«Städte nicht weiter strafen»

Mit der Aufteilung der Tarifzone für Stadt und Region St. Gallen hat «Ostwind» Wirbel ausgelöst. Gegen die Preispolitik des Tarifverbundes wehrt sich ein einstiger SP-Stadtratskandidat. Ruedi Blumer will Antworten auf grundlegende Fragen.

Sarah Schmalz
Drucken
Teilen
Busfahrten in die Agglomeration werden Ende Jahr teurer. Die Kurzstrecke hingegen bleibt erhalten. (Archivbild: Urs Jaudas)

Busfahrten in die Agglomeration werden Ende Jahr teurer. Die Kurzstrecke hingegen bleibt erhalten. (Archivbild: Urs Jaudas)

Fast 60 Prozent mehr bezahlen ÖV-Nutzer einzelner umliegender Gemeinden ab Dezember für eine Fahrt in die Stadt. Grund ist die Aufteilung der Zone 210; ein Entscheid, die dem Tarifverbund Ostwind im Frühling viel Kritik eingebracht hat. Aufgeteilt wird neben der Stadtregion auch die Zone 212 (Gossau/Herisau). 5,5 Millionen Franken Mehreinnahmen will «Ostwind» mit den insgesamt damit einhergehenden Preisaufschlägen generieren. Der Gossauer Kantonsrat Ruedi Blumer kritisiert dies scharf. In einer in der Juni-Session eingereichten Interpellation fordert er mehr Mitsprache für die Gemeinden, insbesondere die Stadt St. Gallen, bei der Tarifgestaltung (Tagblatt vom Dienstag).

Die Stadt als Sparventil

In den Gremien des Tarifverbunds vertreten sind nur die Ostschweizer Kantone und das Fürstentum Liechtenstein sowie die im Ostwind-Gebiet tätigen ÖV-Unternehmen. Diese «Zentralisierung» gehe auf Kosten der städtischen Zentren, ist Blumer überzeugt: «Die Gemeinden werden zu Sparventilen der Kantone. Das darf nicht sein.»

Dass der öV ausgerechnet in den Ballungsräumen teurer werden soll, ist für den SP-Stadtratskandidaten 2012 aus vielfachen Gründen nicht nachvollziehbar. Die Bewohner städtischer Regionen seien die fleissigsten ÖV-Nutzer, schreibt er in der Interpellation. Es könne also nicht angehen, dass ausgerechnet sie mit Preisaufschlägen bestraft würden. Mit einem Drittel zahlt St. Gallen zudem den höchsten Anteil in den Gemeindepool zur Abgeltung des Regionalverkehrs ein. Sie subventioniert den öffentlichen Verkehr in abgelegeneren Gebieten, muss aber selber bluten. Dass die Stadt bei der Preisgestaltung «nichts zu sagen hat», stösst Blumer vor diesem Hintergrund sauer auf: «Versteht die Kantonsregierung das als Zusammenarbeit mit den Betroffenen?»

«Ein falsches Signal»

Beim öV zeigt sich für Blumer einmal mehr, «dass die Städte bei kantonalen Sparübungen übermässig belastet werden». Dass die Billettpreise steigen, ist für den Politiker aber auch einfach ein falsches Signal: Man könne nicht ständig von der Förderung des öV sprechen, und diesen dann unattraktiver machen, sagt Blumer, der verschiedene Ämter beim VCS bekleidet.

Von der St. Galler Kantonsregierung will er deshalb wissen ob sich diese künftig gegen Preiserhöhungen, wie es sie seit dem Beitritt zum Tarifverbund in der Stadt immer wieder gab – «etwa mit der Abschaffung der Mehrfahrtenkarte für Kinder» –, einsetze.

Massnahmen gefordert

Von den Mehreinnahmen des Tarifverbunds erhofft sich Blumer Angebote, welche den öV stärken. Er will deshalb wissen, was es mit der Ankündigung auf sich hat, «mit einem innovativen Sortiment Umsteige-Anreize für den Freizeitverkehr und den Tourismus zu schaffen». Als Vorschläge greift Blumer Angebote anderer Tarifverbunde auf: Etwa die Einführung einer 24-Stunden-Karte oder eine günstige Tageskarte für bis zu vier Personen.

Unterstützer findet Blumers Vorstoss nicht nur im linken Lager. Auch bürgerliche Kantonsräte haben ihn mitunterzeichnet, so Stadtpräsident Thomas Scheitlin (FDP) und Stadtrat Nino Cozzio (CVP).

Ruedi Blumer SP-Kantonsrat aus Gossau (Bild: pd)

Ruedi Blumer SP-Kantonsrat aus Gossau (Bild: pd)

Aktuelle Nachrichten