ST.GALLEN: Die Rettung des «Fondues danach»

Vor 25 Jahren haben die Olma-Besucher in der Tonhalle gefeiert. Mit der Renovation derselben drohte der gesellige Teil nach der Olma wegzufallen. Dank der Genossenschaft Unterer Brühl ist das «Fondue danach» heute noch möglich.

Elisabeth Reisp
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Jeweils am Mittwoch vor der Olma sind die Genossenschafter ins «Fonduestübli» eingeladen – im Bild im Jahr 2000. (Archivbild: Tirx Niederau)

Jeweils am Mittwoch vor der Olma sind die Genossenschafter ins «Fonduestübli» eingeladen – im Bild im Jahr 2000. (Archivbild: Tirx Niederau)

ST.GALLEN. Die Olma ist für St.Gallen das, was für Luzern die Fasnacht ist. Während elf Tagen herrscht Ausnahmezustand, unzählige St.Galler ziehen extra für die Olma eine Ferienwoche ein. Nicht zuletzt weil die Olma etwas hat, um was andere Messen sie beneiden: einen Abendbetrieb. Vor 25 Jahren droht dieser zu verschwinden, hätte Dölf Sutter nicht eingegriffen.

In die Stadt mit den Besuchern

Dölf Sutter ist ein St.Galler, der die Olma schon seit Kindheit kennt. In jungen Jahren habe er «ausgiebig» gefeiert. Nach der Heirat stand die Familie im Vordergrund, die wilden Zeiten waren vorbei. Aber die Olma ist ein fester Bestandteil seiner Agenda geblieben. Gerne erinnert er sich zurück.

Bis 1991 traf man sich nach dem Olma-Besuch in der Tonhalle. Fonduestübli, Walliser Stall und Appenzeller Stube mit urchiger Stubete luden im Erdgeschoss zum Verweilen ein. Oben, im grossen Saal, spielte eine Musikgesellschaft auf, es wurde getrunken, geschunkelt und getanzt. «Jeden Abend war die Tonhalle pumpenvoll», sagt Dölf Sutter. Doch 1991 wurde die Tonhalle renoviert.

Als Ersatz bis zur Fertigstellung der Renovationsarbeiten sollte ein Festzelt Richtung Bahnhof St. Fiden aufgestellt werden, schlug der damalige Olma-Direktor vor. «Das war aber keine gute Idee», sagt Sutter. «<Die Besucher muss man doch in die Stadt lenken>, haben wir uns gedacht.» Mit dem damaligen Chef der Marktpolizei suchte er nach Alternativen. Schnell war die Idee geboren, den Abendbetrieb auf den Unteren Brühl zu verschieben. Innert kurzer Zeit erhielt der umtriebige Sutter eine Bewilligung für seine Idee. «Der Olma-Direktor war einverstanden, von seinem Festzelt beim Bahnhof abzulassen, wenn wir uns zu einer richtigen Organisation mit einem Präsidenten als Ansprechpartner zusammentun.» So entstand die Genossenschaft Unterer Brühl mit Sutter als Präsident. Heuer feiert sie ihr 25-Jahr-Jubiläum.

Als Provisorium gedacht

«In kurzer Zeit hatten wir das Genossenschaftskapital zusammen.» 1000 Anteilscheine à 200 Franken. Für ein Jahr musste das reichen. Länger sollte die Genossenschaft sowieso nicht bestehen, schliesslich wollten die Organisatoren der Festbeizen zurück in die Tonhalle. «Doch bei der Tonhalle wollte man nach der teuren Renovation nichts mehr von rauschenden Festen der Olma-Besucher wissen.» So sind Fonduestübli und Walliser Stall sowie das Festzelt im Unteren Brühl geblieben.

Fonduestübli ist das Flaggschiff

«Das Fonduestübli ist zu unserem Flaggschiff geworden», sagt Sutter. In der Tonhalle bot das Fonduestübli Platz für 100 Gäste. Heute können 300 Besucher gleichzeitig Fondue essen. Und das tun sie mittlerweile aufgrund des grossen Andrangs in zwei Schichten. Das ehemalige Appenzeller Stube ist heute der Festbetrieb im Waaghaus. «Früher spielte jeweils die Streichmusik Alder auf.» Heute sei es aber nicht mehr so appenzellisch.

Warteliste für Anteilscheine

Die Genossenschaft Unterer Brühl arbeitet im stillen und unentgeltlich. «Ich mache es einfach aus Freude an der Sache.» Die Anteilscheine sind jedoch so begehrt, dass eine Warteliste für Interessierte geführt wird. Wer einen hat, gibt ihn kaum mehr her: «Die Hauptversammlung am Mittwoch vor der Olma ist ein gesellschaftliches Ereignis geworden, an dem man sich trifft.» Nur bei einem Todesfall eines Genossenschafters besteht die Möglichkeit, nachzurücken. Neue Scheine werden keine ausgegeben. «Wieso auch? Wir brauchen nicht mehr Geld.»

Dölf Sutter Präsident Genossenschaft Unterer Brühl (Bild: Urs Bucher)

Dölf Sutter Präsident Genossenschaft Unterer Brühl (Bild: Urs Bucher)

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