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STEUERFUSS: Mörschwil bleibt die Gemeinde mit den tiefsten Steuern

Wegen des guten Jahresergebnisses beantragt der Gemeinderat eine Steuersenkung – von 79 auf 75 Prozent. Mörschwil habe zwar keine Geldprobleme, sagt Gemeindepräsident Paul Bühler, dafür andere Sorgen.
Adrian Lemmenmeier
Mörschwil ist mit einem Steuerfuss von 75 Prozent die steuergünstigste Gemeinde im Kanton. (Bild: Benjamin Manser/Claudio Heller)

Mörschwil ist mit einem Steuerfuss von 75 Prozent die steuergünstigste Gemeinde im Kanton. (Bild: Benjamin Manser/Claudio Heller)

Paul Bühler, an der Bürgerversammlung vom 26. März wird der Gemeinderat die Senkung des Steuerfusses von 79 auf 75 Prozent beantragen. Das wäre bereits die 13. Steuersenkung, seit Sie im Amt sind. Bringt das Unglück?
Paul Bühler: Ich hoffe nicht. Ich habe allerdings nicht mitgezählt, wie oft die Steuern gesenkt wurden, seit ich Gemeindepräsident bin. Da müsste ich nachschauen.

Es waren bisher zwölf Senkungen. An ihrer ersten Bürgerversammlung 1992 wurde der Steuerfuss erhöht, danach immer wieder gesenkt. Geht das nun munter so weiter?
Prognosen sind immer schwierig. Schliesslich passen wir den Steuerfuss der aktuellen Situation an.

Paul Bühler, Gemeindepräsident Mörschwil. (Bild: Michel Canonica)

Paul Bühler, Gemeindepräsident Mörschwil. (Bild: Michel Canonica)

Einnahmen und Ausgaben müssen im Lot sein. Ich bin aber überzeugt, dass sich der jetzige Steuerfuss einige Jahre halten lässt. Ob weitere Senkungen möglich sind, hängt davon ab, ob die Gemeinde weiteren Zuwachs verzeichnet, und wie sich die Ausgaben entwickeln.

Worauf ist der diesjährige Überschuss von gut 1,3 Millionen Franken denn zurückzuführen?
Wir haben bei den natürlichen Personen gut 760000 Franken mehr Steuern eingenommen als budgetiert. In dieser Zahl ist allerdings auch die Auflösung einer Rückstellung enthalten, die wir machten, um allfällige Rückzahlungen aus früheren Steuersenkungen zu finanzieren. Die Entwicklung der einfachen Steuern blieb allerdings unter der Erwartung. Mehr eingenommen als budgetiert hat die Gemeinde etwa bei der Gewinn- und Kapitalsteuer.

Statt die Steuern zu senken, könnte man den Überschuss auch investieren. Ich denke zum Beispiel an das Spritzenhäuschen, einen wunderbaren Riegelbau aus der Vorkriegszeit. Die Gemeinde will ihn als nicht heizbares Magazin vermieten. Ist das nicht eine verpasste Chance?
Ich sage immer: Der Steuerfuss ist eine Sache, die Infrastruktur der Gemeinde eine andere. Steuern senken, nur damit sie tief sind, ergibt keinen Sinn. Ich bin überzeugt, dass wir in Mörschwil eine gutes Zusammenspiel zwischen tiefen Steuern und einer gut ausgebauten Infrastruktur haben.

Beim Spritzenhäuschen könnte die Gemeinde doch aktiver sein.
Die Situation ist nicht so einfach. Der Meinung eines Experten zufolge, könnte das Holz des Riegelbaus nicht mehr richtig atmen, wenn man das Häuschen isolieren würde. Deshalb ist es mit dem Heizen so eine Sache. Die Gemeinde will das Häuschen aber nicht explizit als Magazin vermieten, sondern ist offen für Ideen. Jetzt schauen wir mal, welche Vorschläge zusammenkommen.

Mörschwil hat auch den Ruf, eine «Bonzengemeinde» zu sein, die von der Nähe zur Stadt St. Gallen profitiert. Was sagen Sie zu dieser Kritik?
Immerhin haben Sie nicht das Wort «Speckgürtel» verwendet. Spass beiseite, diese Kritik lässt mich völlig kalt. Denn sie ist absolut unbegründet. Wir arbeiten sehr gut mit der Stadt St. Gallen zusammen, und finanzieren diverse Angebote mit. Mörschwil ist zum Beispiel eine jener Gemeinden, die sofort zugesagt hat, sich an einem Hallenbadverbund zu beteiligen. Ob dieser zu Stande kommt, steht aber auf einem anderen Blatt.

Eine Gemeinde mit tiefen Steuern zieht reiche Privatpersonen an. Das hat Auswirkungen auf den Bodenpreis. Finden junge Mörschwiler heute noch eine günstige Wohnung?
Der Bodenpreis ist tatsächlich ein Problem, das mir Sorgen bereitet. Es ist für junge Mörschwilerinnen und Mörschwiler, die keine reichen Eltern oder keinen gut bezahlten Job haben, tatsächlich schwierig geworden, etwas zu finden. Gerne würde die Gemeinde deshalb Land kaufen und zu moderaten Preisen weitergeben, wie wir es auch schon getan haben. Aber wir haben praktisch kein eingezontes Bauland mehr. Und Land umzuzonen, ist mit dem neuen Raumplanungsgesetz schwierig geworden.

In Mörschwil gibt es einige Projekte, die seit Jahren nicht vom Fleck kommen. Das Alters- und Pflegezentrum etwa, der Freihof oder das Pfadiheim. Wie wichtig ist es für Sie, diese Projekte in trockene Tücher zu bringen?
Grundsätzlich sind mir alle Projekte des Gemeinderats sehr wichtig. Die einen gehen schneller, die anderen langsamer. Es liegt nicht immer in unserer Hand. Die Finanzierung wäre auf jeden Fall gesichert.

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