ST.GALLEN: Dampfende Winter an den Weieren

Im Frauenbad Dreilinden soll eine Sauna für Frauen und Männer entstehen, so der Plan einer Interessengemeinschaft. Dafür hat sie zwar finanzielle Unterstützung bekommen, die macht aber nur einen Tropfen auf dem heissen Stein aus.

Nina Rudnicki
Drucken
Teilen
Geht es nach einer Interessengemeinschaft, wird die Frauenbadi demnächst zur Sauna für Frau und Mann. (Bild: Michel Canonica)

Geht es nach einer Interessengemeinschaft, wird die Frauenbadi demnächst zur Sauna für Frau und Mann. (Bild: Michel Canonica)

Nebel, eiskalte Luft und am Ufer der Frauenbadi die warmen Lichter einer Sauna: So etwa könnte ein Winterabend aussehen, wenn es bei den Drei Weieren eine Sauna gäbe. Nach einem nass-klammen Tag könnte man sich dort aufwärmen, danach in einen Bademantel kuscheln und seinen Blick über das dunkle Wasser schweifen lassen. Genau das will die Interessengemeinschaft «Sauna in den Weieren» nun ermöglichen: Im Frauenbad Dreilinden soll im Winter 2018 eine Sauna für Männer und Frauen eröffnen. Das Vorhaben ist eines von 37 Gewinnerprojekten, welche die St.Galler Kantonalbank anlässlich ihres 150-Jahr-Jubiläums mit jeweils bis zu 100 000 Franken unterstützt.

Ohne Schnickschnack

«Es wäre sensationell, das Frauenbad Dreilinden auch im Winter nutzen zu können», sagt Barbara Ochsner von der Interessengemeinschaft, die sich aus vier Frauen und einem Mann zusammensetzt. Zwei von ihnen wohnen in der Nachbarschaft der Drei Weieren, die anderen sind drei Mitglieder des Frauenschwimmclubs St.Gallen. Die Idee für die Sauna hatten letztere bereits vor zwei Jahren, als sie wie in jedem Jahr Ende August ihr Saisonabschlussfest feierten. «Wir überlegten, wie man im Winter von der einmaligen Atmosphäre der Weieren profitieren könnte», sagt Ochsner. «Schnell kam uns das Seebad Enge in Zürich in den Sinn.» Dieses sei mit seinen drei Saunakabinen, einem Liegeraum und direktem Seezugang einer der idyllischsten Orte der Stadt.

Zwei bis drei Saunaboxen sollen es auch in St.Gallen werden. Diese würden in den Ostflügel des Frauenbads eingebaut, also in jenen Teil, der derzeit aus Garderoben und Kästchen besteht und laut Ochsner kaum benutzt wird. Zudem soll es einen Ruheraum geben sowie neue Warmwasserduschen und WCs eingebaut werden, welche auch die Sommerbadegäste und die Teilnehmenden der Lauftreffs benutzen könnten. Die Sauna selbst soll eine finnische Sauna werden. «Also einfache Räume ohne Schnickschnack. Und statt in Pools kühlt man sich danach im Weier ab», sagt Ochsner. Eine der Saunaboxen ist nur für Frauen, die anderen für Frauen und Männer gedacht. Einmal pro Woche soll es jeweils einen Tag ausschliesslich für Frauen und ausschliesslich für Männer geben. «So kann die Frauenbadi ein Ort der Entspannung und Ruhe für alle werden.»

Neue Arbeitsplätze

Bis die Sauna eröffnet, muss allerdings noch einiges getan werden. Die Unterstützung der St.Galler Kantonalbank von 100 000 Franken ist laut Ochsner nur ein Bruchteil des Betrags, der für das Projekt benötigt wird. «In einer nächsten Phase müssen wir Sponsoren suchen, Eigenkapital aufbauen und ein Darlehen aufnehmen», sagt sie. Parallel dazu soll eine passende Rechtsform, wie etwa eine Genossenschaft oder eine Aktiengesellschaft, die aktuelle Interessengemeinschaft ablösen. Diese wird dann Mitarbeitende einstellen. «Es braucht während des ganzen Jahres einen Bademeister und Reinigungskräfte», sagt Ochsner. Da sie für die Caritas arbeitet, kann sie sich gut vorstellen, dass auf diese Weise Integrationsarbeitsplätze geschaffen werden könnten.

Zweimal dieselbe Idee

Die Denkmalpflege schätze die Idee als grundsätzlich möglich ein, sagt Ochsner. Und auch das Sportamt der Stadt sei als Betreiber der Anlage wohlwollend eingestellt. So war es denn auch der Leiter des Sportamtes, welcher die Frauen des Schwimmclubs mit den Anwohnern zusammenbrachte. Letztere hatten unabhängig von den Schwimmerinnen die Initiative für eine Sauna an den Weieren ergriffen und Anfang Jahr beim Sportamt eine Anfrage eingereicht. «Als wir dann wenige Tage später mit derselben Idee auf dem Sportamt erschienen, war sofort klar, dass wir uns zusammentun», sagt Ochsner. «Und da sind wir jetzt: eine kleine Gruppe, die den Ort als Naturoase schätzen und stärken will.»