«Stadtrat um eine weitere Sichtweise bereichern»

Nachgefragt

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Seit Anfang Jahr ist Ariane Thür Wenger (SP) Mitglied im Rorschacher Stadtrat. Damit gehört erstmals seit 2004 wieder eine Frau dem Gremium an. Nach über 100 Tagen im Amt blickt die Rorschacherin ein erstes Mal zurück und erzählt von ihren Erfahrungen.

Frau Thür Wenger, sind Sie im Rorschacher Stadtrat gut angekommen?

Ja, ich habe mich gut eingelebt. Im bestehenden Männergremium wurde ich wohlwollend aufgenommen. Ob sich die Gesprächskultur geändert hat, müssen meine Kollegen beurteilen. Die Sachen wurden auf den Punkt gebracht, das schätze ich.

Wie konnten Sie sich bereits in den Stadtrat einbringen?

Als Frau bringe ich eine andere Optik mit, was den Stadtrat um eine weitere Sichtweise bereichert. Beim Thema Stadtentwicklung lege ich zum Beispiel einen anderen Fokus als meine Kollegen.

Was für einen zum Beispiel?

Zum Beispiel, welche Auswirkungen bauliche Massnahmen für Familien haben. Mein Ziel ist, dass unsere Stadt als Lebensraum für Familien an Attraktivität gewinnt. Sichere Schulwege, Freiräume, Kinderbetreuung und Freizeitanlagen sind für mich wichtige Themen der Stadtentwicklung.

Wie haben Sie ihre Tätigkeit bisher empfunden?

Es waren intensive erste Monate. Neben vielen neuen Gesichtern stecken die meisten Geschäfte, für die ich im Ressort Soziales zuständig bin, mittendrin oder sind kurz vor dem Abschluss. So zum Beispiel die Renovation des Pflegeheims Pelago, die kurz vor der Abstimmung steht. Über die Tätigkeiten der verschiedenen Kommissionen und Zweckverbände, in denen ich die Stadt vertrete, musste ich mir das nötige Hintergrundwissen erarbeiten.

Welche Herausforderungen haben sich Ihnen bisher gestellt?

Eine Herausforderung bildet ein aktuelles Projekt zur Sprachförderung von Flüchtlingen, die der Stadt zugewiesen worden sind. Die kantonalen Beiträge für die Deutschförderung wurden massiv gekürzt und reichen nicht aus, die benötigten Sprachkenntnisse für den Einstieg in die Arbeitswelt zu erlangen. Alle Gemeinden im Kanton sind gefordert, eigene lokale Deutschförder­angebote aufzubauen. Wir sind mit dem Projekt Quartierschule unterwegs.

Ist die Arbeit als Stadträtin so sitzungslastig, wie man es sich vorstellt?

Sitzungen beanspruchen zeitlich tatsächlich einen grossen Teil meiner Arbeit. Das stellte mich bei meinem Beruf als Lehrerin vor Herausforderungen, da ich einen Stundenplan zu befolgen habe. Ich versuche also keine Sitzung zu verpassen und gleiche meine berufliche Agenda mit der Stadtrat-Agenda ab. (jor)