Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

STARGAST: Die Wahrheit meisterhaft verdreht

Zum Abschluss der 22. Saison von Kultur i de Aula gastierte am Wochenende der deutsche Kabarettist Rolf Miller in Goldach. Mit ihm auf der Bühne hat sich das OK einen langjährigen Traum erfüllt.
Corina Tobler
Künstler mit Blick auf einen ausverkauften Saal: Rolf Miller schreibt die Erfolgsgeschichte von Kultur i de Aula weiter. (Bild: Corina Tobler)

Künstler mit Blick auf einen ausverkauften Saal: Rolf Miller schreibt die Erfolgsgeschichte von Kultur i de Aula weiter. (Bild: Corina Tobler)

Corina Tobler

redaktionot

@tagblatt.ch

Es gibt Leute, die reden und reden. Stundenlang. Mit sich selbst, mit allen und doch mit niemandem. Shakespeares Hamlet ist so einer – wobei der immerhin in seinen langen Monologen tiefgründige Fragen stellt. Doch was tun, wenn einer Hamlet ad absurdum führt? Was tun, wenn Rolf Miller demotiviert auf einem einsamen Stuhl abhängt und im Minutentakt Dinge behauptet wie «Reden ist Schweigen, Silber ist Gold»? Richtig. Lachen.

Denn übel nehmen kann man Rolf Miller seinen Halbsatz-­Marathon voller falscher Redewendungen und verdrehter Wahrheiten nicht. Aus zwei Gründen. Erstens gesteht der mit dem deutschen Kabarettpreis ausgezeichnete Künstler mit dem Titel seines Programms selbst ein: Alles andere ist primär. Zweitens leben wir spätestens seit das Triumvirat Trump–Putin–Erdogan (Miller: «Two and a Half Men») an der Macht ist, in einer Welt der alternativen Fakten.

Mit neuem Ticketsystem in die 23. Saison

Mit diesen wirft Miller unter lautem Gelächter des ausverkauften Saals munter um sich, während er scheinbar zusammenhangslos über Jürgen, Achim und Frauen mit Namen wie Apparat und Sirene spricht. Keine der Personen erscheint je auf der Bühne. Trotzdem schafft es Miller irgendwie, dass wir meinen, sie zu kennen. Und so nebenbei machen wir uns anhand seiner lakonischen Kommentare über die ganze Welt, von Politik über Fussball bis hin zu unserem Lebensstil.

Der Kabarettist kennt keine Gnade. Die Proteste für Erdogan in Deutschland vergleicht er etwa mit Freilandhühnern, die für Käfighaltung demonstrieren, Sepp Blatter mit einer ferngesteuerten Luftbombe, und Veganer sind glutenfreie Ingwergesichter, die weder Ei noch Eigelb essen. «Wie panieren die denn ein Schnitzel?»

Doch Stopp. Genug der alternativen Fakten. Das Saisonende bei Kultur i de Aula ist Anlass, die echten Fakten auf den Tisch zu legen und Bilanz zu ziehen. Die fällt, wie Teammitglied Guido Schwalt bestätigt, einmal mehr äusserst positiv aus. «Alle Doppelabende waren so gut wie ausverkauft, und Künstler wie der hier unbekannte Michael Krebs oder Luna-tic haben Höhepunkt an Höhepunkt gereiht.» Einziger Flop war der Vorverkauf, als wegen des Ansturms auf die Saisonabos, die Kulturpässe, das System kollabierte. Dieses wird auf die nächste Saison angepasst, die Passinhaber können neu stressfrei ihre Plätze frühzeitig wieder reservieren, ähnlich wie im Theater St. Gallen.

Künstlerische Flops gibt es in der Aula dagegen nicht mehr. Der Grund: «Wir schauen uns seit etwa vier Jahren immer das ganze Programm der Künstler an, nicht mehr nur die zwanzig Minuten an den Künstlerbörsen», sagt Schwalt. Rolf Miller, dessen Auftritte restlos ausverkauft waren, gehört für Schwalt zu den absoluten Highlights der 22. Saison. «Wir hatten fast ein Jahrzehnt versucht, ihn zu holen. Immer wieder kamen Absagen, wir seien zu klein. Dass es jetzt geklappt hat, zeugt davon, dass wir uns einen Namen gemacht haben.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.