Steinhaufen wächst zur Ruine

Die Burgruine Rappenstein wurde vor knapp 600 Jahren von der reichen Familie Mötteli gekauft. Danach zerfiel das Anwesen bis auf ein paar Resten. 2007 wurden diese freigelegt. Nun ist die Ruine als solche wieder erkennbar.

Fredi Kurth
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Die Baustelle Rappenstein: Die von Zivilschützern errichtete Mauer befindet sich unter der Blache.

Die Baustelle Rappenstein: Die von Zivilschützern errichtete Mauer befindet sich unter der Blache.

Die Burgruine Rappenstein ist nicht ein Ort, wo man einfach so mal vorbeikommt. Und selbst wer sich im Osten der Stadt ins Ausflugsrestaurant Schaugenbädli oberhalb des Martinstobels verirrt, hätte bis vor kurzem nicht vermutet, dass es sich beim überwachsenen Hügelchen weiter unten um die Überreste der Burg Rappenstein handelt. Doch Zivilschützer haben nun während einer Woche an der Südostecke die Mauern der Ruine mit Kalkmörtel gesichert und heruntergefallene Steine wieder aufgemauert.

«Die Wand war dort so niedrig, dass man darauf herumging, und das hätte den Zerfall der Mauer beschleunigt», sagt Denkmalpfleger Martin Schregenberger.

Nun hoffen die Restaurateure, dass die mit Kalkmörtel ausgestopften Fugen halten und der Witterung trotzen. Die Arbeiten seien als Versuch zu verstehen. Im Frühjahr werde sich zeigen, ob sich die Methode bewährt habe.

Höchste Mauer über fünf Meter

Bereits vor drei Jahren waren Bäume und Büsche rund um die alte Burg gerodet worden. Man legte auch die Steine frei, putzte die Fugen heraus und lernte bei den Arbeiten, die dem Erosionsschutz dienten, dass man in kleinen Schritten besser vorankommt. Die höchste Mauer erreicht fünfeinhalb Meter Höhe, und später soll von oben ein klarer Grundriss der ehemaligen Burg sichtbar sein.

«Wenn alles rund läuft, können Besucher in drei bis vier Jahren die Ruine unbeaufsichtigt und gefahrlos begehen», sagt Schregenberger.

Zusammen mit Maurern und Gipsern hatte Schregenberger einen Burgrestaurierungskurs besucht. Er zeigte den Zivilschützern nun, wie sie Hand anlegen müssen. Die Arbeiten rund um Rappenstein gerieten somit auch zu einer Art «Casting-Show»: Schregenberger erhielt einen Eindruck davon, wer auch in Zukunft für solche Arbeiten über ausreichend Geschick verfügen könnte.

Immerhin gilt es, 800jährigen Kalk-mörtel mit neuem Mörtel zu schützen. Methoden mit Zementmörtel oder Spritzbeton haben sich nicht bewährt.

«Beste Wohnlage»

Bleibt die Frage, weshalb einst diese Burg eher ungewohnt in einem Tobel gebaut wurde. Schregenberger stellte sich die Frage anfänglich ebenfalls, stellte aber bald «beste Wohnlage» fest.

Es handle sich um ein sanftes, das ganze Jahr sonnenbeschienenes Täli oberhalb des Martinstobels, und der Standort habe sich oberhalb der Goldach auch geeignet, um bei einer Furt einen Zoll zu erheben.

Viele Details unbekannt

Die Geschichte von Rappenstein, die ins frühe Mittelalter zurückreicht, ist unklar. Das Alter der Burg wird auf 800 bis 900 Jahre geschätzt. Sie gehörte dem Kloster St. Gallen. So soll sich Abt Wilhelm von Montfort (Amtszeit 1279 bis 1299) dort vorübergehend aufgehalten haben.

Es wird vermutet, dass die Burg in den Appenzeller Kriegen zerstört wurde. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts erwarb die Ravensburger Kaufmannsfamilie Mötteli, was vom Gemäuer übrig geblieben war, und gab ihr den Namen «von Rappenstain». Nach Auskunft Schregenbergers besteht eine Wortverwandtschaft zu Ravensburg. Der Besitz einer Burg war damals Voraussetzung für einen Adelstitel.