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STADTRATSERSATZWAHL: Mehr als stochern im Nebel kaum möglich

Am nächsten Sonntag entscheidet sich, wer die Nachfolge von Stadtrat Nino Cozzio antreten kann. Eine Prognose, wer von den beiden Favoriten das Rennen machen wird, ist derzeit nicht wirklich möglich. Zu knapp sind die Mehrheitsverhältnisse.
Reto Voneschen
Kopf-an-Kopf-Rennen: Sonja Lüthi und Boris Tschirky am «Tagblatt»-Podium zum Auftakt des Wahlkampfs nach den Herbstferien. (Bilder: Hanspeter Schiess (30. Oktober 2017))

Kopf-an-Kopf-Rennen: Sonja Lüthi und Boris Tschirky am «Tagblatt»-Podium zum Auftakt des Wahlkampfs nach den Herbstferien. (Bilder: Hanspeter Schiess (30. Oktober 2017))

Reto Voneschen

reto.voneschen@tagblatt.ch

Das Wahlrennen um die Nachfolge des im Herbst verstorbenen St. Galler Stadtrats Nino Cozzio biegt diese Woche auf die Zielgerade ein. Am kommenden Sonntag wissen wir, wer das Rennen gemacht hat: ob Boris Tschirky den CVP-Sitz in der Stadtregierung mit Hilfe der übrigen Bürgerlichen verteidigen kann. Oder ob doch die Grünliberale Sonja Lüthi, hinter die sich ein Bündnis von der Mitte bis ganz nach links geschart hat, die Überraschung perfekt machen und einer der kleinen Parteien zu einem Sitz im Stadtrat verhelfen kann. Und natürlich interessiert am Rand auch, auf wie viele Stimmen der erst zum zweiten Wahlgang angetretene Schweizer Demokrat Roland Uhler kommt.

Eigentlich wäre es jetzt Zeit für eine Wahlprognose. Damit tun sich aber alle Beobachter der Stadtpolitik schwer. Das Kräfteverhältnisse zwischen zwei für den Stadtrat Kandidierenden war seit dem Herbst 2000 nie mehr so ausgeglichen wie jetzt zwischen Boris Tschirky und Sonja Lüthi. Zusammengezählt lagen im ersten Wahlgang die Kandidierenden des Bürgerblocks – Boris Tschirky (CVP) und Jürg Brunner (SVP) – gerade einmal 137 Stimmen vor den Kandidierenden von links der Mitte – Sonja Lüthi (Grünliberale), Andri Bösch (Juso) und Ingrid Jacober (Grüne). Tschirky lag im ersten Wahlgang mit 6872 Stimmen zwar klar vor Lüthi mit 5844 Stimmen, was sich aber damit erklärte, dass sich in ihrem Lager die Stimmen auf drei und nicht wie bei den Bürgerlichen nur auf zwei Kandidierende verteilten. Die Ausgangslage für den zweiten Wahlgang war damit spannend. Und eine Wahlprognose ist bis jetzt schwierig bis schier unmöglich.

Wer besser mobilisiert, gewinnt den zweiten Wahlgang

Das Resultat im entscheidenden zweiten Wahlgang am 26. November ist weitgehend davon abhängig, wie sich die bisherigen Wählerinnen und Wähler von Brunner, Bösch und Jacober entscheiden. Und ob sie überhaupt noch an die Urne finden: Die Wahlbeteiligung dürfte angesichts einer fehlenden zugkräftigen Sachabstimmung etwas tiefer liegen als am 24. September (siehe Text rechts). Dazu kommen weitere Unwägbarkeiten: Wie gut spielt auf Ebene der Wahlberechtigten das bürgerliche Bündnis von CVP, FDP und SVP? Wie wichtig ist die Frauenfrage? Was für einen Einfluss hat der im zweiten Wahlgang neu antretende Rechtsaussen Roland Uhler? Schadet Boris Tschirky, dass Jürg Brunner, der offizielle SVP-Kandidat aus dem ersten Wahlgang, jetzt – mit einer etwas kuriosen Begründung – Kontrahentin Lüthi unterstützt? Wirklich schlüssige Antworten auf alle diese Fragen gibt es im Moment keine. Womit eine Vorhersage zum Wahlresultat im heutigen Zeitpunkt nicht viel mehr als «ein Stochern im Nebel» sein kann.

Auch Sonja Lüthi hat weiterhin gute Chancen auf einen Sieg

Was man aber sicher feststellen darf, ist, dass Sonja Lüthi im zweiten Wahlgang nicht chancenlos ist. In den Auftritten an den Podiumsdiskussionen hat die Grünliberale gegenüber dem ersten Wahlgang zugelegt. Und ihre im Wahlkampf aktive Anhängerschaft, die weiterhin mit vollem Einsatz bei der Sache ist, geht inzwischen weit über ihre eigene Partei hinaus. Es ist auch absehbar, dass Lüthi mit der Frauenfrage parteipolitisch nicht gebundene Wählerinnen bis weit in die Mitte wird abholen können.

Ob das alles wirklich für den Sieg gegen den gestandenen CVP-Exekutivpolitiker Boris Tschirky ausreicht, ist offen. Auch er liegt jetzt nämlich nicht schlechter im Rennen als im ersten Wahlgang. Das Ausscheren von Jürg Brunner aus der bürgerlichen Unterstützungsfront ist letztlich wohl ein verschmerzbarer Betriebsunfall, der eher der Glaubwürdigkeit der SVP als Bündnispartner innerhalb des bürgerlichen Lagers schadet als dem CVP-Kandidaten am 26. November. Um wirklich Wirkung zu entfalten, kann die Unterstützung von Lüthi durch Brunner nämlich zu einfach als persönliche Abrechnung des bürgerlichen Unterlegenen im ersten Wahlgang gedeutet werden.

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