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STERBEBEGLEITUNG: Rorschacherin begleitet Haustiere zur letzten Ruhe

Stirbt ein Tier, hinterlässt es bei seinen Besitzern oft eine grosse Lücke. Claudia Kühnis will jenen Menschen dabei helfen, mit dem Verlust umzugehen. Sie hat sich auf Rituale spezialisiert.
Perrine Woodtli
Claudia Kühnis in ihrer Ritualwerkstatt. Hier will sie mit ihren Kunden arbeiten. (Bild: Perrine Woodtli)

Claudia Kühnis in ihrer Ritualwerkstatt. Hier will sie mit ihren Kunden arbeiten. (Bild: Perrine Woodtli)

Das Haus von Claudia Kühnis zeigt bereits von aussen: Hier lebt ein spiritueller Mensch. Die Fenster des ehemaligen Bauernhauses in Goldach sind mit farbigen Steinen verziert – «Seelenfenster» nennt sie Kühnis. Ein lebensgrosser Engel in weiss heisst Gäste beim Eingang willkommen. Im Haus verrät eine Decke am Boden, dass hier ein Vierbeiner daheim ist. Tiere bedeuten Kühnis alles. «Ich bin mit ihnen gross geworden. Wir hatten Meerschweinchen, Hasen, Katzen, Vögel und Hunde zu Hause», sagt die 55-Jährige. Ihre Liebe zu Tieren verbindet die Rorschacherin mit ihrer spirituellen Ader: Kühnis ist eine Ritualfachfrau. Sie begleitet Menschen und Tiere in verschiedenen Lebenslagen. Bislang übte sie diese Tätigkeit nebenbei aus. Nun soll «die Berufung zum Beruf werden».

Den Tod nicht tabuisieren

Bereits als Kind war Kühnis spirituell und naturverbunden. Zudem wurde sie schon oft mit dem Tod konfrontiert. Nachdem ihr Vater früh gestorben ist, starb 2012 ihr Mann und kurz darauf ihre Mutter. «Diese Zeit hat mich sensibel, aber stärker gemacht», sagt Kühnis. Diese Erfahrungen bestärkten sie darin, Menschen in derselben Lebenssituation zu unterstützen. Kühnis, die das Geschäft «Kühnis Augenoptik» in Rorschach führt, bildete sich laufend weiter – etwa als Lebensberaterin oder Sterbebegleiterin. Derzeit besucht sie die Fachschule für Rituale. Bis zum Tod ihres Mannes bot Kühnis zudem ihre Dienste als Tierkommunikatorin an. Heute legt sie den Fokus auf ihre Arbeit als Ritualfachfrau.

Vor 19 Jahren dehnte Kühnis ihre Arbeit auf Tiere aus. «Viele Freunde meinten, dass jemand tierliebes wie ich mit Tieren arbeiten sollte», sagt sie. Die Rituale für Menschen, ihre Haupttätigkeit, bezeichnet sie als Herzensweg, die Rituale für Tiere als Herzenswunsch. «Tiere geben uns so viel. Wenn sie sterben, wissen viele nicht, wie es weitergehen soll», sagt Kühnis. Sie bietet Abschieds- und Willkommensfeiern, Traueranlässe, Segnungen und Namensgebung an sowie zusätzlich für Menschen Eheversprechen. Die Rituale, die sie anwende, seien sehr individuell. «Ritualgestaltung ist ein grenzenloser Begriff und bietet ein grosses Feld von Ausdrucksmöglichkeiten», betont Kühnis. «Rituale können alles Mögliche sein. Jeder Mensch braucht etwas Anderes.»

Stirbt ein Tier, haben viele Menschen laut ihr nicht die Möglichkeit, sich richtig zu verabschieden. «Viele wollen ihrem Tier daher noch alles sagen, was sie zeitlich nicht mehr konnten.» Dies geschehe oft im Rahmen einer symbolischen Beerdigung. Den meisten tue es auch einfach gut, über den Verlust zu sprechen. «Der Tod wird oft tabuisiert. Dabei ist es wichtig, offen darüber zu sprechen, um die Gefühle verarbeiten zu können.» Kühnis wird jedoch nicht bloss gerufen, wenn ein Tier gestorben ist. «Ich berate auch Menschen, die Probleme mit ihrem Tier haben oder helfe, wenn ein Tier im Sterben liegt», sagt Kühnis. «Dabei spüre ich auch die Dankbarkeit der Tiere.» Die Ritualarbeit beschreibt sie als «vielfältig, heilsam, aber auch fordernd und emotional».

Die 55-Jährige erzählt nicht überall sofort von ihrer Tätigkeit. «Ich weiss, dass viele Menschen skeptisch sind», sagt sie. Man werde schnell in eine Schublade gesteckt. «Ein unschönes Gefühl.» Auch ihren zwei Söhnen wurde es schon zu viel. «Als mein Sohn heiratete, sagte er zur mir: ‹Mama, du machst kein Ritual. Du tauchst nicht mit irgendwelchen Trommeln auf›», sagt Kühnis lachend. Ganz daran gehalten hat sie sich nicht. «So sind Mütter eben. Ich habe ein schlichtes Eheversprechen abgehalten, und beiden hat es sehr gefallen.»

Workshops in der Ritualwerkstatt

Mit dem Entscheid, einen Schritt weiter zu gehen und sich etwas als Ritualfachfrau aufzubauen, musste ein Arbeitsraum her. Den Schuppen neben dem Haus baute Claudia Kühnis zu ihrer Ritualwerkstatt um. In den Schränken hat sie Utensilien wie Instrumente, Kerzen, Blumen oder Steine verstaut. Die Wände riechen noch nach frischer Farbe. Nebst ihrer Arbeit mit Kunden stellt sich Kühnis hier Workshops und Themenabende vor. Im Mai organisiert sie den ersten Workshop zum Thema «Seelen entfalten». Dann präsentiert sie auch erstmals ihre Werkstatt. «Ich bin sehr aufgeregt und habe viele Ideen», sagt Kühnis. «Ich lasse nun alles auf mich zukommen und schaue, wohin es sich entwickelt.»

Rituale für Tier und Mensch: www.abschiedfuertiere.ch, www.ritual-beratung.ch

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