Statt Ruhetag bald Schulalltag

Der Umbau des Gasthauses Stocken in ein Schulhaus läuft auf Hochtouren. Für 50 SBW-Privatschüler beginnt am 10. August die Schule. Wegen eines Wasserschadens findet ein Teil des Unterrichts vorerst unter einem Ersatzdach statt.

Kathrin Reimann
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Mit dem Einzug von 50 Schülerinnen und Schülern wird dem ehemaligen Stocken-Gasthaus demnächst neues Leben eingehaucht. (Bild: Ralph Ribi)

Mit dem Einzug von 50 Schülerinnen und Schülern wird dem ehemaligen Stocken-Gasthaus demnächst neues Leben eingehaucht. (Bild: Ralph Ribi)

Während Monaten hatte das Gasthaus Stocken in Bruggen gemäss Aushang «Ruhetag» gehabt. Schliesslich stand das ehemalige Hotel an der Kräzernstrasse nach dem letzten Pächterabgang vier Jahre lang leer. Demnächst wird das denkmalgeschützte Gebäude wiederbelebt. Rund 50 Kinder aus der Region nehmen am 10. August ihren Unterricht dort auf. Die Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen drei und dreizehn Jahren stammen von der Primaria, der Primarstufe der Romanshorner Privatschulgruppe SBW. Sie nehmen den Unterricht in Begleitung ihrer Lehrpersonen und Betreuer auf.

Auch ein emotionaler Schaden

Die Umbauarbeiten dazu laufen bereits seit einiger Zeit und befanden sich auch völlig im Zeitplan, bis zu dem Zeitpunkt, als es in der historischen Liegenschaft zu einem massiven Wasserschaden kam. «Eine Dichtung ist im obersten Stock geplatzt, wohl an einem Freitagabend. Am darauffolgenden Montag, dem 29. Juni, war das Wasser dann auch weiter unten im Haus angelangt. Glücklicherweise trägt die Versicherung den Schaden mit. Da sind wir dankbar», sagt SBW-Gesamtleiter Reto Ammann auf Anfrage.

Auswirkungen des Wasserschadens seien, dass man nun temporär «durch das Haus sehen kann», weil Böden entfernt werden mussten. Auch wurde bereits gezügeltes und im Keller gelagertes Material zerstört. «Teilweise auch mit viel Herzblut erstellte Unikate, welche aufgeweicht oder gar zerstört worden sind.» Der Schaden sei somit nicht nur finanzieller, sondern auch emotioneller Art, sagt Ammann. Doch er ist auch stolz darauf, wie flexibel alle Beteiligten mit der Situation umgegangen seien: «Das ist Resilienz pur!» So wird der Unterricht auch wie geplant am 10. August an der Kräzernstrasse aufgenommen. «Für einige der Kinder findet dieser vorerst unter einem Tipi-Ersatzdach statt, falls es der Sommer nicht immer gut mit uns meint», sagt Ammann.

Ort mit Geschichte respektiert

Für den 19. September ist ein Eröffnungsfest geplant, bei dem sich alle Interessierten ein Bild von dem «innen wie aussen sanft renovierten Gasthaus» machen können. Im Innern habe man beispielsweise bewusst einen Teil der Stube mit den Tischen und Stühlen wie vorgefunden belassen, um den Ort in seiner Geschichte zu respektieren.

Zuvor hatte der Unterricht der SBW-Primaria in Räumen der Rudolf-Steiner-Schule stattgefunden. Diese hatte Eigenbedarf für die Schulzimmer angemeldet. «Der alte Standort hat immer wieder zu Verwechslungen geführt. Deshalb war es auch unser Wunsch raus zugehen. Es war jedoch sehr schwierig, einen Ersatz zu finden», sagt Ammann. Dass die Primaria, geführt vom Lernhausteam Jens Oberbeck und Ursula Taravella, diesen Ersatz in einem Gasthaus fand, war Zufall. «Es gab zwei Favoriten die in Frage kamen und letztlich hat man sich in diese Liegenschaft auch irgendwie verliebt.» Nun wird aus dem ehemaligen Gasthaus zum Stocken, das neue Gasthaus des Lernens. Und Ammann verspricht, dass das Haus bald in neuem Glanz erscheinen werde. «Leerstand ist nie gut. Nun kommen frisches Denken und viele Kinder und Jugendliche ins <Stocken>. Das ist herrlich und macht das Gasthaus wieder zu einem Ort, wo gelacht und gedacht wird.» Zudem sei der Standort des neuen Schulhauses optimal, da er sehr gut erreichbar sei und das Aussengelände nahe bei der Sitter liege. «Für die Kinder kommt das einem Paradies gleich.»

Moderator im Verwaltungsrat

Die SBW-Privatschule, in deren Verwaltungsrat unter anderen der SRF-Moderator Kurt Aeschbacher sitzt, beschreibt sich als neugierige, persönliche und lebensnahe Ausbildungsstätte, die massgeschneiderte, unternehmerische und partnerschaftliche Dienstleistungen anbietet.

In der Primaria, die laut dem Magazin «Geo Wissen» als eine der fortschrittlichsten Tagesschulen im deutschsprachigen Raum gilt, ist die Lernumgebung so gestaltet, dass die Kinder in altersdurchmischten Gruppen oder individuell erforschen und entdecken können, was ihrem Lernstand entspricht. Auch spielt das Entdecken und Spielen im Freien eine wichtige Rolle im Verständnis der SBW-Pädagogik von einem gesunden und ganzheitlichen Lernen.

Reto Ammann Gesamtleiter SBW-Schulen (Bild: pd)

Reto Ammann Gesamtleiter SBW-Schulen (Bild: pd)