Steg-Kredit chancenlos

RORSCHACHERBERG. Mit 1716 Nein-Stimmen zu 479 Ja-Stimmen schmettern Rorschacherbergs Stimmbürger am gestrigen Wahlsonntag die Kreditvorlage für einen Steg vor dem Uferabschnitt Neuseeland ab.

Rudolf Hirtl
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Sven Bradke Sprecher der IG Neuseeland Rorschacherberg (Bild: pd)

Sven Bradke Sprecher der IG Neuseeland Rorschacherberg (Bild: pd)

Das Thema Steg hat die Stimmbürger von Rorschacherberg gestern nicht gerade in Scharen an die Urne gelockt. Die Stimmbeteiligung war mit 50,5 Prozent aber doch etwas höher als bei vergangenen kommunalen Abstimmungen (44%). Die vieldiskutierte Kreditvorlage über 3,5 Millionen Franken für einen Betonsteg vor dem Uferabschnitt Neuseeland fand kein Gehör. Von 2203 eingegangenen Stimmkarten waren 1716 mit einem Nein versehen. Nur 479 Stimmbürger legten ein Ja in die Urne.

Qualvoller Weg zu Ende

Rorschacherbergs Gemeindepräsident Beat Hirs räumt ein, nicht mit einem derart deutlichen Resultat gerechnet zu haben. «Für mich zeigt das Resultat aber auch, dass die Stimmbürger grundsätzlich keinen Steg wollen und auch eine günstiger, näher am Ufer gelegene Variante keine Chance gehabt hätte.» Aus Sicht des Gemeinderates sei mit der Ablehnung ein gelegentlich auch qualvoller, demokratischer Entscheidungsweg vorläufig beendet. Nun gelte es eine rasche und optimale Lösung für Fussgänger und Radfahrer entlang der Kantonsstrasse zu finden.

Beat Hirs Gemeindepräsident Rorschacherberg (Bild: pd)

Beat Hirs Gemeindepräsident Rorschacherberg (Bild: pd)

IG sieht Votum für Denkpause

Die IG Neuseeland nehme den eindeutigen Volksentscheid zur Kenntnis, sagt deren Sprecher Sven Bradke. Vor zwei Jahren sei an der Bürgerversammlung ein Seeuferweg durch die Gärten sowie eine Uferaufschüttung abgelehnt worden. Nun sei bei einer Stimmbeteiligung von über 50 Prozent die geforderte Fussgängerstegvariante ebenfalls abgelehnt worden. «Wir sehen den heutigen Volksentscheid somit als Votum an, die Diskussion an dieser Stelle zu beenden oder zumindest eine längere Denkpause einzulegen», so Bradke. Sinnvoller sei zudem, sich beim Thema «Seeweg» politisch zuerst einmal auf Grundstücke im Besitz der öffentlichen Hand zu konzentrieren. An solchen Orten wäre ein Seeuferweg laut des IG-Sprechers einfacher zu realisieren als dort, wo Private seit Urzeiten wohnten oder vor ein paar Jahren zur Entwicklung des verlassenen und heruntergekommenen Gebietes gezielt angesiedelt worden seien.

Sven Bradke Sprecher der IG Neuseeland Rorschacherberg (Bild: pd)

Sven Bradke Sprecher der IG Neuseeland Rorschacherberg (Bild: pd)

Michael Buob Komitee für einen Seeuferweg, Rorschacherberg (Bild: pd)

Michael Buob Komitee für einen Seeuferweg, Rorschacherberg (Bild: pd)

«Nachdem auch wir uns gegen die teure Stegvariante ausgesprochen haben, war eine Ablehnung zu erwarten, sagt Michael Buob, der ursprüngliche Initiant eines Steges. Die Abstimmung habe gezeigt, dass die Alibilösung des Gemeinderates keine Mehrheit finde.

Basis für einen Neustart

Für das Komitee für einen Seeuferweg ist das Abstimmungsresultat «kein Nein zu einem Seeuferweg, sondern lediglich ein Nein zum überrissenen Projekt des Gemeinderates.» Das zur Abstimmung gebrachte Projekt habe dem Volksauftrag überhaupt nicht entsprochen. Folgerichtig habe das Volk die Vorlage regelrecht versenkt. Für das Komitee für einen Seeuferweg sei dieses deutliche Nein denn auch eine «ideale Ausgangslage für einen Neustart mit dem Ziel, den Seeuferzugang als Volksrecht endlich umzusetzen.»

Die «Privatsphäre» am Seeuferabschnitt Neuseeland in Rorschacherberg bleibt nach dem Nein zum Steg weiterhin gewahrt. (Bild: Rudolf Hirtl)

Die «Privatsphäre» am Seeuferabschnitt Neuseeland in Rorschacherberg bleibt nach dem Nein zum Steg weiterhin gewahrt. (Bild: Rudolf Hirtl)