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ST.GALLEN: 1500 Eier auf Watte gebettet

Ein halbes Jahrhundert lang hat Béatrice Schläpfer Eier gesammelt. Heute Mittwoch wird die umfangreiche Sammlung ins Naturmuseum St.Gallen gezügelt. Ein Abschied, der vor einem Jahr begonnen hat.
Corinne Allenspach
Fürs Zügeln hat Béatrice Schläpfer ihre Eiersammlung fein säuberlich in Schachteln verpackt und mit Watte unterlegt. (Bild: Urs Bucher)

Fürs Zügeln hat Béatrice Schläpfer ihre Eiersammlung fein säuberlich in Schachteln verpackt und mit Watte unterlegt. (Bild: Urs Bucher)

ST.GALLEN. Eigentlich ist sie ja «gottenfroh», dass ihre Eier im neuen Naturmuseum St. Gallen, das Mitte November eröffnet, künftig einen würdigen Platz in der Öffentlichkeit haben werden. Aber leicht fällt Béatrice Schläpfer der Abschied überhaupt nicht. Fast ein halbes Jahrhundert lang hat die Engelburgerin Eier aus aller Welt gesammelt. Exemplare von rund 700 Vogelarten, 46 Reptilienarten und einigen Insekten-, Schnecken- und Fischarten liegen im Ausstellungsraum daheim im Keller. Alle fein säuberlich angeschrieben und sortiert. Zum Zügeln jetzt in kleine Kartonschachteln gepackt und auf Watte gebettet. Rund 1500 Eier in unterschiedlichen Farben, Formen und Grössen, von Tieren mit den wunderlichsten Namen: Zimtgeier, Knäckente, Afrika-Nimmersatt, Mohrenklaffschnabel, Hottentottenente, Pampas-Tinamu oder Trottellumme. Und zu jedem Ei weiss Béatrice Schläpfer etwas zu erzählen. Darum habe auch das Einpacken viel länger gedauert als erwartet. «Weil mir bei jedem Ei wieder die Geschichte in den Sinn kam.»

Manchmal jahrelang gewartet auf ein Ei

Gesammelt, das hat Béatrice Schläpfer schon immer. Als Kind seien es Schmetterlinge, Schnecken und Frösche gewesen. «Mutter hatte eine schöne Freude», sagt die heute 76-Jährige und schmunzelt. Später spezialisierte sie sich auf Eier. Ihr Vater sei entsetzt gewesen. «Ein Mädchen, das Eier sammelt und Saxophon spielt, war früher nicht üblich.» Aber sie liess sich nicht beirren, denn: «Sammler sind glückliche und zufriedene Menschen.» Zehn Jahre lang spielte sie in der Gugge Chapf Chläpfler und zehn Jahre in der Musikgesellschaft Engelburg. Und immer wieder begleitete sie ihren Mann Kurt, der in leitender Stellung bei der Empa St. Gallen arbeitete, auf Auslandreisen. So kam Béatrice Schläpfer mit Zoodirektoren und Vogelzüchtern aus aller Welt in Kontakt. Manchmal musste sie jahrelang auf ein Ei warten. Aber dank viel Geduld, einer gewissen Hartnäckigkeit und Anerkennung zur richtigen Zeit kam sie stets ans Ziel. «Es sind alles unbefruchtete Eier, aus denen sowieso kein Tier geschlüpft wäre, da lege ich Wert drauf», betont die Vogelfreundin und ergänzt, sie sei eine von ganz wenigen Eiersammlerinnen der Schweiz.

Ihr ganzer Stolz ist die Adler-eier-Sammlung. Diese sei nur dank guter Beziehungen zu einer Zuchtstation in Wien zustandegekommen. «Es kostete mich etwa zehn Jahre, bis ich überhaupt den Kontakt herstellen konnte.» Für die Eier der Trottellumme reiste sie extra nach Island, die Tinamu-Eier holte sie in einem Zoo in Brasilien, die Kolibri-Eier sind aus San Diego. Zweimal war das Ehepaar Schläpfer auch in Neuseeland wegen Kiwi-Eiern – «aber leider ohne Erfolg». Und unzählige Male hat Béatrice Schläpfer Teile ihrer Sammlung ausgestellt und Privaten, Schulen und Vereinen gezeigt. Im Naturmuseum St. Gallen haben ihre Eier zur Osterzeit seit Jahrzehnten einen Stammplatz, aber auch auf den Inseln Mainau und Reichenau, im Naturmuseum Luzern oder in Altersheimen waren sie schon. Dabei will die Engelburgerin auch eine Botschaft weitergeben: dass die Menschen Sorge tragen müssen zur Natur, vor allem zu den Tieren. «Denn ohne sie können wir nicht leben», sagt sie.

Gesammelt auf«musealem Niveau»

Ab heute morgen nun werden Verantwortliche des Naturmuseums die Eier von Engelburg in den Neubau nach St. Gallen zügeln. Obwohl es Béatrice Schläpfer schwer fällt, die Eier wegzugeben, bleibt ein Trost: «Ich kann sie in St. Gallen ja jederzeit anschauen.» Im Naturmuseum, das selber schon rund 7000 Eier besitzt, freut man sich über die zusätzlichen rund 1500 Stück. Béatrice Schläpfer sei sehr systematisch vorgegangen und ihre Sammlung sei nicht nur sehr vielfältig, sondern auch gut dokumentiert, lobt Museumsdirektor Toni Bürgin. «Sie hat auf musealem Niveau gesammelt.» Und nachdem man schon seit Jahrzehnten von der Sammlung habe profitieren können, sei es besonders schön, sie nun definitiv im Museum zu haben. «Für uns ist es eine Bereicherung und eine wichtige Ergänzung.»

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