich viele vor zehn Jahren und noch immer 47 Prozent weniger als 1986 über die Zürcher Strasse in Bruggen.

Ein ähnliches Bild zeigt sich an der Rorschacher Strasse bei Singenberg: Dort wurden 2015 durchschnittlich 13'800 Fahrzeuge gezählt am Tag; das waren 1,5 Prozent mehr als im Vorjahr, aber 54 Prozent weniger als 1986, dem Jahr vor der Eröffnung 1987.

Etwas anders sieht es aus bei den innerstädtischen Verkehrsachsen, die vom Stadtzentrum nordwärts und südwärts verlaufen. Auf der Langgasse wurden im vergangenen Jahr durchschnittlich 16'400 Fahrzeuge gezählt am Tag, was im Vergleich mit 2014 einer Zunahme von 1,9 Prozent entspricht. Die Entlastung seit der Eröffnung der Stadtautobahn liegt an der Langgasse auf Höhe Heiligkreuz bei 15 Prozent. Auch hier sind die Verkehrsdaten seit mehr als zehn Jahren stabil. Das sind sie auch auf der Teufener Strasse bei der Liebegg: Dort wurden 2015 im Schnitt täglich 12'800 Fahrzeuge gezählt.

Die Städte-Initiative, zu der die Stadtsanktaller 2010 Ja sagten und die sich im Reglement für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung niedergeschlagen hat, scheint die Plafonierung des Autoverkehrs zu erreichen. «Wir sind auf dem richtigen Weg», sagt Hasler.

www.stadtsg.ch/verkehrsdaten