Statt Wollhaar-Nashorn gab es Biber

Ein Dutzend Interessierte pilgerte gestern mittag zur Baustelle des neuen Naturmuseums. Die in der Baugrube gefundenen Knochen des urzeitlichen Wollhaar-Nashorns wollten sie sehen. Angekommen sind sie aber im April.

Elisabeth Reisp
Drucken
Das Fabelwesen aus der Baugrube des Naturmuseums ganz nah. (Bild: Elisabeth Reisp)

Das Fabelwesen aus der Baugrube des Naturmuseums ganz nah. (Bild: Elisabeth Reisp)

«Also Sie…», sagt die ältere Dame und hebt drohend den Zeigefinger in Richtung des Museumsdirektors. «Wenn das ein 1.-April-Scherz ist…». Ganz wohl ist dem Direktor des Naturmuseums St. Gallen für einen Augenblick nicht mehr. Toni Bürgin murmelt etwas wie «das wird sich herausstellen» und referiert eilig weiter.

Ein Dutzend Interessierte

Eine halbe Stunde lang erzählen Bürgin und der St. Galler Urzeitforscher Urs Oberli an der Baustelle des neuen Naturmuseums vom urzeitlichen Wollhaar-Nashorn. Als Sensationsfund aus der Baugrube wurde dieses gestern in dieser Zeitung angekündigt. Das Museum lud Interessierte ein, am 1. April zwischen 12 und 13 Uhr die Skelettteile auf der Baustelle zu besichtigen. Ein gutes Dutzend Neugieriger gab sich ein Stelldichein. Und wurde etwas angeschwindelt: Das Naturmuseum hat die Leute in den April geschickt. Was die Besucher sahen, waren nämlich die Überreste eines ganz normalen Nashorns.

Im schlammhaltigen Untergrund St. Gallens könnte tatsächlich das eine oder andere Skelett längst ausgestorbener Tierarten verborgen liegen. Wollhaar-Nashörner wurden in Zentraleuropa bisher noch nicht nachgewiesen. Mammuts, denen der gleiche Lebensraum zugeordnet wird, hingegen schon.

Fast wie ein Fabelwesen

Lange haben die Anwesenden nichts vom 1.-April-Scherz bemerkt. Die aus den Knochen ragenden Eisenstangen schürten zwar für einen Augenblick etwas Verdacht. Oberli zerstreute die Zweifel sogleich. «Die Stangen wurden übers Wochenende in die Knochen gebohrt, damit die Fundstücke zur Veranschaulichung zusammengesetzt werden können.» Einem Fabelwesen verdächtig ähnlich sahen die zusammengesetzten Teile dann aus. Die allerletzten Zweifel schwanden aber, als eine Reporterin vom regionalen Fernsehsender TVO auftauchte und das Geschehen filmte.

Biberli fürs Kommen

Die Auflösung des Scherzes nahmen die Anwesenden erst etwas ungläubig, dann aber amüsiert auf. Als Entschädigung gab es für alle ein Biberli. Die ältere Dame mit dem drohenden Zeigefinger nahm gleich zwei davon: «Dann bin ich wenigstens nicht umsonst gekommen», sagt sie resolut. Dann lacht sie: «Lustig ist es ja schon, so in den 1. April geschickt zu werden.»