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ST.GALLEN: Bergsteigen als Lebensstil

Der St. Galler Roman von Schulthess gehört zum Nachwuchskader des Schweizer Alpenclubs. Zusammen mit vier anderen jungen Bergsteigern wird er im Juli nach China reisen. Um Erstbesteigungen auf Sechstausender zu machen.
Nina Rudnicki
Roman von Schulthess im Klettertraining vor der China-Expedition. (Bild: pd/Thomas Senf)

Roman von Schulthess im Klettertraining vor der China-Expedition. (Bild: pd/Thomas Senf)

Wer sich selbst überwindet und weitermacht, obwohl er aufhören will, wird am Schluss belohnt. Das ist die Erkenntnis, die der St. Galler Roman von Schulthess als Zwölfjähriger während einer Skitour mit seinem Götti hatte. Damals merkte er, wie sehr ihn die Bergwelt begeistert. Heute, zehn Jahre später, gehört von Schulthess zum Nachwuchskader des Schweizer Alpenclubs (SAC). Zusammen mit vier anderen jungen Bergsteigern hat er sich in einer dreistufigen Selektion für ein SAC-Expeditionsteam qualifiziert, das Mitte Juli nach China reisen wird. Im Tian-Shan-Gebirge im Nordwesten des Landes wird die Gruppe zusammen mit einem erfahrenen Bergführer Erstbesteigungen durchführen. Begleitet werden sie dabei von einem Team des Schweizer Fernsehens.

Basislager auf 3500 Metern

Von Nervosität ist einen Monat vor Beginn der Expedition bei von Schulthess nichts zu spüren. «Es wird ein Abenteuer. Aber eines, auf das wir uns gut vorbereiten», sagt er bei einer Tasse Kaffee in seinem neuen Zuhause in Herisau. Von Schulthess ist eigentlich Stadtsanktgaller, ein richtiger, wie er betont. Er ist im Riethüsli aufgewachsen und zur Schule gegangen. Als im vergangenen Monat ein WG-Zimmer bei Kollegen frei wurde, beschloss er spontan, umzuziehen. Das WG-Leben passe gut zu seinem Alltag, sagt er.

Vier bis fünf Mal pro Woche trainiert von Schulthess derzeit, um sich auf die Expedition vorzubereiten. Bei schlechtem Wetter ist er in der Kletterhalle, bei gutem in den Bergen in der ganzen Schweiz und im nahen Ausland unterwegs. Hinzu kommt Ausdauertraining wie Joggen. Ausserdem wird er vor der Expedition einige Tage im Berner Oberland auf 3000 Metern übernachten, um sich auf das Basislager in China vorzubereiten, das sogar auf 3500 Metern liegt.

Immer weiter trainiert

Von dort aus werden die Bergsteiger vier verschiedene Touren unternehmen, die auf bis zu 6500 Metern über Meer hinaufführen. «Das Tian-Shan-Gebirge ist eines der nördlichsten Gebirge der Welt. Das Gelände wird sich also aus Schnee, Felsen und Eis zusammensetzen», sagt von Schulthess. In der Schweiz finde man solches Gelände unter anderem an der Eiger-Nordwand.

Wieso es ausgerechnet er ins SAC-Nachwuchskader geschafft hat, kann von Schulthess nicht genau sagen. Er sei ein durchschnittlicher Bergsteiger, der aber, solange er sich erinnern könne, Spass an dem Sport gehabt habe. «Das war schon als Zehnjähriger so, als ich mit meiner Familie im Engadin wanderte.» Mit zwölf Jahren trat er dem SAC St. Gallen bei, machte dort erst beim Kinderbergsteigen und danach in der Jugendorganisation mit. Seine Schulferien verbrachte er in Bergsteiger-Lagern in Graubünden, der Innerschweiz und im Wallis.

«Während viele meiner Kollegen nach und nach mit dem Bergsteigen aufgehört haben, habe ich immer weiter trainiert», sagt er. Dass er sich nun gegen 20 Mitbewerber für die China-Expedition qualifiziert habe, sei glücklichen Umständen zu verdanken. So habe die Jury während den Trainings-Exkursionen nebst dem Bergsteigen auch Dinge wie Ordnung, Sorgfalt und Teamfähigkeit bewertet. «Bergsteigerisch waren wir alle auf dem selben Niveau. Ich gehörte in der Augen der Jury aber wohl zu jenen, bei denen das Gesamtpaket stimmte», sagt er.

Ein Profibergsteiger zu werden und damit sein Geld zu verdienen, ist allerdings nicht von Schulthess' Traum. «Das wäre mir zu viel Trubel mit den Sponsoren, den Medienauftritten und den Interviews», sagt er. «Wenn man mit einem Kamerateam unterwegs ist, geht auch viel verloren.» Man müsse sich dann auf Szenen und Kameraeinstellungen konzentrieren, anstatt sich ausschliesslich auf die Natur einlassen zu können. Vielmehr träumt von Schulthess, der ausgebildeter Zimmermann ist, davon, nach seiner Rückkehr aus China die dreijährige Ausbildung zum Bergführer zu beginnen.

Selber Entscheide treffen

«Meine Begeisterung fürs Bergsteigen liegt vor allem darin, dass man in der Natur auf sich alleine gestellt ist», sagt er. «Das ist eine Erfahrung, die man direkt auf den Alltag übertragen kann.» So komme jeder immer wieder an Punkte, an denen er alleine eine Entscheidung fällen und mit den Konsequenzen leben müsse. «Bergsteigen ist für mich darum nicht nur ein Sport, sondern vielmehr ein Lebensstil.»

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