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STANDAKTIONEN: Die eigene Überzeugung stärken

In der St. Galler Altstadt sind jüngst verstärkt religiöse Gruppen anzutreffen. Vorweihnachten gehört immer zu den beliebtesten Zeiten für Standaktionen und Mitgliederwerbung. Verbieten lässt sich das nicht.
Nina Rudnicki
Der Dianetik-Infostand in der Marktgasse neben dem Wochenmarkt. (Bild: Reto Voneschen (30. Dezember 2017))

Der Dianetik-Infostand in der Marktgasse neben dem Wochenmarkt. (Bild: Reto Voneschen (30. Dezember 2017))

Nina Rudnicki

stadtredaktion@tagblatt.ch

Schon von weitem ist der Scientology-Stand gegenüber dem Vadian-Denkmal sichtbar . «Dianetik» steht in grossen gelben Buchstaben auf dem roten Pavillon. Auf einem Tisch stapeln sich Bücher von Science-Fiction-Autor und Sektengründer Ron L. Hubbard. Viele Passanten machen von vornherein einen weiten Bogen um die werbenden Scientology-Mitglieder, andere lassen sich hingegen auch in Gespräche über Dianetik verwickeln, also jene Methode, mit der sich gemäss ihrem Schöpfer der reaktive Verstand überwinden und der Zustand «Clear» erreichen lässt. Mehrmals stand der Scientology-Pavillon seit dem Herbst bereits vor dem Globus. Hinzu kamen weitere Standaktionen an der Marktgasse.

Aber auch andere religiöse Bewegungen oder Aktionen seien auffallend häufig in der Stadt anzutreffen, findet ein Stadtsanktgaller, der dem Treiben nach eigenen Angaben «sehr kritisch» gegenübersteht. Er habe sogar das subjektive Gefühl, das sei häufiger der Fall als früher. Immer wieder auf der Strasse anzutreffen sind unter anderem Vertreter der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, die zur Konfessionsgruppe der Mormonen zählt. Immer wieder präsent sind die Amana-Bücher, die Bibeln für Europa verteilen, oder der Büchertisch mit christlicher Literatur, aber auch die Topfkollekte der Heilsarmee. Da­zu kommen Vertreter diverser religiöser Gruppen, die meist zu zweit durch die Altstadt gehen, manchmal einen Rollwagen hinter sich herziehen und Passanten Flyer zustecken.

Religionsfreiheit gilt auch bei Standaktionen

Von einer allgemein zunehmenden Präsenz religiöser Gruppen in der Altstadt ist Roman Kohler, Pressesprecher der Stadtpolizei, nichts bekannt. Allerdings sagt er: «In der Vorweihnachtszeit ist der öffentliche Raum bei religiösen Organisationen immer sehr beliebt. Solange die Aktionen im Rahmen der Religionsfreiheit stattfinden, verbietet die Gewerbepolizei diese auch nicht.» Bedingung sei allerdings, dass die Organisationen nicht illegal und keine kommerziellen Aktivitäten geplant seien.

2016 hat die Stadtpolizei insgesamt 1096 Bewilligungen für Stand- und Info-Aktionen im öffentlichen Raum erteilt. Dazu zählten neben religiösen allerdings auch solche kultureller, gemeinnütziger und politischer Art. Im Bewilligungskalender der Stadt ist online jede Aktion aufgelistet. Es gibt allerdings auch Ausnahmen: In einen Graubereich fallen jene Personen, die mit einem Rollwagen durch die Stadt ziehen und Flyer verteilen und dafür meist gar keine Bewilligung einholen. «Hier müssen wir von Fall zu Fall schauen, ob es überhaupt eine Bewilligung braucht», sagt Polizeisprecher Roman Kohler.

Nicht nur zur Anwerbung neuer Mitglieder

Gemäss Georg Otto Schmid hat die Strassenwerbung religiöser Gemeinschaften gegenüber früheren Jahrzehnten abgenommen. Dennoch gibt es laut dem Religionsexperten Organisationen, welche an der Strassenwerbung festhalten. Dazu zählen die Zeugen Jehovas, Scientology und Mitglieder von Adullam, die auf Strassen predigen und Gratis-Bibeln anbieten.

«Bei den Zeugen Jehovas gab es in den vergangenen Jahren sogar eine gewisse Verlagerung von der Mission an der Haustüre hin zu fahrbaren Schriften-Ständen auf Strassen und Plätzen.» Von den Mitgliedern werde ein hohes missionarisches Engagement und wöchentliches Werben um Mitglieder erwartet. Ähnlich ist es bei Scientology, das seine Neumitglieder laut Georg Otto Schmid gerne für das sogenannte Body-Routing (so die Bezeichnung für die Werbebemühungen) einsetzt.

«Da die Erfolgsquote eher überschaubar ist, liegt der Verdacht nahe, dass diese Gemeinschaften die Strassenmission auch aus anderen Gründen propagieren», sagt Religionsexperte Schmid. Wichtigstes Motiv sei wohl die Selbstüberzeugung: «Wenn ich für eine Botschaft Werbung mache, identifiziere ich mich automatisch stärker damit. Auch wenn ich am Ende des Tages niemanden bekehrt habe, so habe ich doch meine eigene Bindung an meine Gemeinschaft und deren Lehren gestärkt.»

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