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ST.GALLEN: Die S-Bahn fährt erst auf dem Papier

Vier Züge halten innert 17 Minuten – und dann wieder 43 Minuten lang keiner: Am Bahnhof Bruggen zeigt sich exemplarisch, dass die Stadt von einer echten S-Bahn noch weit entfernt ist. Mit dem neuen Fahrplan im Dezember ist aber Besserung in Sicht.
Roger Berhalter
Ein Nadelöhr: Der Bahnhof Bruggen ist nicht nur Teil der städtischen S-Bahn, sondern auch des Fernverkehrs. (Bild: Urs Bucher)

Ein Nadelöhr: Der Bahnhof Bruggen ist nicht nur Teil der städtischen S-Bahn, sondern auch des Fernverkehrs. (Bild: Urs Bucher)

Roger Berhalter

roger.berhalt

er@tagblatt.ch

Mindestens ein Viertelstunden-Takt durch die ganze Stadt, maximal zehn Minuten warten: So sähe eine richtige S-Bahn aus, sagt CVP-Stadtparlamentarierin Barbara Hächler. «Die S-Bahn auf Stadtgebiet ist erst dann verwirklicht, wenn ich den Fahrplan nicht mehr anschauen muss, weil sowieso gleich der nächste Zug kommt.» Von dieser Idealsituation sind die Nebenbahnhöfe in St. Fiden, Haggen, Bruggen und Winkeln noch weit entfernt. Vor allem der Fahrplan in Bruggen lässt viele Quartierbewohner den Kopf schütteln. Pro Stunde halten zwar vier Züge, je zwei Richtung Stadtzentrum und Richtung Gossau. Allerdings stoppen alle innerhalb von 17 Minuten. Danach wird der Bahnhof 43 Minuten lang nicht bedient. Wer in Bruggen auf den Zug will, muss den Fahrplan gut anschauen.

Die zwei Züge ins Zentrum halten im Abstand von vier Minuten. «Richtung Stadtzentrum haben wir damit faktisch einen Stundentakt», sagt FDP-Stadtparlamentarier Remo Daguati. solange die Verbindungen derart schlecht verteilt seien, sei die S-Bahn auf Stadtgebiet keine Alternative zu Bus oder Auto. «Es ist ein desolater Zustand. Wir in Bruggen werden ständig vertröstet», sagt Daguati.

24 Busverbindungen als Alternative

Mit dem neuen Fahrplan im Dezember wird sich die Situation in Bruggen verbessern (siehe Kasten). Michael Kündig vom kantonalen Amt für öffentlichen Verkehr verweist auch auf das attraktive Bus-Angebot: 24 Verbindungen Richtung Stadtzentrum stünden den Bewohnern von Bruggen pro Stunde zur Verfügung, dies mit den Buslinien 3 und 7, 1 und 4 sowie 151. Für Barbara Hächler ist der Bus aber keine Alternative. «Wenn es Stau gibt, steht auch der Bus im Stau.» Zudem dauere die Fahrt ins Zentrum dreimal so lange wie mit der S-Bahn. «In anderen Städten werden bei S-Bahnen zusätzliche Haltepunkte gebaut, in St.Gallen wird durchgefahren.» Hächler versteht nicht, weshalb man die bestehenden Schienen nicht besser nutzen kann und warum nicht mehr Züge in Bruggen halten. «Wenn man eine attraktive Stadt will, dann muss man auch auf eine attraktive S-Bahn bauen und damit versuchen, den innerstädtischen öV auf Kosten des Pendlerverkehrs zu verbessern.»

Aus Sicht der Verkehrsplaner ist der Bahnhof Bruggen ein Nadelöhr. Die Strecke zwischen Gossau und St.Gallen ist stark befahren, denn Bruggen ist nicht nur Teil der städtischen S-Bahn, sondern auch des Fernverkehrs. Pro Stunde zwängen sich nicht weniger als vier S-Bahnen, vier Fernverkehr-Züge, zwei Güterzüge sowie Dienstzüge am Bahnhof Bruggen vorbei. «Damit die Streckenkapazität auf der vorhandenen Infrastruktur ausreicht und die Stabilität und Pünktlichkeit nicht leidet», sei es nötig, die S-Bahnen zu bündeln, sagt Kündig vom Kanton. Ein dichterer Fahrplan sei auch deshalb schwer umzusetzen, weil die Züge unterschiedlich schnell seien, zum Teil von weiter her kämen und weil Fixpunkte in Zürich, Winterthur oder Wil vorgegeben seien.

Es bräuchte zwei zusätzliche Gleise

Ein Viertelstundentakt der S-Bahn durch die ganze Stadt, wie ihn das Mobilitätsreglement fordert, ist laut Kündig ohne Bauarbeiten nicht möglich. «Zwischen Gossau und St.Gallen wäre die Realisierung eines dritten und vierten Gleises nötig.» Über solche Bauprojekte entscheide der Bund, und der Kanton St.Gallen habe den Wunsch nach zusätzlichen Gleisen im Ausbauschritt 2030/35 beantragt. Bis man in Bruggen den Fahrplan nicht mehr studieren muss, wird es also noch einige Jahre dauern.

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