ST.GALLEN: Am Anfang stand eine Ohrfeige

Am Wochenende wird das neue Naturmuseum im Stephanshorn eingeweiht. Seine Wurzeln hat der Neubau in einer Abstimmungsniederlage. Sie veranlasste den Stadtrat, ein neues Museumskonzept aufzugleisen.

Reto Voneschen
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Auslöser für den Neubau des Naturmuseums war das Volksnein von 2003 zur Erweiterung des Kunstmuseums im Stadtpark. Im Bild eine Illustration des gescheiterten Projektes «Moby». (Bild: pd)

Auslöser für den Neubau des Naturmuseums war das Volksnein von 2003 zur Erweiterung des Kunstmuseums im Stadtpark. Im Bild eine Illustration des gescheiterten Projektes «Moby». (Bild: pd)

ST.GALLEN. Dass die Stadt einen Museumsbau eröffnen kann, ist in St.Gallen nicht alltäglich. Im 20. Jahrhundert war dies zweimal der Fall: 1921 mit der Eröffnung des Historischen Museums und 1987 mit der Wiedereröffnung des nach längerem Unterbruch fürs Natur- und fürs Kunstmuseum hergerichteten Kunklerbaus im Stadtpark. Jetzt macht die Stadtsanktgaller Museumslandschaft einen Schritt weiter: Das Naturmuseum verlässt den Stadtpark und erhält im Osten der Stadt ein eigenes Haus. Dies gemäss den Zielsetzungen des Konzepts «Drei Museen – drei Häuser». Es sieht vor, dass jedes der drei grossen öffentlichen Museen der Stadt – nämlich das Natur-, das Kunst- sowie das Historische und Völkerkundemuseum – ein eigenes Haus erhält.

2003: Stimmvolk verhindert Neubau im Stadtpark

Am Anfang dieses Museumskonzeptes stand eine schmerzliche Abstimmungsniederlage. Bereits in den 1990er-Jahren war klar, dass die städtischen Museen in den zwei Gebäuden im Stadtpark unter Raumnot litten. Diverse Möglichkeiten für Erweiterungen wurden geprüft. Dazu zählten ein Erweiterungsbau im Innenhof des Historischen und Völkerkundemuseums wie auch eine bauliche Erweiterung zwischen diesem Haus und dem Kunklerbau.

Der zweite Ansatz setzte sich schliesslich durch: Die Stadt plante eine Erweiterung fürs Kunstmuseum zwischen den bestehenden Museumsgebäuden im Park. Dieses Bauprojekt «Moby» erlitt dann allerdings Schiffbruch. Gegen die dafür nötige Umzonung im Stadtpark ergriff der Naturschutzverein mit Unterstützung des Quartiers das Referendum. Die Umzonung wurde am 18. Mai 2003 vom Volk mit 56 Prozent Nein-Stimmen versenkt. Was weit in die Kulturszene hinein eine allgemeine Katerstimmung auslöste.

Ein neues Konzept für die Museen muss her

Auch in Teilen der Politik sass der Schock übers Nein zur Museumserweiterung tief. Das Resultat war, dass innert eines Jahres Umrisse eines neuen Museumskonzeptes entwickelt wurden. «Drei Museen – drei Häuser» hiessen das Modell, das Stadtpräsident Heinz Christen Anfang 2004 vorstellen konnte. Ab 2009 wurde die Realisierung unter Stadtpräsident Thomas Scheitlin energisch vorangetrieben.

Das Konzept sah die Sanierung und den Ausbau der Infrastruktur fürs Historische und Völkerkundemuseum an dessen bisherigem Standort vor. Das Naturmuseum sollte einen Neubau im Osten der Stadt erhalten. Das Kunstmuseum sollte im Kunklerbau bleiben und das unternutzte Kirchhoferhaus auf der anderen Seite der Museumsstrasse zusätzlich «bespielen».

Mit der Anpassung der Strukturen – jedes Museum erhielt eine eigene Stiftung als Trägerin – wurde 2011 eine wichtige organisatorische Voraussetzung zur Umsetzung des neuen Konzepts geschaffen. In einem ersten Schritt wurden die Sanierungs- und Ausbauarbeiten im Historischen und Völkerkundemuseum ausgeführt. Parallel dazu wurde der zweite Schritt, der Neubau fürs Naturmuseum, aufgegleist.

Viel Sympathie fürs Naturmuseum «beim Volk»

Politisch hatte dieses Projekt verschiedene Hürden zu nehmen. Umstritten war der kantonale Beitrag von sieben Millionen Franken. Er wurde im Kantonsrat nach einigermassen hitziger Debatte klar gutgeheissen. Das städtische Stimmvolk sagte am 25. November 2012 mit 59,3 Prozent auch Ja zum Vorhaben.

Das klare Resultat war nicht selbstverständlich: Kurz vor der Abstimmung hatte sich ein Nein-Komitee um Karl Güntzel gebildet. Der SVPler hatte bereits den Kantonsbeitrag dezidiert bekämpft und nannte den Neubau «grössenwahnsinnig».

Der Spatenstich fürs Naturmuseum fand im Februar 2014 statt. An diesem Wochenende kann es jetzt eingeweiht werden. Investiert wurden dafür 39,8 Millionen Franken. 13 Millionen daran steuert die Walter und Verena Spühl-Stiftung bei.

Ab 2019 erfolgt der dritte Ausbauschritt

Offen ist damit der dritte Schritt fürs Konzept «Drei Museen – drei Häuser», der Ausbau des Kunstmuseums. Es übernimmt die vom Naturmuseum im Kunklerbau verlassenen Räume vorerst provisorisch. Das Projekt für diese Übergangsnutzung liegt vor. Es soll 2017/18 realisiert werden.

Das Resultat eines Wettbewerbs fürs definitive Umbauprojekt des Kunklerbaus liegt auch vor. Die für die Umsetzungen nötigen Planungen und politischen Entscheide sollen ab 2019 an die Hand genommen werden. Gebaut wird voraussichtlich ab 2021 während zwei bis drei Jahren. Insgesamt wird das Vorhaben rund 19 Millionen kosten, wobei noch offen ist, wie viel Dritte beisteuern werden.

Danach wird die Sanierung des Kirchhoferhauses fürs Kunstmuseum in Angriff genommen. Diese Kosten sollen mit 11,4 Millionen zu Buche schlagen.

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