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ST.GALLEN: Burger ohne Fleisch im «Hecht»

St.Gallen hat sein erstes veganes Restaurant: «Die Leckerei» bietet Speisen und Getränke ohne tierische Zutaten, dafür in Bio-Qualität. Die Betreiber sind Quereinsteiger, die auch aus Eigennutz handeln.
Kathrin Reimann
Lukas Grossenbacher und Timo und Lara Cajacob (von links) im Lokal am Bohl 1. (Bild: Samuel Schalch)

Lukas Grossenbacher und Timo und Lara Cajacob (von links) im Lokal am Bohl 1. (Bild: Samuel Schalch)

Saftige Burger in diversen Variationen, hausgemachte Chips mit üppigen Saucen, Bohneneintopf, gebratene Nudeln sowie Glace und Cappuccino: Die Karte im ersten veganen Restaurant in St.Gallen liest sich weniger gesund als erwartet. «Bei uns kommt nichts Ungesundes auf den Tisch, denn all unsere Zutaten sind frisch, qualitätsvoll, ohne künstliche Zusatzstoffe, möglichst aus der Region und natürlich ohne tierische Inhalte», sagt Timo Cajacob, der «Die Leckerei» gemeinsam mit seiner Frau Lara, die den Künstlernamen Lara Lecker trägt, führt.

Die Eltern dreier Kinder sind gastronomische Quereinsteiger. Sie arbeitete zuvor als Kauffrau, er hat erste Erfahrungen als Betreiber des «Goliathstübli» gesammelt. Die Idee zum veganen Restaurant kam den beiden St.Gallern auch aus Eigennutz. «Wir leben seit einigen Jahren vegan und haben es immer als umständlich empfunden, auswärts essen zu gehen.» So mussten sie die Gerichte stets hinterfragen: Hat es im Risotto Hühnerbouillon? Wurde für die Gnocchi Milch verwendet? «Zu Stosszeiten, wenn das Lokal voll ist, überfordert man das Personal schnell mit solchen Anliegen.» Seit Montag führen die beiden deshalb «Die Leckerei» im ehemaligen Wok-Restaurant im ersten Stock des «Hecht»-Gebäudes am Bohl. Die offizielle Eröffnung ist am Samstag.

Keine Missionare ihres Lebensstils

Das Lokal hat nebst deftigeren Speisen auch Suppe, Salate, Säfte und Smoothies wie Hafer-Nuss-Hanf, Mandel-Himbeer oder Gurke-Petersilie-Apfel-Banane im Angebot. Seit Montag läuft das Restaurant im Testbetrieb. «Wir konnten bereits einige Änderungen vornehmen und haben wichtige Rückmeldungen erhalten.» Auch von Nicht-Veganern. Denn einige der Gäste hätten bei ihrem Besuch gedacht, dass hier immer noch chinesische Wok-Küche serviert werde. «Auch diese Gäste gingen zufrieden nach Hause und versprachen, wieder zu kommen», sagt der Betreiber. Seiner Frau und ihm ist es wichtig, dass sie das vegane Lokal ohne missionarischen Anspruch führen: «Wir wollen auf einen Trend reagieren und auf hohem Niveau eine Alternative zu Fleisch bieten.» Auch ihre Angestellten leben nicht alle ohne tierische Produkte. «Wir beschäftigen Veganer genauso wie Vegetarier und Fleischesser.» Ebenso sehen sie ihre Zielgruppe auch nicht nur innerhalb der Szene. «Wenn nur Veganer kommen würden, könnten wir nicht überleben.» Nichtsdestotrotz hätten bereits einige vegan lebende St.Galler «Der Leckerei» einen Besuch abgestattet und sich über das neue Angebot gefreut.

Dass bereits mehrere Restaurants in der Stadt ebenfalls vegane Speisen anbieten und mit dem «Tibits» Ende 2017 ein Anbieter vegetarischer und veganer Speisen nach St.Gallen kommt, macht den Betreibern keine Angst. «Für mehr frische und ehrliche Küchen hat es hier noch allemal Platz.» Zudem hätte es genügend Döner- und Pizza-Buden, die man verdrängen könnte.

Angebot löst nicht nur Wohlwollen aus

Dass ihr veganes Angebot nicht nur auf Freude und positives Feedback stösst, mussten die beiden bereits erfahren. «Wir haben Mails bekommen, dass es eine Schande sei, in der Bratwurst-Stadt ein veganes Restaurant zu eröffnen.» Ausserdem hätten andere Bedenken geäussert, dass hinter ihrem Restaurant eine Discothek unter veganem Deckmantel stecke.

Dabei tut «Die Leckerei» mit ihrem Angebot im wortwörtlichen Sinn niemandem weh. Die Produkte sind nicht nur frei von Tier, sie kommen auch in Bio- und Demeter-Qualität daher. «Für uns ist das völlig normal», sagt Lara, die sich aus Gründen der Moral und der Fairness für die vegane Ernährung entschieden hat. Auch ihre Kinder ernähren sie ohne jegliche tierische Produkte, was meist ohne Probleme möglich sei. «Wenn wir ihnen erklären, weshalb sie etwas nicht essen können, wollen sie das auch nicht.» Allerdings würden die Kleinen bald in ein Alter kommen, wo sie vom Znüni der Kameraden probieren wollten. «Wenn es soweit ist, dann lassen wir sie das auch tun, Veganismus ist für uns keine Religion.» Auch sie selber lassen sich in ganz seltenen Momenten – etwa bei einer Bergwanderung – zu einer Käse-Rösti verführen. «Wir wissen aber, dass uns eine vegane Ernährung am besten tut.»

www.dieleckerei.ch

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