Steinach saniert goldene Reserve

STEINACH. Über drei Hektare an bester Lage erstreckt sich der Mobilheimpark Weidenhof Ost in Steinach. Von einer Überbauung will der Gemeinderat aber vorerst nichts wissen; stattdessen wird der Park für 1,6 Millionen Franken saniert und verdichtet.

Corina Tobler
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Weg mit dem WC: Künftig müssen die Besitzer der Mobilheime die sanitären Anlagen selbst bereitstellen. (Bild: Corina Tobler)

Weg mit dem WC: Künftig müssen die Besitzer der Mobilheime die sanitären Anlagen selbst bereitstellen. (Bild: Corina Tobler)

Vor drei Wochen fuhren im Weidenhof Ost die Bagger auf. Zwischen den Mobilheimen wurde eine Geröllpiste in die Wiese gelegt. Die vier Sanitär-Pavillons mit je zwölf WC-Anlagen fallen jetzt der Baggerschaufel zum Opfer. Die sanitären Anlagen werden künftig nicht mehr von der Gemeinde bereitgestellt, sondern die Mobilheime brauchen eigene WCs.

Weg vom Gas, dafür ans Wasser

Es sind die ersten Schritte der 1,6 Millionen Franken teuren Sanierungsarbeiten auf dem drei Hektare grossen Areal, das die Gemeinde 1997 für 9,26 Millionen Franken kaufte. Genau wie der 0,6 Hektare grosse Weidenhof West ist der Weidenhof Ost Teil der Parkanlage der Villa Weidenhof. «Die dort wohnhafte Familie Stoffel vermietete den östlichen Teil an Mobilheimbesitzer. Dies haben wir übernommen. Seit dem Kauf war der Betrieb leicht defizitär, weil die Mieteinnahmen von rund 6000 Franken pro Jahr und Mobilheim die Betriebskosten und Abschreibungen nicht ausgleichen», sagt Gemeindepräsident Roland Brändli. Dies soll sich mit der Sanierung ändern.

Doch der Ausgabenüberschuss war nicht Hauptursache für die Arbeiten, die in den Frühling dauern. «Die Gasleitungen unter dem Areal sind marode, was gefährlich ist. Die St. Galler Stadtwerke hätten uns ohne Massnahmen 2015 den Gashahn zugedreht», begründet Brändli. Im Zuge der Sanierung wird das Areal vom Gasnetz genommen, wie der zuständige Ingenieur Jürg Müller von der Fischer Ingenieure AG aus Steinach bestätigt. «Im Rahmen der nun anstehenden Tiefbauarbeiten werden den ganzen Winter über Werkleitungen verlegt und ersetzt. Die Gasleitungen kommen weg, dafür werden alle Mobilheime ans Wasser- und Abwassernetz angeschlossen», sagt Müller. Zudem würden die Stromleitungen ersetzt, da diese den heutigen Anforderungen nicht mehr entsprächen. Der Tiefbau soll laut Bauplan bis März dauern, im Anschluss stehen noch Gärtnerarbeiten an – die Zufahrtsstrassen werden wieder entfernt und mit Wiese bepflanzt. Dass die Arbeiten jetzt stattfinden, ist kein Zufall. «So haben wir keinen Saisonausfall. Zudem kommt uns der tiefe Grundwasserspiegel im Winter beim Tiefbau zugute», so Müller. Er hofft nun, dass sich der Regen in Grenzen hält, da dieser einen Strich durch die Zeitplanung machen könnte. Für die Mobilheimbesitzer bringt die Sanierung nicht nur die Pflicht mit sich, sich eigene sanitäre Anlagen zu beschaffen, was die meisten mittels Anbau tun.

Mieter haben meist Verständnis

«Wir zügeln elf Mobilheime, die bisher im westlichen Teil waren, auf den östlichen Teil; verdichten also, so dass am Ende 73 Mobilheime Platz finden. Den Platz dafür schafft der Wegfall der WC-Pavillons», sagt der zuständige Gemeinderat René Akermann. Er führte intensiv Gespräche mit den Mietern, die aus der ganzen Deutschschweiz kommen und teilweise schon 40 Jahre in Steinach zu Gast sind. «Die Ankündigung, dass es plötzlich Veränderungen geben würde, löste zunächst Sorgen aus. Doch mittlerweile stossen die Massnahmen bei den meisten auf Verständnis; auch die elf Mieter der umplazierten Mobilheime sind zufrieden», so Akermann. Die Gemeinde habe per Ende September alle Mietverträge gekündigt und neue verschickt. «Bis auf zwei sind alle zurückgekommen.»

Über 20 Millionen Franken wert

Dass an der Nutzung des Landes als Mobilheimpark festgehalten wird, ist allerdings nicht selbstverständlich, sondern Ergebnis einer Strategietagung des Gemeinderats im Februar 2013. «In Steinach wurden Stimmen laut, die eine Überbauung forderten. Wir entschieden, dass der Weidenhof West zum Dorfzentrum werden soll, der Osten aber für die nächste Generation erhalten werden soll», sagt Roland Brändli. Der Betrieb des Parks soll nun für 25 Jahre gesichert und in diesem Zeitraum kostenneutral gestaltet werden, was laut Brändli dank der höheren Mieteinnahmen möglich ist. «Bei Bodenpreisen von 800 bis 1000 Franken pro Quadratmeter an dieser Lage ist der Weidenhof Ost unsere goldene Reserve. Der Verkauf für eine Überbauung würde 20 bis 25 Millionen Franken einbringen», macht er den Wert der Landreserve deutlich.

Der Mobilheimpark Weidenhof Ost wird für 1,6 Millionen Franken saniert. Vorne rechts ist die Villa Weidenhof zu sehen, zu welcher der Park gehörte. (Bild: Gemeinde Steinach/Fritz Heinze)

Der Mobilheimpark Weidenhof Ost wird für 1,6 Millionen Franken saniert. Vorne rechts ist die Villa Weidenhof zu sehen, zu welcher der Park gehörte. (Bild: Gemeinde Steinach/Fritz Heinze)

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