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STADTRATSWAHLEN: Ingrid Jacober: Grüne Küche, grüner Daumen

Ingrid Jacober versucht, möglichst wenig Energie zu verschwenden. Die Stadtratskandidatin der Grünen testet dafür eine neue Wohnform. Und kommt beim Gärtnern zu neuen Erkenntnissen.
Christina Weder
Ingrid Jacober und ihr 13-jähriger Sohn Timo vor der Küchenzeile an der Tschudistrasse. (Bild: Ralph Ribi)

Ingrid Jacober und ihr 13-jähriger Sohn Timo vor der Küchenzeile an der Tschudistrasse. (Bild: Ralph Ribi)

Christina Weder

christina.weder@tagblatt.ch

Das Zuhause von Stadtratskandidatin Ingrid Jacober und ihrem 13-jährigen Sohn Timo erinnert ein bisschen an ein Kinderparadies. Von einem Balken hängen Strickleiter, Schaukel, Hängematte und Discokugel. Auf einer kleinen Wandtafel steht mit Kreide der Wahlspruch der Kandidatin der Grünen: «Die Stadt vom Leben her denken.»

Ingrid Jacober wohnt seit 15 Jahren in einer genossenschaftlich organisierten Wohnfabrik im Tschudiwies. Die 17 Wohnungen, die dazugehören, sind verhältnismässig klein. Dafür gibt es gemeinschaftlich genutzte Räume wie eine Wohnküche, ein Gästezimmer und ein Atelier. Es sei ein offenes Haus, sagt Jacober, die im Quartier sehr aktiv ist und als Sozialpädagogin bei der städtischen Tagesbetreuung für Schulkinder arbeitet.

Sich selbst beschränken

Das grösste Anliegen der grünen Kandidatin ist es, eine Lebensform zu finden, die umweltverträglich ist. Ziel ist die 2000- Watt-Gesellschaft. «Sie wird uns einiges abverlangen», sagt sie. Es brauche neue Formen des Zusammenlebens, Sharing-Modelle und kurze Wege. Jacober lebt nach diesen Prinzipien und möchte diese auch als Stadträtin vertreten. Ein Stichwort ist die Selbstbeschränkung. Sie beginnt bei den Quadratmetern der eigenen Wohnung. Und setzt sich bei der Einrichtung fort.

Am liebsten hält sich Ingrid Jacober in ihrer Küche auf, wo ­frische Blumen und Gewürzdosen für Farbtupfer sorgen. Die beiden Hocker, die hier stehen, hat sie selber entworfen. Sie sind aus dem Gehäuse ihrer alten Musikboxen entstanden. «Es gefällt mir, Bestehendes sinnvoll wiederzuverwerten.» Sowieso sei sie gerne am Werkeln – «am Chlüttere», wie sie das nennt. An einem Balken hängt ein Porträt, das sie von ihrem schlafenden Sohn gemalt hat. Die Wand hinter der Küchenzeile hat sie grün gestrichen – «nach Feng Shui». Sie sei da nicht dogmatisch, sondern probiere einfach Verschiedenes aus, erzählt Ingrid Jacober.

Das Brummen ist noch da

Verschiedenes ausprobiert hat sie auch, was das mysteriöse Brummen an der Tschudistrasse anbelangt. Sie hört es noch immer. Im vergangenen Frühling hatte sie im Quartierblatt einen Aufruf gestartet, ob es auch anderen Quartierbewohnern den Schlaf raube. Das Thema ging national durch die Presse. Ingrid Jacober erhielt in der Folge Dutzende Mails und Anrufe. Bis heute melden sich bei ihr Leute aus der ganzen Schweiz, die ebenfalls von einem rätselhaften Brummton geplagt werden. Eine schlüssige Erklärung dafür hat sie bis heute nicht. Die Beschäftigung damit sei so etwas wie ein unfreiwilliges Hobby geworden. «Ich will aber nicht zu viel Energie hineinstecken.» Schliesslich habe sie noch anderes zu tun.

Jacober bezeichnet sich als leidenschaftliche Velofahrerin und Schwimmerin. Beides lässt sich verbinden. Wenn immer möglich strampelt sie mit dem Velo – ohne Elektromotor – zum Mannenweier hoch, solange die Wassertemperatur nicht unter 18 Grad fällt. «Ich bin nicht mehr so abgehärtet wie früher.»

Seit fünf Jahren hat sie zudem eine Parzelle im Familiengarten Ruckhalde gepachtet. Sie freut sich nicht nur über ihre reiche Ernte, die sie zu Desserts und Konfitüren verarbeitet. Ihr gefällt die Idee eines Gemeinschaftsbodens, der von unterschiedlichen Menschen beackert wird. Beim Graben kommt sie ins Grübeln. Sie beobachtet Asseln, Würmer und andere Bodenlebewesen, zieht Vergleiche zwischen dem Hegen des Gartens und dem ­Pflegen des Gemeinwohls. Und kommt zum Schluss: «Seit ich gärtnere, verstehe ich besser, wie die Welt funktioniert.»

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