STEINACH: Mehr Arbeit fürs Sozialamt

Die Klienten der öffentlichen Sozialhilfe nehmen zu. Neue Aufgaben kommen hinzu. Das Sozialamt stösst personell an seine Grenzen. Nun stockt die Gemeinde auf.

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Die Stellenprozente im Steinacher Sozialamt werden wegen Mehr­belastung erhöht. (Bild: Archiv/Sam Thomas)

Die Stellenprozente im Steinacher Sozialamt werden wegen Mehr­belastung erhöht. (Bild: Archiv/Sam Thomas)

2014 verzeichnete die 3500-Einwohner-Gemeinde 32 Sozialhilfefälle. 2015 stieg die Zahl auf 42. 2016 waren es 47 Fälle, Tendenz steigend. Die Entwicklungen im Sozialbereich lassen einen weiteren Anstieg erwarten. Darum hat der Gemeinderat beschlossen, die 220 Stellenprozente in der Abteilung Einwohneramt/Sozialamt/Zentrale Dienste um 60 Stellenprozente zu erhöhen. Mit einer Sozialhilfequote von 2,1 Prozent liegt Steinach über dem Durchschnitt (1,6 Prozent) der Gemeinden in der Region. Weshalb die Fallzahlen in Steinach gestiegen sind, darüber kann Gemeinderatsschreiber Rolf Vorburger nur mutmassen.

Günstiger Wohnraum ist mit ein Grund

«In Steinach gibt es günstigen Wohnraum.» Verantwortlich für den Anstieg sei auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt. Immer mehr Langzeitarbeitslose würden ausgesteuert und damit finanziell von der Sozialhilfe abhängig. Die Annahme, der Wegfall von teilweise langjährigen Sozialhilfebezügern lasse die Kosten sinken, erwies sich als falsch. So budgetierte der Gemeinderat für das letzte Jahr 620500 Franken für die öffentliche Sozialhilfe.

Der «viel grössere Brocken» seien die veränderten gesetzlichen Rahmenbedingungen im Bereich der betreuenden Sozialhilfe, sagt Vorburger. Diese legen den Fokus stärker auf die Wiedereingliederung. So werden dem Sozialamt neue Aufgaben zugeteilt: Budgetberatung, Mediation, Familienberatung, Hilfe bei administrativen Abläufen und Behördengängen sowie bei der Wohnungs- oder Jobsuche. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde übernehme solche Aufgaben nur, wenn über die betroffene Person eine Massnahme verfügt wurde. Heisst, wenn ein Klient etwa wegen einer psychischen Erkrankung nicht mehr in der Lage ist, selbst für sich zu sorgen. Ist jemand hingegen «nur» in finanzieller Not, kommt in der Regel das Sozialamt zum Zug.

Linda Müntener

arbon@thurgauerzeitung.ch