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ST.GALLEN: Die Brache soll zur Piazza werden

Der Spelteriniplatz ist heute vor allem zum Parkieren da. Eine Einöde, findet Anwohnerin und Architektin Regula Geisser. Sie möchte die Baulücke zum Platz aufwerten und plant mehr Grün und weniger Autos.
Roger Berhalter
Ein neuer Spelterini-Platz fürs Quartier: Regula Geisser entwickelt ihre Ideen am Modell. (Bild: Benjamin Manser)

Ein neuer Spelterini-Platz fürs Quartier: Regula Geisser entwickelt ihre Ideen am Modell. (Bild: Benjamin Manser)

Den Spelteriniplatz dürfte es eigentlich gar nicht geben. Ursprünglich war dort ein weiterer Häuserblock mit Innenhof geplant, der aber nie gebaut wurde. Der Platz ist deshalb keine gewollte Fläche, sondern eine Baulücke mit gut 150 öffentlichen Parkplätzen. Regula Geisser ist an diesem Parkplatz aufgewachsen, und auch ihre Eltern lebten während Jahrzehnten dort: Im Gebäude an der Notkerstrasse, dessen prominent sichtbare Fassade eigentlich im Innenhof versteckt sein sollte. Schon ihr Vater – der Grafikpionier Robert Geisser – hatte Ideen, wie man den Spelteriniplatz gestalten könnte. Jetzt hat auch Regula Geisser eine Idee. Sie habe keinen grossen Wurf im Sinn, sondern eine «Minimallösung», die man dafür «schon übermorgen» umsetzen könne. «Ich wusste schon lange: Irgendwann werde ich diesen Platz angehen. Jetzt habe ich die Möglichkeiten dazu», sagt die Architektin und Gründerin des Büros Geisser Streule Inhelder Architekten an der Davidstrasse.

Die Dimensionen stimmen nicht

Es gibt einiges, was Regula Geisser am Spelteriniplatz stört. «Er ist eine Einöde und strahlt keine Behaglichkeit aus. Man hält sich dort nicht gerne auf.» Nachts sei der leere Platz fast unheimlich. «Es ist eine völlig überdimensionierte Brache, die so tut, als sei sie ein Platz.» Die umliegenden Häuser seien zu niedrig, um eine so grosse Freifläche zu rechtfertigen – ganz anders etwa als am Markt- oder Bahnhofplatz. Der Spelteriniplatz sei «ein ungestalteter Raum in einer gestalteten Umgebung».

Auch die Autos stören die Anwohnerin. Genauer gesagt: Sie sind aus ihrer Sicht am falschen Ort. Regula Geisser zeigt ein paar Fotos, die sie gemacht hat. Der Spelteriniplatz ist voller Autos, und die Tafel vor der Parkgarage Brühltor leuchtet grün. So sei das oft: Die günstigeren, oberirdischen Parkplätze würden sich zuerst füllen, erst danach wichen die Autofahrer auf die teureren Tiefgaragenplätze aus. Dabei müsste es laut Geisser umgekehrt sein. «Das wäre doch auch im Sinn der Stadt.» Zum Beispiel könnte sich die Schranke auf dem Spelteriniplatz erst öffnen, wenn die Tiefgarage voll sei.

Es geht Geisser aber nicht darum, die Autos vom Spelteriniplatz zu verbannen. Auch wenn sie den heutigen Parkplatz als «niederste Art der Nutzung» bezeichnet. In erster Linie möchte sie den heute auf alle Seiten ausfransenden Platz wieder fassen und die Form des ursprünglich gedachten Häuserblocks abbilden. Konkret in Form eines grünen Gürtels mit Bäumen. «Hochstämmer sind unsere wichtigste Forderung», sagt die 40-Jährige. Bäume sollen den Platz einrahmen und Schatten spenden – zum Beispiel den Touristen in den Reisecars, die heute eine «widrige Situation» anträfen. Der Boden des Platzes soll nicht nur aus Asphalt, sondern aus einem hochwertigen Belag bestehen, und auch «Wasserelemente» wolle man in den neuen Spelteriniplatz integrieren. Die Brache soll zur Piazza werden.

Der Zirkus muss sein

Derzeit arbeitet die Architektin an einem konkreten Projekt, wie der Spelteriniplatz einmal aussehen könnte. Die Nutzung möchte sie aber bewusst offen lassen. «Wir wollen den Spelteriniplatz nicht überbauen», sagt Regula Geisser. Es sei auch unbestritten, dass der Jahrmarkt während der Olma und Offa weiterhin dort stattfinde. Ebenso berücksichtige sie das Zelt des Circus Knie in ihren Plänen von Anfang an. «Wir Anwohner freuen uns immer, wenn der Zirkus kommt. Dann wird der Platz bespielt und lebt.»

Die Stadt ist vorgewarnt

Mit ihrer Idee weiss die Architektin das Quartier hinter sich; an der jüngsten Mitgliederversammlung der IG Museumsquartier bildete sich spontan eine kleine Arbeitsgruppe, welche nun das Projekt vorantreibt. Die Zeit drängt, denn die Stadt plant laut Geisser im kommenden Jahr ohnehin eine Sanierung des Platzes. «Wir wollen im Zuge dieser Neugestaltung möglichst früh mitreden und unsere Interessen einbringen.» Baudirektorin Patrizia Adam sei schon vorgewarnt.

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