ST.GALLEN: Das Lattich-Quartier lebt weiter

Ab Mai kehrt auf dem Güterbahnhof-Areal wieder Leben ein. Die kulturelle Zwischennutzung «Lattich» geht mit Kunst, Tanz und Spiel in die zweite Runde. Die Geschicke des Projekts leitet neu ein Verein.
Luca Ghiselli
Das Lattich-Quartier wächst weiter. Der Verein Lattich hat zum Ziel, das Güterbahnhof-Areal zu beleben. (Bild: Samuel Schalch (19. August 2016))

Das Lattich-Quartier wächst weiter. Der Verein Lattich hat zum Ziel, das Güterbahnhof-Areal zu beleben. (Bild: Samuel Schalch (19. August 2016))

Luca Ghiselli

luca.ghiselli@tagblatt.ch

Auf dem Güterbahnhof-Areal soll sich in den nächsten Jahren unter dem Namen «Lattich» ein temporäres Quartier entwickeln. In über 40 modularen Containern sollen hier dereinst, zur Zwischennutzung des Areals, Arbeitsräume für die Kreativwirtschaft entstehen – soweit die Vision. Dahin ist es noch ein langer Weg. Die Verantwortlichen von «Lattich» gehen nun den zweiten Schritt in diese Richtung. Nachdem im vergangenen Sommer erstmals die SBB-Lagerhalle mit verschiedenen Anlässen vom Antiquitäten-Bazar bis zur Essensbörse bespielt wurde, geht «Lattich» von Mai bis Oktober in die zweite Runde. Während die Vision gleich bleibt, hat sich seit dem Saisonschluss im Oktober trotzdem vieles getan.

Einen roten Faden ins Programm bringen

Im Januar 2017 wurde der Verein Lattich gegründet. Er hat zum Ziel, die Aktivitäten auf dem Areal zu koordinieren und identitätsstiftend zu wirken. Bis anhin übernahm diese Aufgabe die ­Regio Appenzell-Ausserrhoden-St.Gallen-Bodensee, die weiterhin unterstützend mitwirkt. Geführt wird der neu gegründete Verein von Marcus Gossolt und Gabriela Falkner. Die beiden Kulturmanager wollen vorwärts machen: «Der vergangene Sommer hat uns gezeigt, dass ‹Lattich› in der Bevölkerung auf grosses Interesse gestossen ist», sagt Gossolt. Nun gelte es, den nächsten Schritt zu machen. So warten die «Lattich»-Verantwortlichen mit einigen Änderungen auf: Unter anderem werden die kulturellen Veranstaltungen in der Lagerhalle neu kuratiert. Es wird unter anderem ein Programm gezeigt, das darstellende Künste wie Sprech- und Musiktheater, Tanz und Performance ebenso wie bildende Künste und Literatur beinhaltet. Zudem wird jungen Kunstschaffenden eine eigene Sparte gewährt. «Dass die Veranstaltungen nun kuratiert werden, heisst aber nicht, dass wir nicht mehr offen für Neues wären», betont Gossolt. Neben den kulturellen Veranstaltungen sollen nämlich auch soziale und private Anlässe in der Halle stattfinden. «Die Idee hinter der Kuratierung ist, einen roten Faden in das Programm zu bringen», sagt Gossolt.

Hochbeete, Spielplätze und ein Restaurant

Auch im Aussenbereich gibt es von Mai bis Oktober ein umfangreiches Programm. In einem umfunktionierten Seecontainer soll ein kleines Gastronomieangebot entstehen, für Kinder werden auf dem Areal verschiedene Spielgelegenheiten geschaffen. Ein Urban-Gardening-Projekt mit mehreren Hochbeeten soll ausserdem das Gelände verschönern. Ziel sei es, mit den Aktivitäten Menschen zusammenzubringen, die sonst selten aufeinander treffen würden, heisst es in einer Mitteilung des Vereins Lattich. Die Baubewilligung für die dafür benötigte Nutzungsänderung wurde eingereicht. Die Finanzierung des Projekts wurde bisher durch einen Beitrag der St.Galler Kantonalbank und Freiwilligenarbeit sichergestellt.

«Lattich» ist eines von 40 Projekten, das die Bank anlässlich ihres 150-Jahr-Jubiläums unterstützt hat. «Der Rest des Beitrags fliesst nun in den Verein und wird vor allem für bauliche Massnahmen verwendet», sagt Marcus Gossolt. Mittelfristig strebe das Lattich-Quartier an, durch Mitgliederbeiträge selbsttragend zu werden. «Wir werden diese tief ansetzen, sodass jede und jeder mitmachen kann», stellt Gossolt in Aussicht. Dieses Geld fliesse ausschliesslich in kulturelle Projekte. Man habe bereits eine Idee, wie sich vor Ort zeigen werde, wer «Lattich»-Mitglied sei, sagt Gossolt. «Wir haben uns etwas Spezielles einfallen lassen.» Was genau, will der Co-Präsident von «Lattich» aber noch nicht verraten.

Im Quartier zeigt man sich erfreut über die Weiterführung der kulturellen Zwischennutzung. Alfred Mallepell, Präsident des Quartiervereins Tschudiwies-Centrum, betont die gute Zusammenarbeit mit den «Lattich»-Verantwortlichen. «Wir wurden stets frühzeitig informiert. Unsere Bedenken wegen möglicher Lärmemissionen haben sich nicht bestätigt.» Aus Sicht des Quartiers sei es ausserdem begrüssenswert, wenn das Areal belebt werde.

www.lattich.ch

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